"Zeltfeste" - der Gastronomie entgehen Milliardenbeträge!

Wien (OTS) - Gemeinnützige Vereine und Körperschaften öffentlichen Rechts können sich die Hände reiben. Laut Gewerbeordnungsnovelle, die am 7. Juli im Nationalrat beschlossen wurde, dürfen sie nämlich an drei Tagen im Jahr Zeltfeste veranstalten und ihr Publikum kommerziell unterhalten, ohne unter die Regelung der Gewerbeordnung zu fallen. Daß mit dieser Novellierung praktisch alle Vereine einen Freibrief für 3tägige Zeltfeste erhalten haben, liegt auf der Hand:
Denn ein gemeinnütziger Vereinszweck ist schnell konstruiert.

Bis dato wurde bei Zeltfestveranstaltungen der Feuerwehren ein Auge zugedrückt. Und dies aus verständlichen Gründen: der gemeinnützige Zweck von Feuerwehren steht außer Frage. Völlig unverständlich wird diese Regelung auch für andere Vereine. Was haben z. B. ein Feitel-Klub oder ein Schwammerlbrocker-Verein wirklich für Begründungen, daß sie ohne Gewerbeberechtigung steuerfrei Gewinne einstreifen dürfen?

Gegenüber der gewerblichen Gastronomie können Zeltfestveranstalter konkurrenzlos günstig arbeiten: Nimmt man einen Getränkeumsatz von 1 Million Schilling her, so zahlen Vereine nämlich nur ATS 25.000,- an Getränkesteuer, Gastwirte hingegen ATS 197.000,-. Darüber hinaus werden bei Zeltfestveranstaltungen in der Regel ehrenamtliche MitarbeiterInnen herangezogen, für die natürlich keine Löhne, Lohnsteuer, Kommunalsteuer und Sozialversicherungsbeiträge entfallen (üblich: öS 600,- bis 800,- Nettoentlohnung täglich steuerfrei). Der Lohnkostenanteil in der Gastronomie hingegen beträgt 35 % der Betriebserlöse! "Dies stellt eine eklatante steuerliche Ungleichbehandlung von an und für sich gleichwertige Veranstaltungen dar, die außerordentlich wettbewerbsverzerrend wirkt", ist Komm.-Rat Hans Paulas, Bundessektionsobmann der Tourismus- und Freizeitwirtschaft des Freien Wirtschaftsverbandes, entrüstet. Und:
"Auf diese Weise entgehen der Gastronomie Milliardenbeträge."

Weitere Nachteile für umliegende Gewerbebetriebe ergeben sich daraus, daß Frauen von Vereinsmitgliedern die Mehlspeisen meist selbst backen, die Getränke üblicherweise beim Großhändler bzw. direkt beim Erzeuger eingekauft werden. Das heißt, die umliegenden Gastwirtschaften, Bäckereien, Konditoreien etc. profitieren von den Zeltfesten in keiner Weise. Im Gegenteil: Während der Dauer der Zeltfeste gehen diesen Gewerbebetrieben auch potentielle KundInnen verloren.

"Dieses Gesetz muß schnellstens abgeändert werden", fordert Hans Paulas. - Zum Wohle der österreichischen Gastronomie und damit die Diskussion um das Pfuscherunwesen nicht völlig in die Unglaubwürdigkeit abdriftet.

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Freier Wirtschaftsverband Österreich
Komm.-Rat Hans Paulas,
Tel.: 01-501 21-0
(Terminvereinbarung)

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