ARBÖ: Diebstahl aus dem mittels Autoreisezug beförderten Pkw

Wien (ARBÖ) - Die Reisezeit ist angebrochen und viele
Autofahrer entscheiden sich für eine streßfreie Fahrt: mit dem Pkw im Autoreisezug. Die ARBÖ-Verkehrsjuristen berichten von einem konkreten Fall, bei dem es auf der Reise mit einem durch einen deutschen Reiseveranstalter gecharterten Autoreisezug nach Sofia
am Zielort zu einer unangenehmen Überraschung kam:
Einbruchsdiebstahl in den Pkw, ein Schaden von über ATS 64.000,-

ARBÖ-Verkehrsjuristin Mag. Renate Göppert: "Es wurden bei einer Fahrtunterbrechung des gecharterten Autoreisezuges Sachen aus dem Auto gestohlen und das Fahrzeug beschädigt. Der Fahrzeugbesitzer klagte das Eisenbahnunternehmen mit der Begründung, es liege
grobes Verschulden vor, das Zugpersonal habe den PKW-Transport
nicht ausreichend kontrolliert."

Das Erstgericht führte zunächst aus, daß der Sachverhalt nach den einheitlichen Rechtsvorschriften für den Vertrag über die internationale Eisenbahnbeförderung von Personen und Gepäck(CIV 1980) zu beurteilen ist. Der Oberste Gerichtshof stellte dazu
fest, daß gem. Art. 47 § 4 CIV ein Eisenbahnunternehmen, dem bekannt ist, daß es während der Fahrtunterbrechungen immer wieder zu Einbruchsdiebstählen an den im Autoreisezug mitgeführten Fahrzeugen kommt, verpflichtet ist, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Mag. Göppert: "Die Unterlassung jeglicher Schadenverhütungsmaßnahmen stellt in diesem Fall ein grob fahrlässiges Verhalten dar, sodaß das Eisenbahnunternehmen für Diebstähle aus den transportierten Fahrzeugen haftet, ohne sich
auf die Haftungsbeschränkung des Art 41 § 4 CIV berufen zu können, welche eine Haftungsbegrenzung der Höhe nach kennt, wenn keine grobe Fahrlässigkeit vorliegt."

Aus dem Umstand, daß der Besitzer des vom Diebstahl betroffenen Pkw die Reise bei einem Reisebüro gebucht hat, kann jedenfalls
kein Verzicht auf Ansprüche gegenüber dem Eisenbahnunternehmer abgeleitet werden.

Die ARBÖ-Verkehrsjuristin abschließend: "Kontrollieren Sie Ihr Fahrzeug bei Verlassen des Autoreisezuges, insbesondere bei Reisen ins Ausland, genau auf Schäden oder eventuell entwendete Gegenstände. Im Fall des Falles halten Sie den Tatbestand unverzüglich mit dem Zugpersonal fest, um Ansprüche gegen das Eisenbahnunternehmen bestmöglich abzusichern."

Dazu eine Ergänzung: Der ARBÖ hat bei der ÖBB hinsichtlich Autoreisezügen nachgefragt. Die Antwort war kompetent und im Sinne der Konsumenten befriedigend: "Die ÖBB sind - und gelten auch -
bei Autoreisezügen als äußert zuverlässig. So ist eine diesbezügliche gerichtliche Verurteilung in den Relationen, an denen die ÖBB beteiligt waren, nicht vorgefallen. In den Verkehren Österreich - Italien und Österreich - Slowenien (jeweils ein Zug im Sommer), sowie im österreichischen Binnenverkehr ist in den vergangenen vier Jahr ein einziger Einbruchdiebstahl vorgefallen. Der Täter wurde sofort gefaßt. Diese Zahlen legen ein Zeugnis für den hohen Sicherheitsstandard bei den ÖBB ab."

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