Estland will nördliche Osthandels-Drehscheibe der EU werden

EU-Beitrittskandidatur löst Wirtschaftsboom aus - WKÖ-Wirtschaftsmission nach Tallinn: 24.-26. November

Wien (PWK) - "Der EU-Kandidat Estland verdient stärkere Beachtung durch die österreichische Wirtschaft", findet Heinrich Baminger, Nordeuropa-Experte der Wirtschaftskammer Österreich. Die Möglichkeiten dieses relativ "neuen" Marktes, der noch keine eingefahrenen Lieferstrukturen aufweist, seien noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Engagierte Firmen könnten hier noch interessante Marktanteile erobern, zumal die Vorbereitungen Estlands auf einen EU-Beitritt umfangreiche Maßnahmen für Infrastruktur und Umweltschutz erforderlich machen. Die Wirtschaftskammer Österreich veranstaltet von 24. bis 26. November eine Wirtschaftsmission nach Tallinn. ****

Der österreichische Handel mit Estland hat seit der Öffnung 1992, wenn auch von einem bescheidenen Niveau ausgehend, rasch zugenommen. Die Exporte haben sich bis 1997 auf 335 Mio Schilling. verzehnfacht. Im ersten Jahresdrittel 1998 war ein weiterer Anstieg von 70 Prozent zu verzeichnen. Die Importe sind 1992 bis 1997 auf das Vierfache, rund 100 Mio Schilling, angestiegen.

Als Auslandsinvestor liegt Österreich gemäß estnischer Statistik mit Gesamtinvestitionen von 350 Mio.Schilling an 12. Stelle. In diesen Zahlen sind allerdings auch Investitionen von Österreich-Töchtern internationaler Multis, u.a. Coca Cola, enthalten.

Estland erlebt derzeit einen Wirtschaftsaufschwung (BIP-Wachstum 1997: über zehn Prozent), der durch die Entscheidung der EU-Kommission, das Land in die erste Gruppe der Erweiterungskandidaten aufzunehmen, noch deutlich verstärkt wird, so Baminger. Dadurch komme es auch zu einem Anstieg der Importe, vor allem von Investitionsgütern und Zulieferungen für den Ausbau der estnischen Industrie.

Auch Estlands Anziehungskraft als Wirtschaftsstandort hat sich durch das EU-Avis wesentlich erhöht, weiß Baminger. Ende 1997 betrugen die Auslandsinvestitionen in Estland rund 15 Mrd Schilling. Pro Kopf der Bevölkerung liegt das 1,5 Mio Einwohner zählende Land damit fast gleich hoch wie Tschechien und doppelt so hoch wie Slowenien.

Die ehemalige Sowjetrepublik Estland hat die Liberalisierung der Wirtschaft und des Außenhandels von allen Reformländern am weitesten vorangetrieben und bietet sich als Drehscheibe und Transitland für den Osthandel der EU an, so Baminger. Über den Hafen Tallinn werden drei Viertel des westlichen Seegüterverkehrs mit Rußland umgeschlagen. Gesamt gesehen ist die EU, die mit Estland 1995 ein Freihandelsabkommen abgeschlossen hat, der wichtigste Handelspartner der Baltenrepublik, als Einzelland steht Rußland an der Spitze.

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Dkfm.Heinrich Baminger

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