Weltöffentlichkeit darf Hunger im Sudan nicht tatenlos zusehen Appell des Wiener Caritasdirektors Michael Landau

Wien, 4.8.1998 (car-pd) "Die Weltöffentlichkeit darf dem Hunger im Sudan nicht tatenlos zusehen." Caritas Direktor Michael Landau appel-lierte heute an die Spender, den Hungernden im Sudan zu helfen: "Es ist erschütternd, daß im 20. Jahrhundert jeden Tag hunderte Kinder verhun-gern müssen.

Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind im Sudan von Hunger bedroht
und nicht zuletzt auf unsere Hilfe angewiesen. Seit 1983 müssen vor al-lem die Frauen und Kinder unter den Folgen des Bürgerkriegs leiden. Die Folgen sind unvorstellbar. Im Juli hat sich die Kindersterblichkeit für Kinder unter fünf Jahren mehr als vervierfacht. Und die Lage wird jeden Tag dramatischer."

Im Sudan zeige sich, daß Bildung die beste Waffe gegen Elend und Fa-natismus sei: "Der Wille zur Entwicklung und zur Bildung ist beeindruk-kend. In dem Gebiet der Nuba-Berge, das ich vor einigen Wochen bereist habe, arbeiten die Lehrer sogar ehrenamtlich."

Landau zeigte sich beeindruckt von der gelebten Solidarität in den Dör-fern, die er bei seiner Sudanreise erfahren konnte: "Trotz der Hungerka-tastrophe haben die Menschen im Sudan ein wertvolles Gut, das bei uns oft verloren gegangen ist: eine tragfähige Gemeinschaft, die die Schwa-chen auffängt und die Hilflosen nicht im Stich läßt. In den Nubabergen hat mich der familiäre Zusammenhalt sehr beeindruckt. Die Menschen warten nicht tatenlos auf Hilfe von außen, sondern sie arbeiten hart und teilen das wenige miteinander, das sie der Erde abringen können. Sie kämpfen auch darum, ihre Würde und traditionelle Lebensweise zu be-wahren."

Auch im Sudan hätten sich die Grundsätze der Caritas bestens bewährt:
"Die Caritas fördert die Gemeinschaft und hilft den Menschen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen, damit die Menschen nicht von Hilfe ab-hängig werden. Das Prinzip der Caritas ist ja immer, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und die lokalen Organisationen einzubinden. Das geht in vielen kleinen Schritten, die aber den sichersten Weg zur Entwicklung bedeu-ten. Wir dürfen den Menschen nicht das aufdrängen, was nach europäi-schen Maßstäben wichtig ist, aber vielleicht das afrikanische Gemein-schaftsleben in Gefahr bringt."

Landau zeigte sich zutiefst erschüttert über die Hungerkatastrophe im bürgerkriegsgeplagten Land: "Trotz der Schreckensbilder und der tausen-den Hungertoten wird geradezu lächerlich wenig geholfen." Auch die Caritas könne eine gut koordinierte und engagierte internationale Hilfe nicht ersetzen: "Die Caritas hilft, so gut sie kann: Mit Lebensmitteln, mit Medikamenten, mit Saatgut und Werkzeug. Aber die Hilfe reicht nicht aus, weil Dürre und darauffolgende Überschwemmungen die Ernte ver-nichtet haben.

Ich habe selbst erlebt, daß die Caritashilfe direkt zu den Notleidenden kommt. Bitte unterstützen Sie die Caritas-Augustsammlung."

PSK 7.700.004, Kennwort "Augustsammlung"

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