60.000 bei Regenbogen Parade

Lesben, Schwule, Bis, Transgenders feierten mit Heteros am Ring ihr Anderssein

Wien (OTS) - Die Regenbogen Parade 98 wurde zum Riesenerfolg. 60.000 Menschen traten am Ring für die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bis und Transgenders ein. (Von der Polizei wurden 50.000 bestätigt.) Die bunte, lautstarke Demo bewies, daß trotz immer noch bestehender rechtlicher Diskriminierung tausende Menschen - ob homo- oder heterosexuell - gemeinsam auf die Straße gehen. "Heute waren 60.000 Menschen am Ring, ein klares Zeichen der Bevölkerung an die PolitikerInnen, daß hier Handlungsbedarf besteht. Bei der Senkung der Promillegrenze demonstrierten 2.000 Schüler und einige Wochen später waren die Gesetze entsprechend geändert," sagt Robert Kastl, Pressesprecher der Parade. Die Hauptanliegen sind die Abschaffung des §209 StGB, die rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaften und ein umfassender Diskriminierungsschutz, wie er schon für andere Minderheiten besteht. Veronika Koller, zuständig für TeilnehmerInnenbetreuung auf der Parade: "Die Parade soll Menschen zusammenführen, und dies ist auch gelungen. Ob hetero oder homo, männlich oder weiblich, schwarz oder weiß, jung oder alt, alle waren gemeinsam auf der Ringstraße und hatten auch gemeinsam viel Spaß."

Neben den 13 Sattelschleppern und 12 PKWs fanden sich 20 Motorräder, 1 Fiaker und sogar eine Kleinbahn auf der Parade wieder. Obwohl zu Beginn noch Nieselregen bei 19°C vorherrschte, hatte der Himmel ein Einsehen und zur Abschlußveranstaltung am Karlsplatz blinzelte sogar die Sonne durch die Wolken. "Himmlisch" gaben sich auch so manche Gruppen: Der Life Ball Wagen "schwebte" mit Wölkchen, Engeln, Bischöfen und anderen klerikalen Würdenträgern nur kurz hinter dem Wagen des Café Willendorf, der mit lauter tanzenden Engelchen erstrahlte. Für die Gruppe jüdischer Homosexueller wurde Avi, eine israelische Transsexuelle, eingeflogen, die (noch) nicht zu Song-Contest-Würden kam. Die HOSI Wien zeigte mit ihren EU-Gleichstellungs-Barometern, daß die rechtliche Situation in Österreich nur mehr mit Portugal und Griechenland vergleichbar ist. Ein lesbisch/schwuler Sportblock von Volleyballvereinen bis zu Turniertänzerinnen stand unter dem Motto Gay Games, die Anfang August in Amsterdam stattfinden. Erstmals waren auch Gruppen aus der Slowakei, Tschechien und Slowenien angereist. Ebenfalls auf der Parade: Günter Tolar als Schweizergardist, Life-Ball "Kaiser" Gery Keszler und Hermes Phettberg. Alfons Haider peitschte die Leute vom CSD Wagen aus richtig an.

Zahlreiche PolitikerInnen sprachen auf der Bühne vor dem Parlament zu politischen Inhalten und dem Handlungsbedarf, der auf dieser Ebene noch besteht. Es sprachen EU-ParlamentarierInnen Lindholm (Grüne -Schweden), Frischenschlager (LIF - Ö), Berger (SPÖ - Ö) und zahlreiche österreichische PolitkerInnen: Kier (LIF), Haidlmayer, Huemer, Lunacek (alle drei Grüne) Stürzenbecher, Wehsely, Woller, Vettermann (alle SPÖ); sowie die Obfraudes unabhängigen Frauenforums Kogoj. Der generelle Tenor wurde von Volker Kier auf den Punkt gebracht, der meinte, "man muß auch auf rechtlicher Ebene etwas für Minderheiten tun und sich aktiv für sie einsetzen. Die Politiker dürfen nicht immer nur den Schwanz einziehen."

Auf der Abschlußkundgebung wurde es ebenso prominent wie politisch. Neben dem Kulturprogramm mit dem Musical Hotline to Heaven und dem brasilianisch-französischen Rapper Prince m'zee Zeka zeigten österreichische Politgranden Solidarität. Dr. Heide Schmidt (Bundessprecherin des LIF), Dr. Madeleine Petrovic (Klubobfrau der Grünen), Dr. Johannes Jarolim (Justizsprecher der SPÖ) wurden von Alfons Haider zu lesbisch/schwulen Themen befragt; und zwar auf ganz persönlicher Ebene. Tenor der Interviews war, daß weder politisch noch privat Berührungsängste der drei PolitikerInnen mit Lesben, Schwulen und Transgenders bestehen. Typisch österreichisch klang die Veranstaltung mit dem Donauwalzer aus.

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