Greenpeace: Lob für Teilverbot von PVC-Weichmachern in Österreich Belazzi: "Um Gefahren für Kinder völlig zu bannen, müssen weitere Verbote folgen"

Wien (OTS) - Ein Teilverbot von Weichmachern für Kleinkinder-Spielzeug durch Verbraucherschutzministerin Barbara Prammer steht unmittelbar bevor. Dies ergeben Greenpeace-Recherchen in Wien und bei der EU-Kommission in Brüssel. Ab Herbst werden somit alle Phthalat-Weichmacher in PVC-Spielzeug wie Beißringen und Quietschtieren verboten. Österreich setzt als erstes Land weltweit ein derartiges gesetzlich verbindliches Verbot um.

"Das Phthalat-Verbot stellt einen wichtigen ersten Schritt zum Schutz unserer Kinder vor den Gesundheitsrisiken von PVC-Spielzeug dar," lobte Greenpeace-Chemiker Dr. Thomas Belazzi. "Falls die PVC-Industrie nun auf andere gesundheitsschädliche Weichmacher umstellt, muß umgehendein Totalverbot für alle PVC-Weichmacher folgen." Greenpeace kritisierte deshalb, daß Ministerin Prammer ihren ursprünglichen Entwurf für ein Totalverbot "aufgeweicht" habe.

Weichmacher werden PVC-Spielwaren in hohen Konzentrationen beigemengt: Üblichweise machen diese "Phthalate" etwa 40 Prozent des Gesamtgewichts aus. Sie sollen den spröden Kunststoff PVC "weich" machen. Weichmacher können aus dem Kunststoff austreten. Das haben Untersuchungen an der österreichischen Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung und -forschung in Wien gezeigt. Beim Lutschen und Kauen an Beißringen und Quietschenten können Kleinkinder die Phthalate aufnehmen. Phthalate stehen im Verdacht Krebs auszulösen, verursachen Leber- und Nierenschäden und weisen hormonellen Eigenschaften auf.

Auch das zuständige Wissenschaftskomitee der EU-Kommission hat im Frühjahr 1998 vor den Gesundheitsrisiken durch bestimmte PVC-Weichmacher gewarnt. Trotzdem hat die EU-Kommission sich auf keine kurzfristigen Maßnahmen zum vorsorgenden Gesundheitsschutz unserer Kinder einigen können. Eine entsprechender Verbotsentwurf von EU-Konsumentenschutz-Kommissarin Emma Bonino fand - nach massivem Lobbying der PVC- und Spielzeug-Industrie - nicht die erforderliche Mehrheit. Am 1. Juli vertagte die EU-Kommission alle weiteren Maßnahmen und forderte alle EU-Mitgliedsstaaten auf, nationale Maßnahmen zu setzen.

"Wie in der BSE-Causa hat die EU-Kommission auch im Fall PVC Industrieschutz vor Konsumentenschutz gestellt. Daher sind nationale Initiativen wie die Österreichs dringend notwendig. Die Abschwächungen des Verbots durch Ministerin Prammer ermöglichen der PVC-Industrieaber ein Ausweichen auf andere gesundheitsbedenkliche Weichmacher," warnte Belazzi. "Um die Gesundheitsgefahren für Kleinkinder durch PVC-Spielzeug völlig zu bannen, müssen weitere Verbote für Phthalate folgen," forderte Belazzi abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Thomas Belazzi, Greenpeace Österreich,
Tel: 01/545 45 80-40
Matthias Schickhofer, Greenpeace Österreich,
Tel: 01/545 45 80-44 und 0664 338 65 03

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP/OTS