Lassing: Ein Retter klagt an: Er hörte Klopfen und Kratzen, durfte aber nicht helfen. - Retter war vergangene Woche mehrmals illegal in die Grube gestiegen. - Er ist überzeugt, noch letzten Mittwoch

Lebenszeichen von den zehn vermißten Bergleuten gehört zu haben, die Einsatzleitung verhinderte aber die Rettung. Vorausmeldung zu News Nr. 31/30.7.1998

Wien (OTS) - In einem aufsehenerregenden Interview mit dem morgen erscheinenden Nachrichtenmagazin News klagt einer der Helfer beim Grubenunglück von Lassing über skandalöses Chaos und bürokratische Zustände. Der Helfer war vergangene Woche mehrmals auf eigene Faust in die Grube gestiegen, hatte Lebenszeichen von den zehn vermißten Bergleuten gehört, durfte aber nicht helfen. Gottfried R. im News-Interview: "Am Dienstag vergangener Woche bin ich alleine rund 85 Meter hinabgestiegen. Am Mittwoch waren wir zu zweit und sind in rund 100 Meter Tiefe vorgestoßen. "R. wäre bis zur "8er-Sohle" vorgedrungen. R.: "Die Sohle war bereits relativ frei. Vom Wasserspiegel bis zur Decke gut 3 Meter Abstand." Unterhalb dieser Sohle wären allerdings die Leitern zerstört gewesen. Durch den Schlamm und abgerissenen Stangen hätte es "freihändig kein Weiterkommen mehr gegeben".

Am Mittwoch hätten er und seine Begleiter Lebenszeichen gehört. R.: "Wir haben sowohl Klopf- als auch Kratzgeräusche gehört. Allerdings können die auch von den Bohrarbeiten stammen. Wir gehen davon aus, daß sie sich entweder im Bereich des Doms befinden, wo ein Bunker existiert, oder daß sie es von dort aus schon weiter nach oben geschafft haben."

Gottfried R. sei abgestiegen, weil er die vermißten Kumpel kenne. Mit erfahrenen Lassinger Bergleuten hatte er die genauen Pläne studiert. R.: "Weil ich mittlerweile das Gefühl habe, daß die Einsatzleitung auf allen Linien versagt und absolut dilettantisch agiert." R. glaubt, daß die Verschütteten wahrscheinlich ohne Bohrung zu erreichen wären. Er hatte diesen Montag einen Vier-Mann-Trupp, darunter zwei ungarische Experten, zusammengestellt. Die Bergbaubehörde hatte aber den Rettungsversuch verhindert. Eine der Verantwortlichen hätte auch gleich mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch gedroht.

Gottfried R. bittet, bis auf weiteres anonym bleiben zu dürfen, seine Angaben hat er aber bereits gegenüber der Gendamerie zu Protokoll gegeben.

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