OeNB - Rentenmarkt im Jahr 1997 Die wichtigsten Entwicklungen im Rückblick

Wien (OTS) - Das Jahr 1997 war auf den wichtigsten internationalen Kapitalmärkten durch einen rückläufigen Zinstrend gekennzeichnet, wobei der Renditenrückgang in Deutschland und Österreich
weniger ausgeprägt war. Trotzdem fielen in Österreich
die Renditen auf einen historischen Tiefststand.
Die Renditenkonvergenz im Euro-Raum verstärkte sich im Jahresverlauf 1997 deutlich. Markant verringerte sich
die Renditendifferenz zu Deutschland in Italien,
Spanien und Portugal.
Bis April 1998 fiel der Renditenabstand dieser Länder zu Deutschland auf unter 30 Basispunkte.
Nach Umstellungsarbeiten steht die Emissionsstatistik (Brutto-
und Nettoemissionen) nun wieder vollständig und zeitgerecht
zur Verfügung.
Die Ersterwerbsstatistik wurde hingegen eingestellt, weil ihre Aussagekraft aufgrund der zunehmenden internationalen Integration des österreichischen Kapitalmarktes nachgelassen hatte.
Der Umlauf der Rentenwerte betrug zu Jahresende
1997 rund 1.625 Mrd S (um 9 % höher als im Jahr 1996, wobei -
wie seit vielen Jahren - Bundes- und Bankenemissionen dominierten. Wie zumeist in den neunziger Jahren entfiel mit 67,6 Mrd S der größte Teil der Nettobeanspruchung auf den Bund (Anteil: 54 %).

Die Emissionstätigkeit des Bundes konzentrierte sich 1997 auf die erste Jahreshälfte. Der Bund setzte dabei konsequent seine
Politik fort, durch höhere Emissionsvolumina oder durch Aufstockung von Anleihen die Liquidität dieses Marktsegments
zu erhöhen. Darüber hinaus wurde mit der Emission einer 30jährigen Anleihe das Laufzeitenspektrum deutlich erweitert.
Das Angebot stripbarer Anleihen trug zusätzlich zur Attraktivität des Staatsanleihesegments bei. Mit der Emission einer Parallelanleihe erzielte der Bund internationale Beachtung.
Dieses Instrument fördert die internationale Integration des österreichischen Kapitalmarktes und kann die Wettbewerbsposition kleiner Anleihemärkte in einem großen Euro-Kapitalmarkt stärken. Am Primärmarkt stellten 1997 die Auslandsbanken erstmals die Mehrheit der Tenderteilnehmer beim Anleihetender.
Dies ist Ausdruck des wachsenden ausländischen Interesses
an diesem Marktsegment.
Bei den Bankenemissionen fällt auf, daß sich der Trend zum "Financial Engineering" verstärkt hat. Die Banken versuchen, der Nachfrage institutioneller Anleger nach maßgeschneiderten Produkten (beispielsweise Anleihen mit Optionen) zu entsprechen und sich im Wettbewerb besser zu positionieren. Die Unternehmen nahmen den Anleihemarkt mit 16 Mrd S mehr als dreimal so stark in Anspruch
wie im Vorjahr, obwohl österreichische Unternehmen bei Fremdfinanzierungen traditionell den Bankkredit vorziehen.
Mit der Einführung des Euro dürften in der
EU bei der Unternehmensfinanzierung Anleihen an Bedeutung gewinnen. Nähere Details können dem gleichnamigen Beitrag, veröffentlicht in Berichte und Studien, Heft 2/1998, entnommen werden.

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: 404 20 DW 6666
Internet: http://www.oenb.co.at/oenb

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB/01