Energieprotokoll der Alpenkonvention: Glaubwürdigkeit der österreichischen Anti-Atom-Politik gefährdet!

Wien (OTS) - CIPRA Österreich und Umweltdachverband ÖGNU fordern vollen Einsatzdes Umweltministers, um Freihaltung des Alpenraums von Atomkraftwerken vertraglich zu fixieren =

Kritik an der Haltung des Umweltministeriums zum
Energieprotokoll der Alpenkonvention, wie sie in der heutigen Ausgabe der "Tiroler Tageszeitung" dokumentiert ist, äußern die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA Österreich und der UmweltdachverbandÖGNU. Bayern will keine weiteren Kernkraftwerke errichten und die dafür bislang festgelegten Standorte im Alpenraum und seinem Vorfeld aus dem Standortsicherungsplan streichen. Damit hat sich das politische Umfeld grundlegend geändert. Diese Änderung nicht nutzen zu wollen, stelleder vorgeblichen Anti-Atom-Macht Österreich ein Armutszeugnis aus, so die Umweltorganisationen.

"Es muß für die Wortführer der österreichischen Anti-Atom-Politik eine Selbstverständlichkeit sein, sich vor der für Oktober geplanten Unterzeichnung mit allen Mitteln für eine Anpassung des Energieprotokolls an die neue politische Realität im Ostalpenraum einzusetzen!" so ÖGNU-Präsident Dr. Gerhard Heilingbrunner. Bislang ist der Alpenraum von Atomkraftwerken verschont geblieben; dies im Energieprotokoll der Alpenkonvention festzuschreiben, war vor allem an Bayerns Widerstand gescheitert. Der vorliegende Protokolltext trifft daher überhaupt keine Aussage zur Standortfrage. Die jetzige Bereitschaft Bayerns, überholte energiepolitische Festlegungen in Vorwahlzeiten endlich über Bord zu werfen, müsse unbedingt genützt werden, so Heilingbrunner.

CIPRA-Präsident Prof. Dr. Friedrich Reimoser stößt ins selbe Horn:
"Nach den Erfahrungen mit Mochovce kann nur blauäugig sein, wer behauptet, daß ein vertraglicher Verzicht auf Kernkraftwerke im Alpenraum nicht nötig wäre! Schließlich wollen sich auch andere Alpenstaaten noch die nukleare Option offenhalten." Und Reimoser weiter: "Die Alpenkonvention ist nicht dazu von vielen Engagierten auf den Weg gebracht worden, daß sie die heiklen Punkte umschifft. Die Konvention und ihre Protokolle für bequeme Kompromisse und Sonntagsreden zu mißbrauchen, heißt die betroffene Bevölkerung vor den Kopf zu stoßen und sich von der Meinungsführerschaft im Alpenschutz zu verabschieden. Da könnte man es gleich bei einer unverbindlichen Alpendeklaration als politischem Gag belassen!"

Die Umweltverbände fordern eine klare Sprache und klare Handlungen Österreichs, um den kommenden Generationen einen Alpenraum ohne Kernkraftwerke und andere kerntechnische Anlagen zu erhalten. "Daß eszu spät ist, wenn einmal die Kühltürme stehen, hat Mochovce gezeigt. Im Alpenraum, wo noch die Chance der Vorbeugung besteht, ist Umweltminister Bartenstein dringend gefordert, Nägel mit Köpfen zu machen!", so CIPRA und ÖGNU abschließend.

Ihre Rückfragen: Mag. Reinhard GSCHÖPF, CIPRA Österreich,

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Mag. Franz MAIER, Umweltdachverband ÖGNU,

Tel. (01) 401 13 30

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