Dem Streß und dem Ausbrennen entkommen!

Immer mehr Menschen leiden am Burn-out Syndrom. Ausdauersport und psychologische Trainingsmethoden helfen

Velden (OTS) - Der Dauerstreß höhlt ihre Seelen aus:
Alleinerziehende Mütter in sozial schwierigen Situationen, Menschen in Angst um ihren Arbeitsplatz, Angehörige der Sozialberufe, Krankenschwestern - und nicht zuletzt auch Ärzte und Führungskräfte haben eines gemeinsam: Sie sind vom Burn-out Syndrom bedroht. - Bei den von der Österreichischen Ärztekammer organisierten "Ärztetagen in Velden" (16. bis 22. August) werden die neuesten Strategien gegen diese "Zivilisationskrankheit" diskutiert.

"Das ist ein stark zunehmendes Problem. Bekannt ist, daß Ärzte und Pflegekräfte häufig darunter leiden - aber auch sonst Führungskräfte in den verschiedensten verantwortungsvollen Positionen. Aber das geht bis zum Mobbing am Arbeitsplatz oder zur Furcht um den Arbeitsplatz", erklärte Dr. Bernd Mirtl, Praktischer Arzt aus Villach.

Stadien

Die unheilvolle Entwicklung hat immer eine Geschichte, sie verläuft in Stadien:

* Am Beginn stehen zunächst schwer deutbare Symptome:
Lustlosigkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit.

* Mangelnder Appetit und verringerte Leistungsfähigkeit stellen weitere Anzeichen dar.

* Doch dann treten körperliche Beschwerden auf: z.B. Schwindel, Herzschmerzen, Magenweh, Ein- und Durchschlafstörungen.

Der Villacher Arzt: "Das geht dann bis zum Magengeschwür, zu den Gallensteinen und den nächtlichen Koliken."

Hilfe vom Fachmann

Oberstes Gebot: Ab einem gewissen Stadium des Burn-out Syndroms kann nur noch Hilfe von außen zu einer Bewältigung der Situation führen. Mirtl: "Das sollte zumindest ab dem Punkt der körperlichen Symptome (Somatisierung, Anm.) erfolgen."

Das Problem: Die Betroffenen versuchen zunächst, durch verschiedene "Tricks" mit ihren Schwierigkeiten fertig zu werden. Beispiele für solche Coping-Strategien können sein:

  • Noch mehr Arbeit (workaholic)
  • Aggressivität (Autofahren, Übertragung des Konflikts in den Familienbereich)
  • Genußmittel/Mißbrauch (Alkohol, Nikotin)

Hinzu kommt, daß viele Betroffene weder sich noch anderen Menschen eingestehen wollen, daß sie dabei sind, psychisch auszubrennen.

Ideal: Ausdauersport

Der Villacher Arzt predigt auf jeden Fall den Streßabbau durch Ausdauersport: "Das kann Laufen, Schwimmen oder Radfahren sein. Zwei-bis dreimal in der Woche am Abend - das baut das Streßhormon Cortisol wieder ab."

Daneben sollten die Ursachen für Dauerstreß erforscht werden

  • Wie schaut mein Tages- bzw. Wochenablauf aus?
  • Welche Umstände stressen mich am meisten?
  • Wie steht es um meine Beziehung zu meinem Partner (Familie, Kinder)?

Das Erlernen von Zeitmanagement-Techniken kann helfen. Doch zur Bewältigung des Burn-out Syndroms wird sehr erfolgreich auch auf psychologische Methoden zurückgegriffen:

  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelentspannung (nach Jacobson)
  • Atemtraining (gezielte Atemübungen)

Mirtl nennt die Muskel-Relaxation als gutes Beispiel: "Die progressive (systematische) Muskelentspannung als körper-orientiertes Entspannungsverfahren ist eine sehr elegante Methode. Man kann sie überall durchführen."

Systematische Muskelentspannung

Entwickelt wurde die Methode von Edmund Jacobson (1930). Der Grundsatz: In Streßsituationen treten neben inneren Spannungsgefühlen auch körperliche Begleiterscheinungen auf. Je größer die psychische Anspannung, desto augeprägter die muskuläre Anspannung. Nicht umsonst spricht man von der "Angst im Nacken" oder vom "Stein", der einem vom "Herzen" fällt.

Das Ziel: Durch die gezielte Muskelentspannung soll auch eine psychische Entspannung erfolgen. Die Streß-Zeichen wie Herzklopfen, Schweißausbruch, Händezittern und Atemprobleme sollen verschwinden.

Die Grundsätze:

* Das geschieht durch die Beeinflussung der Muskeln in ihrem Spannungsrad. Man übt, die Entspannung herbeizuführen, indem man zunächst die eigenen Muskeln im angespannten (acht bis zehn Sekunden) und entspannten Zustand beobachtet.

* Diese wiedererlernte Körperwahrnehmung wird ausgenutzt.

* Die Methode soll den Ausübenden dazu bringen, daß er sich in kritischen Situationen frühzeitig entspannen kann, negative Streßfaktoren abschwächt oder ihr Entstehen verhindert.

* Die Entspannung bringt eine Durchblutungssteigerung. Sie führt zum Gefühl der Wärme und verstärkt so den "auflockernden" Effekt. Übungen gibt es für Arme, Beine, Bauch, unteren Rücken und Brust, Nacken, Schultern und oberen Rücken sowie Gesicht und die gesamte Muskulatur.

Mit Bio-Feedback-Geräten läßt sich übrigens der "Lernerfolg" direkt sichtbar machen. Der Villacher Arzt: "Diese systematische Entspannung setzt aber regelmäßiges Training voraus. Täglich reichen einige Minuten Übungsaufwand.

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Tel.: 01/512 44 86

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