AK: Schuldirektoren wollen Schülern zweite Chance verweigern

Direktoren berufsbildender Schulen wollen Aufhebung des Repetierverbotes unterlaufen

Wien (OTS) - Die Direktoren der Wiener berufsbildenden Schulen wollen verhindern, daß Erstklassler eine zweite Chance bekommen:
Obwohl im Parlament eine Aufhebung des Repetierverbots für berufsbildende Schüler der ersten Klassen beschlossene Sache ist, rief der Direktorenverein vergangene Woche zu einem Bruch des Gesetzes auf, deckt heute, Mittwoch, die Leiterin der AK Wien Abteilung Bildungspolitik, Inge Kaizar, auf. "Es ist unglaublich
und skandalös", so Kaizar, "daß Schuldirektoren gegen den Willen des Gesetzgebers und des Ministeriums Schüler aus der Schule
werfen wollen." Die AK wird betroffenen Schülern helfen, daß entsprechende ungesetzliche Vermerke von Amts wegen aus den Zeugnissen gestrichen werden. ****

Bisher hatten Schüler an Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen einen Nachteil, den kein anderer Schüler kannte: Wenn sie das erste Schuljahr mit mehr als drei Nichtgenügend abschlossen, bekamen sie keine zweite Chance. Sie durften die erste Klasse
nicht wiederholen und erhielten einen entsprechenden Vermerk ins Zeugnis. Nach langen Verhandlungen konnte die AK ihre Forderung
nach Gleichbehandlung aller Schüler heuer durchsetzen: Ab dem heurigen Schuljahr - also mit Gültigkeit für die Schüler, die jetzt die ersten Klassen besuchen - bis zum Jahr 2001 wird das "Repetierverbot" vorerst ausgesetzt. Damit werden österreichweit 4.000 Schüler (in Wien sind es rund 1.000) eine zweite Chance bekommen.

Diese neue gesetzliche Regelung, die vergangene Woche den Ministerrat passierte, heute im Unterrichtsausschuß behandelt wird und am 7. Juli nach Übereinkunft der Koalitionsparteien im Parlament rückwirkend für das heurige Schuljahr 1997/98 beschlossen werden wird, wollen die Direktoren der betroffenen Schulen nun offenbar blockieren. Vergangene Woche wurden die berufsbildenden Schulen mit einem Erlaß des
Unterrichtsministeriums davon informiert, daß das Repetierverbot heuer gegenstandslos wird. In einem der AK heute bekannt
gewordenen Rundschreiben fordert der "Verein der Direktoren der berufsbildenden Schulen Österreichs in Wien" nun die Schulleiter ausdrücklich auf, den Gesetzgeber zu ignorieren: Alle SchulleiterInnen werden "dazu verhalten", in den Jahreszeugnissen das Repetierverbot erneut auszusprechen und den Schülern die
Chance auf einen zweiten Anlauf zu nehmen.

"Unglaublich und skandalös" sei es, wenn die Direktoren das Repetierverbot aussprechen lassen, sagt Kaizar. Es sei nur an der späten Vorlage der Gesetzesnovelle gelegen, daß der Beschluß des Nationalrats erst Anfang Juli fallen wird. Kaizar: "Das dürfen die Direktoren nicht die Schüler ausbaden lassen."

Betroffenen Schülern wird die AK helfen: Ein Repetierverbot im Zeugnis wird ungesetzlich sein. "Die Schüler haben Anspruch
darauf, daß sie die erste Klasse wiederholen dürfen. Wir werden für die Rechte der Schüler kämpfen. Ein Zeugnis mit Repetierverbot muß vom Stadtschulrat korrigiert werden", fordert Kaizar.

Daß das Repetierverbot mit Wirkung vom 1. Juni bis zunächst 2001 aufgehoben wird, ist ein wichtiger Teil des
Jugendausbildungspakets der Regierung. "Die AK hat sich immer
wieder für die Aufhebung des Repetierverbots eingesetzt. Sie verlangt die generelle Streichung, auch nach 2001", erklärt
Kaizar. Und sollten die Direktoren tatsächlich den Beschluß des Nationalrats ignorieren, würden sie letztlich auch das Ziel unterlaufen, daß das Recht auf Ausbildung für alle interessierten Jugendlichen gesichert sein muß. Mit der Neuregelung könne auch verhindert werden, daß tausende Jugendliche, die eigentlich eine berufsbildende Schule besuchen wollen, sich eine der knappen Lehrstellen suchen müssen, nur weil sie von der Schule gewiesen würden.

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