Ermutigende Signale !

Halbjahres-Unfallbilanz zeigt positiven Trend doch: Innenministerium und KfV warnen vor voreiliger Zufriedenheit - AUDIO

Wien (OTS) - 1. Halbjahr 1998: Endlich sinken die Zahlen bei Verkehrstoten deutlich, Rückgang bei Verletzten und Unfällen mit Personenschaden nicht so stark - KfV-Experten warnen vor verfrühter Freude - ohne zusätzliche Verkehrssicherheitsmaßnahmen Trendwende ins Negative möglich - Punkteführerschein sollte jetzt schon vorbereitet werden-Generaldirektor Sika warnt davor, "jetzt die Hände zufrieden in den Schoß zu legen"

23,2 weniger Verkehrstote, 46,7% weniger Tote durch Alkohol am Steuer lautet die erfreuliche Unfallbilanz des 1. Halbjahres 1998, verglichen mit dem 1. Halbjahr 1997, präsentiert vom Kuratorium für Verkehrssicherheit und dem Bundesministerium für Inneres in einem gemeinsamen Pressegespräch am 27.7.1998 in Wien.

Nach vorläufigen Zahlen starben vom 1.1. bis 30.6.1998 407 Menschen (1997: 530) im österreichischen Straßenverkehr, das entsprichteinem Rückgang um 23,2%. Noch erfreulicher ist die Situation bei den Alkoholunfällen. Laut vorläufigen Zahlen des Innenministeriumsstarben im ersten Halbjahr 1998 24 Menschen im Straßenverkehr im Zusammenhang mit Alkohol am Steuer, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren esnach endgültigen Zahlen 45. Das entspricht einem Rückgang um 21 Toteoder 46,7%. Allerdings muß man berücksichtigen, daß seit Jahresbeginndie 0,5 Promille-Grenze gilt.

Die KfV-Experten betonen, daß in dieser offiziellen Statistik der Alkoholunfälle die etwa 3mal so hohe Dunkelziffer keineBerücksichtigung findet. Es sei daher davon auszugehen, "daß die 0,5 Promille-Grenzebis jetzt bereits etwa 50 Menschenleben gerettet hat", so Dir. Franz Bogner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit.

Der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Mag. Michael Sika, stellte in diesem Zusammenhang auch unmißverständlich fest: "Durch gemeinsame Bemühungen sind wir auf einem guten Weg, es wäre aberfalsch, jetzt die Hände in den Schoß zu legen".

Nicht ganz so günstig scheint sich die Gesamtunfallentwicklung zu präsentieren, die sich gegenwärtig erst für die ersten fünf Monate erstellen läßt. Von Jänner bis Mai 1998 ereigneten sich nach vorläufigen Zahlen in Österreich insgesamt 12.931 Unfälle mit Personenschaden,im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 14.101. Das ist ein Rückgang um 1.170 oder 8,3 %. Bei diesen Unfällen gab es heuer 16.867 Verletzte, im Vorjahr waren es 18.452. Das entspricht einem Rückgang um 1.585 oder 8,6 Prozent.

Rückgang auch bei den Unfällen im Freilandgebiet: Von Jänner bis Mai 1998 ereigneten sich 4.916 Unfälle mit Personenschaden im Freilandgebiet. Das sind im Vergleich zu den 5.669 Unfällen im Vergleichszeitraum des Vorjahres um 13,3 % bzw. 753 weniger. Im Ortsgebiet ereigneten sich heuer 8.015 Unfälle, gegenüber 8.432 im Vorjahr ist das ein Rückgang um 417 oder 4,9 %. Bei den Unfällen im Ortsgebiet gab es heuer von Jänner bis Mai nach vorläufigen Zahlen 66 Tote, voriges Jahr waren es nach endgültigen Zahlen 98. Das ist ein Rückgang um 32 oder 32,7 %. Im Freilandgebiet gab es heuer 249 Tote,im Vorjahr waren es 297 oder 28 (-16,7%) weniger. Trotzdem sei nach Meinung der KfV-Experten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung innerhalb des Ortsgebiets und auch auf höherrangigen Straßen erforderlich: soz.B. Querungshilfen für Fußgänger und Forcierung von Radverkehrsanlagen, ebenso wie Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion.

Trotz der deutlichen Entspannung der Situation besteht für Franz Bogner wenig Grund zum Jubeln, denn: "Während die EU-Kommission eine klare Zielvorgabe - Reduktion der Toten von 45.000 im Jahr 1995 auf 27.000 im Jahr 2010 - vorgegeben habe, liege ein derartiges Programm in Österreich nur von Seiten des KfV vor. Die Regierung ist hier säumig."

Ein "Österreichisches Verkehrssicherheitsprogramm" muß neben dem klaren Ziel - Senkung der Verkehrstoten auf 600 pro Jahr bis 2005, auch konkrete Maßnahmen zur Umsetzung dieses Zieles enthalten. Verstärkte Bewußtseinsbildung, Punkteführerschein, Fahren mit Licht am Tag, volle Sanktionierbarkeit ab 0,5 Promille, höhere Strafen beiNichtverwendung des Sicherheitsgurtes, regelmäßige medizinische Checks fürKfz-Lenker, 2. Ausbildungsphase für Fahranfänger, verstärkte Umwidmung von Strafgeldern für Verkehrsüberwachungs-Personal und Nutzung der technischen Reserven (Telematik, passive Sicherheitseinrichtungen im Auto, Unfallhäufungs-punktsanierung) sind nur eine Auswahl der möglichen und notwendigen Maßnahmen.

Da sich viele dieser Maßnahmen mit Forderungen der EU-Kommissiondecken, erneuert KfV-Direktor Bogner seine Forderung, die EU-Präsidentschaft Österreichs für eine Verkehrssicherheits-Initiative, "ein Maastricht der Verkehrssicherheit" zu nutzen.

"Im Vergleich mit Schweden, Dänemark, England oder Holland müßten wir schon jetzt unter 700 Verkehrstote pro Jahr haben anstatt rund 1.000", meint Bogner. Österreich liege damit leider noch immer im schlechten europäischen Mittelfeld - vom gemeinsamen Ziel, ins erste Drittel vorzustoßen, seien wir leider noch deutlich entfernt.

(Siehe auch Original-Ton auf APA-Audio-Plattform)

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