Familienbund schlägt Alarm: 5,9 % weniger Geburten im ersten Halbjahr - dramatischer Geburteneinbruch übertrifft die schlechtesten Prognosen

Wien (OTS) - Nach dem dramatischen Geburteneinbruch 1997 (4,5 % weniger Geburten als 1996) setzt sich der Trend noch stärker 1998 fort. So wurden in den Monaten Jänner bis Mai 1998, 5,9 % weniger Babys geboren als im Vergleichszeitraum 1997. Für den Familienbund sind diese auch für die Statistiker unerwarteten Entwicklungen bei der Fertilitätsrate Grund genug um Alarm zu schlagen, stellte heute der Präsident des Österreichischen Familienbundes, LAbg. Mag. Otto Gumpinger, anläßlich einer Pressekonferenz in Wien fest.

Damit wird das vom Statistischen Zentralamt prognostizierte Szenario mit einer Geburtenrate von 1,2 pro Frau immer wahrscheinlicher.

2 Millionen weniger Einwohner in Österreich

Danach würde die österreichische Bevölkerung bei weiterhin gleichbleibender geringer Zuwanderung absinken oder es wird eine massivere Zuwanderung zugelassen mit den damit verbundenen Integrationsproblemen. Gravierend wird sich auch die Bevölkerungsstruktur verändern. Haben wir heute noch einen Anteil von 17,1 % Kinder unter 15 Jahren, werden es im Jahr 2050 nur mehr rund 9,2 % sein. Hingegen werden über 40 % der Österreicher über 60 Jahre alt sein (derzeit 19,8 %).

Seit 1971 gibt es insgesamt 418.906 weniger Kinder unter 15 Jahren. Es sei an der Zeit, so Gumpinger, auch einmal zu überlegen, welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen die ständig sinkenden Kinderzahlen haben.

In der Altersgruppe der 5-9jährigen bedeutet das zum Beispiel, daß 178.451 weniger Kinder ein Fahrrad bekommen.

Kinderwunsch und Wirklichkeit

In der Theorie planen die jungen Österreicherinnen und Österreicher mehrere Kinder in ihre persönliche Lebensgestaltung ein. Vergleicht man jedoch den Wunsch nach Kindern mit der Wirklichkeit, so sind eklatante Abweichungen zu beobachten. Von nur 5 % der Frauen zwischen 20 und 39 Jahren werden keine Kinder gewünscht. Tatsächlich bekommen aber 33 % dieser Frauen keine Kinder, 53 % der Frauen hätten gerne zwei Kinder, aber nur 32 % können diesen Wunsch auch realisieren. Über die Gründe der Abweichung zwischen Wunsch und Wirklichkeit können nur Vermutungen angestellt werden. Eine aussagekräftige Motivforschung sei in diesem Zusammenhang schon längst überfällig, meinte Gumpinger.

Geburtenrate kann auch in entwickelten Industriestaaten steigen

Durch entsprechende Maßnahmen kann auch die Geburtenrate in Industriestaaten wieder steigen, das haben skandinavische Länder in den 70er Jahren bewiesen. Es gelang dort eine Anhebung von ähnlich niedrigem Niveau wie bei uns auf eine über dem Selbsterhaltungsniveau von 2,1. Auslöser waren eine hohe gesellschaftliche Wertschätzung für Familien mit Kindern, gerechte finanzielle Rahmenbdingungen und eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der Familienbund erhofft deshalb durch die beschlossene Reform der Familienbesteuerung bzw. im Falle der Umsetzung des Kinderbetreuungsscheckes und einer Offensive für Teilzeitarbeitsplätze eine ähnliche Entwicklung für Österreich.

Kinderbetreuungsscheck - nötigenfalls Volksbegehren

Die Eltern erhalten damit erstmals die tatsächliche Wahlfreiheit, in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes die Betreuung selbst zu übernehmen oder qualifizierte Betreuung zuzukaufen. Das bisherige mit dem Karenzgeld verbundene Arbeitsverbot soll fallen, was den Eltern, die sofort wieder berufstätig sein wollen, sehr entgegenkommt.

Für den Familienbund ist die Variante 5.700,-- Schilling bis zum dritten Lebensjahr des jüngsten Kindes unabhängig von einer vorhergehenden Erwerbstätigkeit auszubezahlen, der richtige Schritt zur Realisierung der Idee des Kinderbetreuungsscheckes. Wie Gumpinger betonte, ist es sehr erfreulich, daß mit dem Betreuungsscheck sowohl eine eigene Krankenversicherung als auch die volle pensionsrechtliche Absicherung für die betreuende Person verbunden sind. Sollte er Betreuungsscheck nicht ernsthaft in den nächsten familienpolitischen Programmen einfließen, wird der Österreichishe Familienbund eine Plattform für ein diesbezügliches Volksbegehren gründen. Eine breite Mehrheit der Bevölkerung steht hinter diesem Anliegen. Die höchste Zustimmung findet er bei den Alleinerzieherinnen, belegen repräsentative Umfragen.

Steuerliche Bevorzugung für Teilzeitarbeitsplätze

Jungfamilien wünschen sich an erster Stelle eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Flexible Arbeitszeitmodelle, die auf die spezifische Familiensituation Rücksicht nehmen sind ebenso gefragt, wie kreative Lösungen bei der Kinderbetreuung. Wie Gumpinger ausführte, könne sich der Österreichische Familienbund vorstellen, daß Betriebe, die neue Teilzeitarbeitsplätze schaffen, auch im Zuge der Steuerreform steuerlich mehr als andere entlastet werden sollen.

Familien-Steuerpaket großer Schritt in der Familienpolitik

Als großen Schritt in der Familienpolitik bezeichnete Gumpinger das Familiensteuerpaket. 500,-- Schilling mehr für jedes Kind pro Monat ab dem Jahr 2000 bzw. 900,-- ab dem dritten Kind stellen eine echte Hilfe, vor allem für Mehrkinderfamilien dar. In diesem Zusammenhang fordert der Familienbund auch die Pakttreue der SPÖ ein, die plötzlich von der Realisierung der familienpolitischen Begleitmaßnahmen nichts mehr wissen will. Zur Erinnerung jene Punkte, die für mehr Familienfreundlichkeit in Österreich unerlässlich sind:

Anhebung des Karenzgeldes, der Teilzeitbeihilfe, der Teilkarenz und des Zuschlages zum Karenzgeld. Höheres Karenzgeld für Mehrlingsgeburten, Anhebung der Mittel für Familienberatung, Erhöhung der Mittel für den Familienhärteausgleichsfonds. Sowie Elternbildungsmaßnahmen, Schüler- und Lehrlingsfreifahrt auch bei auswärtiger Unterbringung, Überprüfung der Kilometergrenze in der Schülerfreifahrt, verbesserter Zugang zum Sondernotstand, verbesserter Zugang zum Unterhaltsvorschuss, Verbesserung bei der Zuverdienstmöglichkeit für Studierende.

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