Bartenstein eröffnet Europäisches Forum für Verkehr, Umwelt und Gesundheit in Wien

Wien (OTS) - Erstmals konnten sich gemeinsam mit der WHO im
Rahmen der österreichischen EU-Präsidentschaft Entscheidungsträger aus den Bereichen Verkehr, Umwelt und Gesundheit aus ganz Europa
zu diesem Europäischen Forum versammeln. Österreich hat auf Einladung der WHO die Führungsrolle zur Vorbereitung des Verkehr-Umwelt- und Gesundheitsbereich für die 3. WHO-Ministerkonferenz übernommen, erklärte Umweltminister Dr. Martin Bartenstein in seiner Eröffnungsadresse.

Die heute und morgen stattfindende Fachkonferenz wird sich auf die Evaluierung der Gesundheitswirkungen des Verkehrs und dessen Umweltbelastungen konzentrieren und über Instrumente für eine für die Umwelt und die menschliche Gesundheit verträglichere Verkehrsentwicklung beraten.

Wie Umweltminister Dr. Bartenstein ausführte, steht die bisherige Verkehrsentwicklung nicht im Einklang mit einer nachhaltigen Entwicklung: Zwischen 1970 und 1995 haben sich Pkw-
und Lkw-Verkehr in der EU mehr als verdoppelt (Pkw-Verkehr +126%, Lkw-Verkehr +156%). Die Anteile des Fußgängerverkehrs haben sich in diesem Zeitraum fast halbiert, die Anteile des Radverkehrs und des öffentlichen Verkehrs sind um 38% bzw. 40% gesunken. Der Güterverkehr per Bahn ist um 22% zurückgegangen.
Eine nachhaltige Entwicklung des Verkehrs einzuleiten, stelle
daher eine der größten umwelt- gesundheits- und verkehrspolitischen Herausforderungen auf pan-europäischer Ebene dar.

Bundesminister Dr. Bartenstein nannte folgende Hauptprobleme
und welche Instrumente zu ihrer Bewältigung stehen zur Verfügung:
1. Verkehrsunfälle: 1995 waren rd. 2,5 Millionen Verletzte und rd. 120.000 Tote auf Europas Straßen zu beklagen, davon 44.000 Getötete in der EU.
Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an den Fahrzeugen und Straßen, vor allem in den Ortsgebieten sind daher umzusetzen.
2. Luftschadstoffe des Verkehrs: Die Abgase der Fahrzeuge
enthalten Stoffe, wie Stickstoffdioxid, Kohlenwasserstoffe, Blei, Benzol und Rußpartikel, die direkt oder durch Folgeprodukte die Gesundheit schädigen können, z.B. Schädigung der Atemwege, Beeinträchtigungen der Lungenfunktion bis hin zu höherem Risiko für Leukämie, Krebs und Allergien. Aus medizinischer Sicht sind hervorzuheben: Benzol, sowie die Partikel (vor allem kleiner 2,5 µm) in Dieselmotorabgasen.

Die Reduktion der Luftverschmutzung ist ein zentraler
Schwerpunkt Österreichs und der EU unter Österreichs Präsidentschaft:
Ein Ziel Österreichs ist der Abschluß der derzeit laufenden Verhandlungen zu den Abgasgrenzwerten der Lkw im EU-Rat mit akzeptablen Emissions-Reduktionsraten.
Ein weiteres zentrales Ziel Österreichs ist der Abschluß der Verhandlungen für eine Vereinbarung mit der europäischen Automobilindustrie zur Reduktion der CO2-Emissionen von Pkw.
Da im Vermittlungsverfahren die Pkw-Emissionsstandards für 2005 bereits verbindlich vorliegen, wären neue Schwerpunktsetzungen im Auto Öl Programm II überlegenswert:
+ Weiterentwicklung der Abgasgrenzwerte nach 2005
+ Potentiale neuer Abgasreinigungstechnologien zur Reduktion der kleinen und ultra-kleinen Partikeln hinsichtlich ihrer Masse und Anzahl. tiges Anliegen.
3. Verkehrslärm: Dem Grünbuch der Europäischen Kommission zur zukünftigen Lärmschutzpolitik zufolge sind rd. 20 % der EU-Bürger (lt. WHO rd 26% aller Europäer) Lärmbelastungen von mehr als 65db(A) ausgesetzt. Hauptverursacher dieser Lärmbelastungen ist
der Straßenverkehr.
Lärmschutzmaßnahmen müssen Straße, Schiene und Flugverkehr umfassen und sollten an der Quelle ansetzen. Große Potentiale bestehen noch bei Maßnahmen zur Reduktion des Reifenlärms durch lärmarme Reifentechnologie.
4. Kinder, Senioren und behinderte Menschen sind besonders empfindlich gegenüber den Gesundheitsbelastungen des Verkehrs. Ihr Schutz vor den Gesundheitsrisken des Verkehrs und die Berücksichtigung ihrer spezifischen Bedürfnisse sollten besondere Priorität in der Gestaltung des Verkehrs (z.B. Kinder am Weg zur Schule) haben.
5. Besondere Schutzmaßnahmen und Handlungsprioritäten sind erforderlich für Ballungsräume und Städte, sowie empfindliche Gebiete.
Die Berücksichtigung sensibler Gebiete stelle ebenfalls einen besonderen Schwerpunkt Österreichs in der EU dar, schloß Bartenstein.

Schluß

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