THE HAVANA PROJECT

Architecture Again

Wien (OTS) - Pressepreview: Dienstag, 1. September 1998, 10.30 Uhr Ausstellungsort: MAK-Galerie
MAK - Österreichisches Museum
für angewandte Kunst
Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer: 2. September - 31. Oktober 1998 Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

The Havana Project ist der Versuch der Architekten Coop Himmelb(l)au (Wien/Los Angeles), Thom Mayne (Los Angeles), Eric Owen Moss (Culver City, CA), Carme Pinós (Barcelona), Lebbeus Woods (New York) und C.P.P.N. (Wien) visionäres urban planing am "Modell" Havanna zu erproben. Allen Projekten, die im Anschluß an die vom MAK organisierte Architektur-Konferenz The Havana Project - Architecture Again 1994/95 in Havanna entstanden sind, ist ein innovativer und experimenteller Umgang mit der historischen, städtebaulichen Struktur gemeinsam: Sei es die Sanierung der Wasserversorgung für die Altstadt von Coop Himmelb(l)au, die Neugestaltung der Plaza Vieja von Eric Owen Moss, die fragmentarischen Stadtstruktur-Entwürfe für das Centro Habana von Thom Mayne, die Adaptierung der Uferstraße Malecón als "Public Space" von Carme Pinós, das Projekt für die Stadtmauer, den Malecón sowie das Meta-Institut von Lebbeus Woods oder die Puerta del Pueblo von C.P.P.N.

Die Stadt Havanna war für alle am Projekt beteiligten Architekten Inspiration und Herausforderung: eine Stadt, vital und pulsierend, "bedürftig und verarmt, aber mit mehr Gefühl für die Moderne als die meisten anderen Städte, unserer Zeit verpflichtet und doch einem überraschend singulären Zeitrhythmus gehorchend, vibrierend vor Lebenslust und von chaotischer und gleichzeitig berührender Vitalität" (Peter Noever). Havanna ist aber auch der Ort, wo das gesellschaftlich-utopische Moment der "Revolución" deutlich nachklingt, wo jedoch auch die reale, schmerzvolle Konfrontation mit der gescheiterten Utopie allgegenwärtig ist. Heute sind die bevorstehende "Invasion", der erwartete oder befürchtete Umbruch, die Zeit nach Castro und die Vorboten des realen Kapitalismus zu spüren. Von allen Seiten beginnt die Transformation der Stadt. Die Reaktionen auf dieses Aufeinandertreffen von Geschichte und Moderne, Utopie und Realität, Ordnung und Chaos, Verfall und Vitalität manifestieren sich in den Positionen und Projekten der Architekten des Havana Project.

Das Projekt für Centro Habana von Thom Mayne/Morphosis basiert auf einem Traum, der von der Sinnlichkeit der Stadt erzählt. Resultat dieser sensuellen Annäherung, der das Verwerfen der historischen Fragestellung zur Erforschung der urbanen Struktur vorangeht, ist eine Serie von ephemeren Skizzen und 18 Modellen - gleich einer Schmetterlingssammlung (Mayne) -, die von der Energie der Stadt und der Landschaft inspiriert sind. Diese subjektive Vorgangsweise gibt den Entwürfen jene einzigartige Leichtigkeit, die im sonst kühlen Design von Morphosis selten zu finden ist. Mayne sieht seinen Beitrag als "Anfang eines Prozesses, der sich mit Fragen der Landschaft, von Randgebieten und Grenzen und des natürlichen Kreislaufs von Werden und Vergehen auseinandersetzt".

Im Gegensatz dazu steht das Projekt von C.P.P.N./Carl Pruscha, Peter Noever. Die Architekten gehen von einer intensiven Begegnung mit der Stadt aus, von der Eigeninitiative ihrer Bewohner, die alle freespaces der Stadt belegt haben, die leere Geschäftslokale in Wohnzimmer verwandeln, das Innen nach Außen kehren. Das Projekt Puerta del Pueblo verstärkt diese Transformation. Es ist ein massives zeitgenössisches architektonisches Statement, das in Form eines langgestreckten Boulevards mit einer Rampe zum Meer, eines Turms als frei begehbarem Wahrzeichen, einer Dachpromenade entlang des Ufers und eines offenen Gewächshauses zwischen Meer und Altstadt gezielt in die historische Struktur der Stadt eingreift und die spontane Besitznahme durch die Stadtbewohner herausfordert.

White on White von Coop Himmelb(l)au/Wolf D. Prix, Helmut Swiczinsky wiederum resultiert aus der Ablehnung der konventionellen Definition von Stadtplanung. In ihrem MAN-I-FEST-OH schreiben Coop Himmelb(l)au: "Die Stadt hat keine Lösungen. Die Strategien des Städtebaus operieren auf der Matrix der divergierenden Unmöglichkeiten". Es stellt sich somit die Frage, wie die Stadt sich selbst erbaut, oder wie eine Stadt ohne Planung gebaut werden kann. Was die Stadt benötigt, sind funktionierende Infrastrukturen, die den Rahmen für das urbane Leben bilden. White on White befaßt sich deshalb mit dem - an der Oberfläche unsichtbaren -Wasserleitungssystem, innerhalb dessen 50-75% des Trinkwassers durch Lecks verloren gehen. Dieser Verlust soll gedämmt und das Leben in der Stadt damit erleichert werden.

Vieja Nueva Nueva Vieja von Eric Owen Moss ist zwischen Vergangenheit und Zukunft, Utopie und Realität angesiedelt. Die Plaza Vieja, einer der neuralgischen Punkte der Altstadt Havannas, einst Handelszentrum und Umschlagplatz, wurde in den 50er Jahren durch den Bau einer Tiefgarage und einer den Platz überdeckenden Betonplattform zum urbanen Niemandsland. Moss reagiert in seinem Projekt auf diese Verwandlungen, indem er das Alte mit dem Neuen verbindet, das Alte durch das Neue in Frage stellt und die Plaza in ein Forum-Theater-Stadion verwandelt. Die vorhandene Kolonialarchitektur der umliegenden Gebäude wird in den Entwurf aufgenommen, allerdings zu großen Teilen abgetragen, so daß nur noch Restspuren bleiben. Carme Pinós' Projekt für den Küstenstreifen Malecón ist eine urbane Parklandschaft, verdichtet und belebt durch eine Vielzahl von Freizeitangeboten - Boxringen, Volleyballplätzen und Basketballfeldern, Cafés, Bars, Veranstaltungsarena, Pools usw. Der ungenützte Küstenstreifen und die wenig frequentierte Autoschnellstraße dienen nicht mehr dem Wohnen und Fahren, sondern der Erholung und Unterhaltung. Damit will Pinós die Stadt ans Meer bringen. Zentraler Aspekt des Projektes ist es, dem Fluß der Menschen, ihrem Raumgefühl und ihrer Urbanität gerecht zu werden.

Für Lebbeus Woods ist die Verbindung einer sozialen Utopie mit der Erforschung neuer räumlicher Strukturen und urbaner Felder am offensichtlichsten. Die neue Architektur, die das Alte sowie dessen Verfall als Bestandteil des Lebens und Element der Neuschöpfung sieht, steht in der Tradition der kubanischen Kooperativen und bildet die Basis einer Zusammenarbeit für die Erbauung einer neuen Vision. Die Terrassen des Projektes El Malecón, die als mobiles Bollwerk zur Abwehr der Ozeanstürme dienen, werden von den Bewohnern erbaut und betrieben. Bei Hochwasser sind die Bewohner dafür verantwortlich, daß die schützende Wand hochgezogen wird, ansonsten können die Terrassen als urbane Freizone benützt werden. Auch die Walls, eine mit modernster Infrastruktur versehene Stadtmauer entlang der alten Stadtgrenze, wird von der Bevölkerung nach Bedarf selbst erbaut. Ein weiteres Projekt von Woods ist das Meta-Institut, das dem Studium von Theorie und Praxis von Institutionen an sich dient. Das für Havanna vorgeschlagene Institut soll sich der Untersuchung stabiler wie labiler Stadtareale widmen.

Mit The Havana Project sind alle vom MAK angekauften Modelle und Zeichnungen dieses als "work in progress" konzipierten Projektes als Ausstellung in der MAK-Galerie zu sehen. Den Ausgangspunkt dazu bildete die Architekturkonferenz Architektur am Ende? 1992 im MAK. Ihr folgte zum Jahreswechsel 1994/95 die Konferenz The Havana Project - Architecture Again im Convento de Santa Clara in Havanna. Die Ausstellung mit den im Anschluß daran entwickelten Projekten war erstmals im MAK Center for Art and Architecture in Los Angeles und 1997 in der Kestner Gesellschaft Hannover zu sehen. Für 1999 ist eine Präsentation der Projekte in Havanna geplant.

Ausstellungsdaten

THE HAVANA PROJECT
Architecture Again

Pressepreview 1. September 1998, 10.30 Uhr
Eröffnung 1. September 1998, 20.00 Uhr
Ausstellungsort MAK-Galerie
MAK - Österreichisches Museum
für angewandte Kunst
Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer 2. September - 31. Oktober 1998 Öffnungszeiten Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Konzept Peter Noever
Kurator Daniela Zyman

Publikation THE HAVANA PROJECT - Architecture Again. Hrsg. Peter Noever. Vorwort von Fidel Castro, Peter Noever und Emilio Escobar. Round Table Discussion Architecture Again mit Coop Himmelb(l)au/Wolf D. Prix, Mario Coyula, Tom Mayne, Eric Owen Moss, Carme Pinós, Lebbeus Woods und C.P.P.N. Beiträge von Coop Himmelb(l)au, Tom Mayne, Eric Owen Moss, Carme Pinós, Lebbeus Woods und C.P.P.N. Engl., 184 Seiten, 100 Farb- und s/w-Abbildungen, broschiert, Prestel Verlag, München - New York 1996, öS 320.-

Feiertage 26. 10. Nationalfeiertag/Tag der
offenen Tür 10.00- 18.00 Uhr

Sonderveranstaltungen 8. - 10. 10. IMOTA - Internationale Modetage Wien
23. - 26. 10. kunst wien '98

MAK-Eintritt Galerie Freier Eintritt
MAK-Eintritt gesamt öS 90.-
öS 45.- ermäßigt für Schüler,
Studenten, Senioren ab 60,
Soldaten, Zivildiener, Gruppen ab 10
Personen.
Freier Eintritt für Kinder bis 10,
Mitglieder der MAK ART SOCIETY,
Studenten der Hochschule für
angewandte Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österr. Schulklassen.

Rückfragen & Kontakt:

Dorothea Apovnik
Tel. +43-1-711 36-233
Fax +43-1-711 36-227
e-mail: presse@mak.at

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