Mietervereinigung: Ermittlungen gegen dubiose Immobilienfirma Sagro

Hotline für Spekulationsopfer unter 409 70 70

Wien (OTS) - Eine Anzeige der Mietervereinigung im September 1997 bei der Wirtschaftspolizei hat erst die Ermittlungen in Gang gesetzt. Vorerhebungen ergaben nun eine mögliche Schadenssumme von über 130 Millionen Schillingen, angerichtet von der dubiosen Immobilienfirma Sagro. Bereits 1997 trat die Mietervereinigung gegen Sagro auf und übermittelte der Wirtschaftspolizei eine Sachverhaltsdarstellung mit dem Verdacht auf Betrug, fahrlässige Krida und Veruntreuung. Nun haben sich auch die Gerichte eingeschaltet, eine Untersuchungsrichterin leitete Vorerhebungen ein, daraufhin wurde offenbar über drei verdächtige Untersuchungshaft verhängt. Auch bei der Gewerbebehörde wurde Anzeige wegen Gewerbeausübung ohne Konzession erstattet und auch bereits eine Verwaltungsstrafe verhängt.

Die Mietervereinigung vermutet, daß das volle Ausmaß des Schadens möglicherweise noch viel größer ist, da viele Geschädigte noch unbekannt sind. Mietervereinigungspräsidentin Doris Bures: "Wir haben daher für alle betroffenen Spekulationsopfer eine telefonische Hotline unter 409 70 70 eingerichtet, um sofort helfen zu können."

Die Mietervereinigung wurde aufmerksam auf den Fall Sagro, als in Gramatneusiedl die Wohnung einer Mutter mit zwei behinderten Kindern ausbrannte und sich herausstellte, daß der Hauseigentümer die Prämien für die Hausversicherung nicht eingezahlt hatte. In Wien entdeckte man kurz darauf, daß die selbe ominöse Hausverwaltung brieflich Mietern anbot gegen eine Ablöse den Mietvertrag zu lösen. Als Begründung wurde im Schreiben vermerkt, daß derzeit genügend Gemeindewohnungen zur Verfügung stünden. Leider ist es Tatsache, daß das Auflösen eines Mietvertrages keinen Vormerkgrund für eine Gemeindewohnung darstellt. Als Auffälligkeit muß man auch die hohe Verschuldung aller Sagro-Häuser in Wien betrachten. Bei diesen Gebäuden im zweiten, neunten und elften Bezirk wurden auch keine Gemeindeabgaben (Wasser- und Kanalgebühren) bezahlt. Als die Juristen der Mietervereinigung weiter nachforschten mußte festgestellt werden, daß Wohnungskäufer eine andere Wohnung als die besichtigte kauften oder der Kauf im Grundbuch gar nicht verzeichnet wurde; in beiden Fällen fatale Tatsachen für die - meist ausländischen - ohnehin sozial schwachen Mieter. Die Verträge für diese dunklen Machenschaften wurden ohne Beisein eines Notars, oder per blanko Unterschrift geleistet. Mittlerweile hat Sagro seinen Namen auf Lexington geändert, das ohnehin komplizierte Firmengeflecht wird dadurch noch undurchschaubarer - und die Verfahrensführung verzögert.

"Die Unkenntnis der bestehenden Gesetzeslage und Sprachbarrieren werden von Spekulanten zum raschen Profit auf Kosten der Mieter und Minderheitseigentümer genützt" zeigt sich die Vorsitzende der Mietervereinigung Doris Bures besorgt. Jetzt sei zu befürchten, daß die Minderheitseigentümer dafür haftbar gemacht werden, daß die Versicherungsprämien sowie Betriebskosten von der Hausverwaltung nicht bezahlt wurden. Bures verweist auch auf den Fall Itzlinger, der Ex-Anwalt hatte Banken und Kunden mit illegalen Geschäften um 118 Millionen Schillinge geprellt. Die Immobilieninnung hat in diesem Zusammenhang mit dem Fall Sagro nur ihre "Nicht-Zuständigkeit" festgestellt, was wieder einmal zeigt: Kontrolle und eine genaue Überprüfung durch Rechtsexperten z.B. der Mietervereinigung sollten bei Investitionen im Wohnungsbereich selbstverständlich sein.

Die Mietervereinigung wird allen betroffenen Mietern und Minderheitseigentümern weiterhin aktiv helfen und hat eigens eine Beratungshotline unter der Telefonnummer 409 70 70 eingerichtet.

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Tel.: 01/40 185

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