äKopflose Arbeitsmarktpolitik" Caritaspräsident Küberl kritisiert Geldverschwendung für Prestigepro- jekte und fordert längerfristige Planung der Arbeitsmarktpolitik.

Wien, 8.7.1998 (car-pd) "Immer mehr Menschen sind von dauernder Arbeitslosigkeit bedroht. Wir brauchen dringend einen Ausweg aus dieser Misere: jetzt vor allem für die 80 000 schwer Vermittelbaren, da-von 40 000 Behinderte, aber in Zukunft für einen viel größeren Teil der Arbeitskräfte", sagte Küberl bei einer Pressekonferenz in Feldkirch, in der Caritas-Thesen zum erweiterten Arbeitsmarkt präsentiert wurden. Die Teilprivatisierung des AMS habe auch ägravierende Nachteile" ge-bracht. Es habe sich ein Wettbewerb der Anbieter von Beschäftigungs-projekten um die höchste Vermittlungsrate entwickelt. Das führe dazu, daß die Anbieter vor allem jene Arbeitslosen aufnehmen, die ohnehin gute Chancen haben. Auf der Strecke blieben jene, die besonders schwer zu vermitteln sind und die am dringendsten Unterstützung brauchen.

äObwohl das AMS in einigen Bundesländern, darunter Vorarlberg, aus-gezeichnet arbeitet, gibt es in anderen Bundesländern eine kopflose Arbeitsmarktpolitik. Das AMS kann oft nicht wirtschaften, weil auf Druck der Politiker für Wahlzuckerl und Prestigeprojekte wie die Lehr-lingsinitiative Geld verschwendet wurde. Jetzt sollen paradoxerweise Einrichtungen wie die Caritas diese Löcher stopfen und ihre Projekte einstellen." äDerzeit funktioniert die Arbeitsmarktpolitik in Österreich nach dem Stop-and-Go-Prinzip. Geld da - alle Mann vorwärts. Kein Geld - alle Hähne zu", kritisierte Caritaspräsident Küberl. In mehreren Bundesländern habe das AMS "Geld falsch ausgegeben." Es sei ab-surd, daß kleinere Institutionen des erweiterten Arbeitsmarktes wie die Caritas jetzt das staatliche AMS Subventionieren sollen. äIch wünsche mir, daß das AMS in ganz Österreich erfolgreich und Service-orientiert arbeitet.

In vielen Bundesländern sei ein Mangel an längerfristiger Planung und unerträgliche organisatorische Rahmenbedingungen" für die Partner-organisationen des AMS zu beklagen. Es sei schwer nachvollziehbar, daß in einigen Bundesländern Organisationen wie die Caritas jetzt zur Kasse gebeten werden, um die Probleme dieser staatlichen Institution zu lösen. Viele sähen sich gezwungen, sogar Kredite aufnehmen, er-läuterte Küberl. äProjekte werden für maximal ein Jahr bewilligt. Das erschwert die betriebswirtschaftliche Führung und bringt große Unsi-cherheit für Betreute und Betreuer. Sie erfahren oft erst in letzter Minu-te, ob das Projekt verlängert wird. Wenn schon manche AMS Stellen offensichtlich nicht längerfristig planen können, so soll man diesen Umstand nicht auf projektdurchführende Organisationen wie die Caritas abwälzen."

Ein Ausweg aus dem Phänomen der Ausgrenzung Arbeitsloser sei ein erweiterter Arbeitsmarkt, betonte Küberl. Es sei untragbar, daß Men-schen, die nicht zu hundert Prozent leistungsfähig sind, aus dem Ar-beitsprozeß ausgeschlossen bleiben. "Jemand, der nur 20 Prozent lei-sten kann, soll die Möglichkeit und auch einen Anreiz dazu haben. Das bedeutet mehr Lebensqualität, mehr Selbstwertgefühl und psychi-sche Gesundheit. Denn Arbeit ist Motivation und Schlüssel zur Aner-kennung."

äDie Arbeitslosenzahlen steigen schneller als die Prognosen. 1996 wurde bis ins Jahr 2000 mit einem Anwachsen der Arbeitslosenrate auf 7.2% (4,2% nach EU Labour-Force-Konzept) gerechnet. Diese Werte wurden schon im ersten Halbjahr 1998 deutlich überschritten. Die Ar-beitslosenrate lag im Jänner und Februar 1998 über neun Prozent (4,5% EU Labour Force)", sagt Küberl und zitierte aus dem Beschäfti-gungsoberservatorium der EU über die Prognosen für Österreich:

Das bereits in den achtziger Jahren beobachtete Verlaufsmuster der Arbeitslosigkeit verfestigt sich. Die in der Rezession entstandene Ar-beitslosigkeit wird in Zeiten des Konjunkturaufschwungs nur noch zu einem kleinen Teil abgebaut, und die Sockelarbeitslosigkeit erhöht sich stufenweise. Laut WIFO-Prognose werden die Beschäftigungsrückgän-ge bis zur Jahrtausendwende kaum mehr aufzuholen sein. Die Dauer
der Arbeitslosigkeit steigt, und die verstärkte Konkurrenz erschwert be-sonders Randgruppen die (Re)integration am Arbeitsmarkt. "Das sind keine kurzfristigen Probleme, sondern längerfristig bedrohliche Ent-wicklungen."

Küberl fordert deshalb
n - Längerfristige Konzepte für aktive Arbeitsmarktpolitik
n - Einen erweiterten Arbeitsmarkt
n Bedarfsgerechte Existenzsicherung für Arbeitslose

Rückfragen & Kontakt:

Caritas Feldkirch, 05522/32 333-0
2

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | CAR/11