Experten-Endbericht belegt: Keine westlichen Sicherheitsstandards bei Mochovce

Greenpeace fordert sofortige Abschaltung des Reaktors - sonst muß Absage an EU-Beitritt der Slowakei erfolgen

Wien (OTS) - Mochovce kann keine westlichen Sicherheitsstandards erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt die internationale Expertenkommission in ihrem Endbericht über den Sicherheitszustand des slowakischen Atomkraftwerks. Greenpeace fordert die sofortige Abschaltung des Reaktors. Scharfe Kritik übt Greenpeace-Sprecher Alexander Egit daran, daß Ministerin Barbara Prammer keine politischen Konsequenzen aus dem Bericht ziehen will: "Prammer hatte angekündigt, daß Österreich keine Staaten in der EU akzeptieren wird, deren Atomkraftwerke über unzureichende Sicherheitsstandards verfügen. Sie blieb jede Antwort schuldig, ob die Slowakei mit Mochovce der EU beitreten kann."

Als die zwei wichtigsten Mängel, weshalb Mochovce westliches Sicherheitsniveau nicht erreichen kann, werden in dem Bericht die Beschaffenheit des Reaktordruckbehälters und das Druckabbausystem genannt. Das Team beklagt in seinem Bericht übereinstimmend, daß von den Mochovce-Betreibern wichtige Informationen über den Reaktordruckbehälter vorenthalten worden sind. Auf Basis der vorhandenen Daten fordern sie eine technische Lösung für die Problematik der Materialversprödung beim Druckbehälter. Das Expertenteam unterstrich das Fehlen einer Schutzhülle, wie sie bei westlichen Reaktoren Standard ist. Scharfe Kritik übten die Experten daran, daß das Ersatzsicherheitssystem zum Druckabbau nicht für schwere Unfälle ausgelegt ist und nie im 1:1 Maßstab getestet wurde.

Im Namen aller Experten unterstrich Harold Denton die Intransparenz von SE und den unzureichenden Zugang zu Informationen. Darüber hinaus ist nach Meinung aller Experten die Überprüfung der entscheidenden Frage der Sicherheitskulturen unbefriedigend ausgefallen. Technische Mängel gekoppelt mit mangelndem Sicherheitsdenken ergeben einen besonders gefählichen Mix.

Fachexperten äußerten darüber hinaus in einzelnen Abschnitten des Berichts weitere gravierende Kritikpunkte am Sicherheitszustand von Mochovce. So kam Viktor Scuka zu dem Ergebnis, daß kein Blitzschutzsystem für den Innenraum besteht. Dies wurde sogar vom SE-Expertenteam bestätigt. Die Experten für Seismik hielten vor allem im Hinblick auf das Druckabbausystem fest, daß keine ausreichenden Tests für die Erdbebensicherheit gemacht wurden. Wolfgang Kromp kündigte einen umfassenden europäischen Bericht an, der belegt, daßin in keinem Ort der Slowakei Erdbebenwerte unter dem Faktor 0,3 g liegen. Die Erdbebensicherheit von Mochovce liegt damit nur bei einem Drittel (0,1 g). Steven Sholly wies darauf hin, daß die Brennstäbe übereilt aktiviert worden sind und daß vom Zustand des AKW her die Inbetriebnahme erst in einigen Monaten hätte stattfinden dürfen.

Weitere Informationen: Bettina Tasser, Greenpeace Österreich,

Tel.: 01-5454580-29 oder: 0664-2407075

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