Neue Geschäftsführung

Wien (OTS)- Der Aufsichtsrat der Austrian Research Centers (Österreichisches Forschungszentrum Seibersdorf) hat in seiner letzten Sitzung die beiden Herren Prof. Dipl.Ing. Günter Koch und Dipl.Ing. Mag. Wolfgang Pell interimistisch bis 31.12.1998 mit der Geschäftsführung dergrößten außeruniversitären Forschungseinrichtung Österreichs beauftragt.

Die Aufgabenverteilung in der Geschäftsführung:

Prof. Dipl.Ing. Koch: Wissenschaftlich-technischer Bereich Dipl.Ing. Mag. Pell:Wirtschafts- und Marketing Bereich

Prof. Dipl.Ing. Günter Koch:
Prof. Koch war Gründer und bis Ende 1996 geschäftsführender Direktor am European Software Institute (ESI) in Bilbao (Spanien). Bis Ende 1997 war er für einen Computerkonzern an dessen internationalem Computerzentrum tätig. Mit 1.1.1998 ist Prof. Dipl.Ing. Günter Koch zu den Austrian Research Centers gestoßen und hat zunächst den Bereich "Informationstechnik und Telematik" in Seibersdorf übernommen.

Prof. Koch ist in Österreich kein Unbekannter - als Referent bei zahlreichen Konferenzen, als Mitglied von Institutsbeiräten, als Gastprofessor und als dem "Institut Maurer" zugeordneter Professor an der TU-Graz hat er sich einen Namen gemacht. Schon bei seinem Eintritt in das Unternehmen machte Prof. Koch klar, daß es ihm primär darum gehe, das internationale Profil Österreichs in der Informations- und Telematik-Technologie zu verstärken und zuverbessern.

Prof. Koch studierte Elektrotechnik und Informatik in Karlsruhe und Graz. In seiner Berufslaufbahn war Prof. Koch 13 Jahre Geschäftsführer von deutschen Softwareunternehmen, Geschäftsführer eines Technologiezentrums in Baden-Würtemberg, Professor an der TU Graz und wie erwähnt Gründungs- und Generaldirektor des European Software Institute in Bilbao. Prof. Koch ist Autor von bisher rund 100 Publikationen und 3 Büchern. Prof. Kochs Hobbies sind Kochen und Kulinarisches sowie Theater - so hat er z.B. die deutsche Übersetzung eines Theaterstückes und dessen Uraufführung besorgt.

Dipl.Ing. Mag. Wolfgang Pell
Wolfgang Pell hat am 1. Juli 1997 die Leitung des Finanzbereiches im Österreichischen Forschungszentrum Seibersdorf übernommen. Der 38-jährige Pell kam über EVN, die ABB Industrie GmbH und die Hirtenberger AG nach Seibersdorf. Bei der ABB Industrie GmbH war Pell als Abteilungsleiter verantwortlich für die Bereiche Controlling, Betriebswirtschaft und Informationsmanagement, in der Hirtenberger AG hatte er als Leiter des Vorstandsbereiches Finanzen die kaufmännische Leitung über und war u.a. für Finanzierungen undTochtergesellschaften zuständig.

Wolfgang Pell geht es vor allem darum, verkaufbare Leistungen zu produzieren. Industriebetriebe, die in Forschung investieren,müßten andererseits die Früchte ihrer Investitionen ernten.

Pell will verstärkt Freiräume für die Forschungstätigkeitschaffen durch entsprechende Mittelbeschaffung und durch den Abbau administrativer Schranken. Gleichzeitig will er dazu beitragen, "den Industriestandort Österreich durch österreichisches Know how zu sichern." Seine wesentlichsten Arbeitsmaximen zur Zielerreichung beschrieb Pell mit den Faktoren Kunden- und Zielorientierung, Projektmanagement und Termintreue.

Dipl. Ing. Mag. Wolfgang Pell studierte an der TU Wien Informatik mit den Spezialgebieten Kombinatorik, formale Systeme und Statistik und an der Wirtschaftsuni Wien Handelswissenschaften mit den Spezialgebieten Operations Research und Controlling.

Zu seinen Hobbys zählt Pell Bridge und Neuroinformatik. Pell lebt in Baden bei Wien, ist verheiratet und Vater eines 9-jährigen Sohnes.

DIE STRATEGIE: VON KOMPETENZ- ZUR MARKTORIENTIERUNG!

Die inzwischen auch vom Aufsichtsrat verabschiedete und nunmehr sich in der Phase der Umsetzung befindliche Strategie der Austrian Research Centers orientiert sich an folgenden 5 Dimensionen:

  • Wirtschaftlichkeit
  • Märkte
  • Technologiepolitik
  • Kompetenz, Technologie
  • Prozesse, Organisation

Wirtschaftlichkeit
Das Unternehmen geht davon aus, innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen ein positives betriebswirtschaftliches Unternehmensergebnis aus eigener Kraft erreichen und ausbauen zu können. Die Rahmenbedingungen sind insofern definiert, als man davon ausgeht, daß die Basisfinanzierung erhalten bleibt, die Programmfinanzierung steigt und das Volumen der öffentlichen Auftraggeber gleich bleibt. In einem 5-Jahres-Plan wollen die Austrian Research Centers (ARC) die sogenannte Basisfinanzierung / Programmfinanzierung neu proportionieren, neue öffentliche Auftraggeber wie etwa die EU oder die Länder ans Land ziehen und den Anteil der privaten Märkte an der Betriebsleistung erhöhen. Ziel dabei ist, den %-uellen Anteil von vertraglicher Forschung & Entwicklung an den Gesamterlösen zu steigern und gleichzeitig Überschüsse in ertragreichen Bereichen zu erzielen, um damit die Möglichkeit von Re-Investition in Eigenentwicklung sowie den Abbau von Schulden und die Schaffung von Rücklagen zu erreichen. Mithelfen dabei sollen u.a. ein konsequentes Zielkostenmanagement, wertanalytische Bestimmung der Zielfunktionen und eine verursachungsgerechte Gemeinkostenzuordnung.

Interne Finanzierungsvereinbarungen sollen künftig erfolgsabhängig nach strategischen Schwerpunktsetzungen und einer disziplinierten Budgeteinhaltung erreicht werden. Einen besonderen Schwerpunkt in diesem Zusammenhang wird die Preis- und Konditionenpolitik der ARC einnehmen. Alle Preise und Tarife werden EU-wettbewerbskonform und nicht verzerrend sein - für die Eigentümer wird es Sonderkonditionen geben.

Kunden/Märkte und Kundenbeziehung
Die ARC wollen "das verlängerte Gehirn" der Wirtschaft werden - dem liegt der Aufbau eines Innovationspartner-Images zugrunde, das zu einer deutlichen Erhöhung der F&E-Auftragstätigkeiten führen wird.

Schwerpunktmäßig werden sich die ARC künftig kommenden undrelevanten gesellschaftlichen Bedürfnisbereichen widmen.

  • Qualifikation, Bildung und Wissen und damit verbunden Sicherheit des Arbeitsplatzes
  • Informations- und Kommunikationsinfrastruktur
  • Umwelt und Gesundheit
  • Mobilität und Industrieproduktion

Um verstärkter und besser für die Bedürfnisse der Menschen in Österreich arbeiten zu können, sollen strategische Marktsegmente durch systematische Bedarfserhebung erarbeitet werden - die Marktanpassung wird deutliche flexibler gestaltet sein als bisher.

Die neue Geschäftsführung bekennt sich in ihrer neuen Strategie zur "Wissensproduktion vor Güterproduktion", vor allem in den Bereichen Werkstofftechnik, Produktionstechnik, Informationstechnik, Mikroelektronik, Prüf-, Verfahrens- und Umwelttechnik, Biotechnik und Medizintechnik.

Weitere wichtige Punkte in der künftigen Markt- und Kundenbeziehung:

* Intensive Mitbewerbsanalysen und -vergleiche um noch besser marktgerechte Preise erzielen zu können
*Die verstärkte Fokussierung auf die ausgesuchten Bereiche
soll zu Themenführerschaften führen
*"Kundennähe" ist kein leeres Schlagwort - Key Accounts und
die bereits eingeschlagenen neue Regionalisierungs- und Standortpoltik führen schon heute zu einem verstärkten Dialog zwischen der Wirtschaft, den Universitäten und den ARC.

* Darüber wird das zentrale Marketing durch eine Fokussierung auf übergreifende Themen optimiert, systematische Marktforschung und kontinuierliche Themenanpassung werden zu einer Optimierung der Kompetenz/Markt-Matrix führen.

Technologiepolitik
Die Austrian Research Centers sehen sich als erste Adresse zur Beratung, Mitgestaltung und Umsetzung der Technologiepolitik von Bund und Ländern. Konkret hat sich Seibersdorf und wird sich künftig noch verstärkt bei der Neuausrichtung und Neuorganisation der außeruniversitären F&E Landschaft in Österreich, etwa durch Kompetenzzentren integrieren.

Die ARC sind ein kompetenter strategischer Partner für die heimische, innovationsorientierte Wirtschaft (vor allem KMU, Beispiel TTZ Leoben) und für die Qualifizierung von Arbeitnehmern. Dabei soll u.a. die Ausbildung von Forschungs- und Entwicklungsingenieuren schon während der Diplom- oder Doktorarbeit anhand von Praxisprojekten im Vordergrund stehen - ebenso wie die kontinuierliche Weiterbildung und Wissensausweitung der Mitarbeiter.

Kompetenz und Technologie
Ganz grundsätzlich werden sich die künftigen Marktaktivitäten der Austrian Research Centers von den derzeitigen dadurch unterscheiden,daß man marktorientiert agieren wird - das heißt, die Kompetenzen von Seibersdorf passen sich den Märkten an. Bisher agierte Seibersdorf kompetenzorientiert.

Ausschlaggebend für diese markante Änderung der Geschäftspoltik wird die Alleinstellung durch Kernkompetenzen sein. Die Austrian Research Centers werden das u.a. erreichen durch:

  • Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
  • Themenführerschaften auf ausgesuchten Gebieten
  • Informationstechnik Plus und Anwendungs Know-how
  • Multidisziplinäre, komplexe Systemlösungen
  • Know-how bei nationalen und internationalen (EU)Programmen
  • Managementmethoden

Konkret auf die Kernbereiche bezogen bedeutet das:

1. Umwelt & Gesundheit:
* Umwelttechnologien und Verfahrenstechnik
* Ausrichtung auf Bedarf der Energiedienstleister
* Lebensfreundliche Ersatztechnologien
2. Werkstoffe und Produktionstechnik
* Themenführerschaft ausbauen
* "vom Werkstoff zum Bauteil"
* Produktionsinformatik: Der Aufbau einer multidisziplinären Systemkompetenz
3. Informations-, Kommunikationstechnik und Telematik
* Neue Themen wie Banken, Versicherungen, Telecom-Service-Provider * Wissensmanagement, Lehr- und Lernsysteme
* Ganzheitliche Systemlösungen
* Virtuelle Organisationen, "Tele-**"

Prozesse und Organisation
Der im Mai abgeschlossene Strategieprozeß hatte nicht zuletzt auch einen motivierenden Charakter für alle Mitarbeiter der ARC in Seibersdorfund an den ausgelagerten Dienststellen.

Diese Motivation und der gemeinsame Vorwärtswille der MitarbeiterInnen ist auch notwendiger denn je. Einschneidende Weiterentwicklungen der Organisation stehen ins Haus - wie etwa die

Zusammenführung mit dem Arsenal und die Neupositionierung der Kerntechnik. Zudem denkt man an die Schaffung von gemeinsamen Supportdienstleistern, an Privatisierungsinitiativen und will Kompetenzzentrumsinitiativen proaktiv mitgestalten.

Moderne Managementmethoden sollen den Erfolg langfristig sichern. Projektmanagement, Controlling, die gezielte Verfolgung strategischer Leitprojekte sowie interne als auch externe Beiräte als Berater und Evaluatoren sollen dabei helfen.

Weiters sollen Innovations- und Ideenworkshops die Vielfalt der Kreativität in Seibersdorf weiter aktiv halten und für entsprechende Freiräume sorgen. Dazu zählt auch die Forcierung der Produktion wissenschaftlicher Arbeiten.

Schließlich wird der künftige Erfolg des Managements auch davon abhängen, bei der Standortwahl die besten Standorte zu erhalten und die Personalentwicklung und Qualifizierung der MitarbeiterInnen voranzutreiben.

(siehe auch APA/OGS-GRAFIK)

Rückfragen & Kontakt:

Michael Obermeyr, Pressesprecher
Tel: 02254-780-2024 oder 0676-3440577
Fax: 0225 -780-2062
E-mail: michael.obermeyr@arcs.ac.at

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OFS/OTS