Unternehmen sind gegen die Rechtschreibreform Enorme Kosten durch Reform für Unternehmen und Organisationen ViKOM fordert neuerlich Reform der Reform und übt Kritik an Informationspolitik

Wien (ViKOM) - Das Thema Rechtschreibreform ist auf politischer Ebene zumindest für's erste abgehakt. Die neue Sprachregelung kommt, wie geplant, mit 1. August 1998. Damit droht der heimischen Wirtschaft eine empfindliche Kostenbelastung in Milliardenhöhe.

Zwar haben alle für die Rechtschreibreform Verantwortlichen wiederholt betont, daß die neuen Rechtschreibregeln bis zum Ende der geplanten Übergangsfrist im Jahr 2005 vorerst nur im Rahmen
des Schulunterrichtes sowie des Schriftverkehrs zwischen den Dienststellen gelten sollen. Unerwähnt blieben in diesem Zusammenhang aber die ökonomischen und strukturellen Folgen eines Anpassungsdruckes, der die heimischen Unternehmen und
Institutionen bereits ab August 1998 voll treffen wird.

Jedes namhafte, österreichische Unternehmen und jede
Institution ist selbstverständlich aufgerufen, ab 1. August 1998 -und nicht erst ab dem Jahre 2005 - mit möglichen Vorreitern der neuen Sprachregelung, vornehmlich aus dem Medienbereich, gleichzuziehen. "Die kommunikative Kompetenz der einzelnen Unternehmen ist längst zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Wer im öffentlichen Raum erfolgreich kommunizieren will, muß nicht mehr länger nur die Sprache der Medien sprechen, sondern künftig auch schreiben", bringt der ViKOM die Brisanz auf den Punkt.

Faktischer Umstellungszwang

In der Praxis bedeute dies für die Unternehmen eine Vereinheitlichung der Schreibweise in allen Unternehmens-publikationen, Pressemeldungen, geschäftlichen Korrespondenzen sowie Marketingmaßnahmen nach den Regeln der neuen
Rechtschreibung. Der ViKOM weist in diesem Zusammenhang auf einen zusätzlichen Kostenfaktor in Millionenhöhe hin, der den
heimischen Unternehmern durch die Anpassung bestehender
Drucksorten an die neuen Rechtschreibregeln erwächst.

Nach einer aktuellen Schätzung des ViKOM, des Verbandes für interne Kommunikation, werden alleine die Einschulungskosten für die heimischen Sekretariate an die Milliardengrenze heranreichen. Diese Berechnung des ViKOM basiert auf der Annahme, daß zumindest die 250.000 unmittelbar betroffenen Mitarbeiter in Österreich ab
1. August 1998 auf den letzten, gültigen Stand der neuen Rechtschreibung gebracht werden müssen. Ein einziges Seminar
dieser Art kostet derzeit rund 4.000 Schilling.

Nur 10 Prozent der Unternehmen wollen die Rechtschreibreform

Geht es nach den jüngsten Vorstellungen, so ist weder an eine Aussetzung der neuen Rechtschreibregeln noch an eine "Reform der Reform" gedacht. Ganz oder gar nicht, lautet demgegenüber die Forderung des ViKOM. Er stützt sich damit auf eine breite
Ablehnung der neuen Rechtschreibung unter Österreichs Top-Unternehmern. So ergab eine Umfrage des Verbandes unter seinen Mitgliedern, zu denen durchwegs die wichtigsten österreichischen Unternehmen und Organisationen Österreichs zählen, lediglich eine Zustimmung von 10 Prozent unter den mehr als 250 befragten Mitgliedern. Eine Mehrheit von 45,4 Prozent war gegen jede Art
einer Rechtschreibreform. 44,2 Prozent der befragten Unternehmer meinten, wenn schon eine Rechtschreibreform, dann eine richtige.
So sei das jetzt vorliegende Reformwerk in sich unlogisch und insgesamt zu wenig weitreichend.

Milliardenbelastung durch Euro UND Rechtschreibreform

Die zu erwartenden Mehrbelastungen durch die Rechtschreibreform treffen die österreichische Wirtschaft dabei zu einem Zeitpunkt,
an dem sich die Unternehmer mit teils beträchtlichem finanziellen Aufwand einerseits auf die geplante Euro-Umstellung vorbereiten
und zum anderen die strukturellen Erfordernisse des Jahrtausend-wechsels zu bewältigen haben. So sind für etliche Unternehmen in den nächsten Monaten kostenintensive Umstellungen der EDV-Anlagen fällig.

Der ViKOM fordert daher im Sinne der heimischen Unternehmen
eine Aussetzung der Rechtschreibreform zum gegenwärtigen
Zeitpunkt, eine Reform der Reform und eine bessere Informationspolitik.

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