Im 'Musikland Österreich' lernt nur jedes 40. Kind ein Instrument

Fessel-GfK hat erstmals Zahlen im Musikinstrumentenfachhandel erhoben - Branche setzt jährlich 1,6 Mrd S um

Wien (PWK) - Das Fessel-GfK-Institut hat erstmals im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich die Wertschöpfung des Musikinstrumentenfachhandels in Österreich erhoben. Die Bilanz:
Österreichs Musikinstrumentenfachhandel konnte 1997 einen Umsatz von rund 1,6 Mrd Schilling erzielen. "Bisher wußten wir nie genau, welche Wertschöpfung wir erzielen, da unsere Ziffern bislang im Spiel-, Sport- und Freizeitbereich aufgelistet wurden. Nun wissen wir exakt den Wert unserer Branche und es ist ein Wert, für den man sich nicht genieren muß", so Norbert Ludwig, Vorsitzender des Musikinstrumentenfachhandels in der Wirtschaftskammer Österreich. ****

Den größten Anteil am Umsatz haben noch immer die Klaviere (einschl. Digitalpianos) mit 19 Prozent, gefolgt von Keyboards (18 Prozent) und Gitarren mit 16 Prozent. Insgesamt beschäftigen die rund 200 Betriebe 574 Mitarbeiter. Zum "offiziellen" Umsatz kommt leider noch eine Dunkelziffer (Privat an Privat, Auslandskäufe etc.) von etwa 20 Prozent hinzu. Damit liegt der Wert bei knapp zwei Milliarden Schilling. "Mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 8 Mio Schilling pro Geschäft erzielt unsere Branche auch einen beachtlichen Pro-Kopf-Umsatz", erklärt Ludwig.

Doch es ist nicht alles eitel-wonnig. Durch die fehlenden Zahlen, die den Musikalieneinzelhandel bislang nicht extra ausgewiesen haben, war die Branche in den Medien so gut wie nicht präsent. "Wenn man bedenkt, daß über 300 Millionen Schilling Umsatz allein in der Vorweihnachtszeit mit Musikinstrumenten erzielt wird und niemand darüber berichtet", klagt Ludwig, "dann braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn in Österreich nur jedes 40. Kind ein Musikinstrument erlernt, wobei der internationale Durchschnitt bei jedem 7. Kind liegt". Ein Kreislauf, der der gesamten heimischen Musikindustrie schade, meint Ludwig. "Es ist doch sicher besser, ein Kind für aktive Musik zu begeistern als es mit Computerspielen oder ähnlichem zu überschütten". Der Slogan vom 'Musikland Österreich' sei wohl nur theoretisch gemeint. Ein gesunder Kreislauf, der der gesamten Musikbranche in Österreich helfen würde, müsse von der Musikerziehung, über die Medien bis hin zur Förderung heimischer Künstler gehen.

"Ohne Vorbildwirkung kommen weniger Menschen auf die Idee, ein Musikinstrument zu erwerben", sagt Ludwig, und nennt ein Beispiel:
"Durch den Tod von Falco und die daraus resultierende Präsenz in den Medien, die wiederum den Tonträgerverkauf pushte, erhalten jetzt Musiker Tantiemen, die bei den damaligen Aufnahmen beteiligt waren. Und das spürt auch der Musikhandel, indem diese Musiker wieder neue Geräte anschaffen können. Muß ein Künstler in diesem Land wirklich erst sterben, bevor er entsprechend wahrgenommen wird?"

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