Pressegespräch von EU-Kommissar Dr. Franz Fischler und Bürgermeister Ing. Hansjörg Gartlacher

Für vitale ländliche Räume

Wien (OTS) - EU-Agrarkommissar Dr. Franz Fischler präsentierte heute, Donnerstag, in Kolsass in Tirol die Vorschläge der Europäischen Kommission zur ländlichen Entwicklung.

"Wir brauchen eine verstärkte Politik zur ländlichen Entwicklung, um das Leben auf dem Land attraktiver zu machen", verlangte Fischler.

Die Agenda 2000 sehe daher vor, die Gemeinsame Agrarpolitik auf ein zweites Standbein zu stellen. Die ländlichen Räume seien für uns alle ungeheuer wichtig. Rund 80% der Fläche der Europäischen Union seien ländlicher Raum und ca. 25% der Bevölkerung lebten darin. Die ländlichen Räume seien als grüne Lungen, als Erholungs-, Ausgleichs-und nicht zuletzt als landwirtschaftliche Produktionsräume das unverzichtbare Gegengewicht zu den städtischen Ballungsräumen.

Doch ohne neue politische Initiativen sei der ländliche Raum in Gefahr. Der Abwanderungstrend sei europaweit unübersehbar. Dörfer würden zu Schlafdörfern, die Wirtschaftsstrukturen drohten zusammenzubrechen und es käme zu einer Abkoppelung von der allgemeinen Wohlstandsentwicklung.

Dieser Tendenz wolle die neue ländliche Entwicklungspolitik entgegenwirken. "Die ländlichen Räume haben ein Recht auf Chancengleichheit," so Fischler. Die Hauptziele seien daher, im ländlichen Raum moderne Infrastrukturen bereit zu halten, die Landwirtschaft und den Verarbeitungssektor zu diversifizieren und damit eine flächendeckende Bewirtschaftung zu ermöglichen, alle Funktionen des Waldes sicherzustellen, die Umweltfunktion der ländlichen Gebiete zu stärken, neue Technologien zu fördern und insgesamt die Chancen für das Landleben zu verbessern.

Wie sich die neue Politik für den ländlichen Raum auf ein Tiroler Dorf auswirken könnte, veranschaulichte Agrarkommissar Fischler gemeinsam mit Bürgermeister Ing. Hansjörg Gartlacher am Beispiel der Gemeinde Kolsass.

"Kolsass hat klare Ziele für die künftige Dorfentwicklung," so der Bürgermeister. "Wir müssen den Ausbau und die Erhaltung des ländlichen Wegenetzes sicherstellen. Wir wollen, daß die Bauern ihre Produkte absetzen können. Bei der Dorferneuerung ist noch viel zu tun. Es geht um mehr nichtlandwirtschaftliche Arbeitsplätze in unserem Dorf, um die Förderung des Gewerbes und des Tourismus. Und auch aus dem Wald ist noch mehr herauszuholen," so der Bürgermeister weiter.

""Genau diese Anliegen werden künftig in allen ländlichen Gebieten von seiten der EU förderfähig werden," so Fischler in seiner Replique. "Zudem entsteht ein ziemlicher Spielraum in der Bergbauernförderung. Es wird möglich sein, durch gezielte Abstufungen einen Sockelbetrag einzuführen und auf die unterschiedlichen Erschwernisse sachgerecht einzugehen. Durch die Aufstockung der Hektarsätze und die Einführung einer Durchschnittsberechnung entsteht ein großer Finanzierungsspielraum," so Fischler weiter.

Jede Region werde ein maßgeschneidertes Förderprogramm zur ländlichen Entwicklung haben. Eine Auflage sei, daß in allen Programmen Agrarumweltmaßnahmen enthalten sein müssen. Soweit die nationalen Behörden dies vorsehen, könnten alle Planungen und Programmierungen von den Ländern durchgeführt werden. Es sei daher nur konsequent wenn die künftige Gemeinschaftsinitiative auf alle ländlichen Regionen anwendbar werde. Damit wolle die EU das Kreativitätspotential in unseren Dörfern zum Handeln anregen.

Nicht vergessen werden dürfe, daß mit diesem Ansatz die gesamte Durchführung der Programme wesentlich einfacher werde und daß auch neue Finanzierungsmechanismen zur Anwendung kämen.

Zum Abschluß bezifferte Fischler den vorgesehenen Finanzrahmen:
"In den Jahren 2000 bis 2006 sind für die Entwicklung des ländlichen Raums jährlich rund 70 Milliarden Schilling vorgesehen. Die einzelnen Maßnahmen können von der EU bis zu 50% kofinanziert werden."

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Verbindungsbüro von EU-Kommissar
Dr. Franz Fischler,
Mag. Imma Baumgartner,
Tel: 01 / 40110-2469,
e-mail: imma.baumgartner@parlinkom.gv.at

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