Mochovce könnte trotz fehlender Tests in den nächsten Tagen ans Netz gehen

Durch schrittweises Anfahren des Reaktors kann Störfall jederzeit eintreten

Wien/Bratislava (OTS) - Als politisch motivierten, sicherheitstechnischen Wahnsinn bezeichnete Greenpeace heute das ab kommenden Samstag geplante ans Netz bringen des ersten Reaktors des slowakischen AKW Mochovce. Der schrittweise Anstieg der Leistung auf 100% bedeutet, daß bei Eintreten eines Störfalls die Konsequenzen immer gravierender werden. Ein solcher Störfall wird umso wahrscheinlicher, als einige entscheidende sicherheitstechnische Maßnahmen nicht gesetzt worden sind. So fanden keine ausreichenden Tests der Turbinen und des Generators mit einer nicht-nuklearen Dampfquelle statt. Diese hätten noch vor der Beladung mit Brennelementen stattfinden müssen. Außerdem wurde das Durchblasen der Dampfleitungen zur Reinigung unter Hochdruck nicht durchgeführt. "Mochovce in diesem Zustand ans Netz zu bringen, ist vollkommen verantwortungslos. Dies ist eine massive Provokation der österreichischen EU-Präsidentschaft und der am 1. und 2. Juli in Wien anwesenden EU-Kommission. Greenpeace fordert die österreichische Bundesregierung und die EU-Kommission auf, alle Hebel in Bewegung zu setzen und das ans Netz bringen von Mochovce zu stoppen" sagte Greenpeace-Sprecher Alexander Egit.

In den Dampfleitungen des Sekundärkreislaufs sind Schweißreste und Metallkrusten vorhanden. Wenn der Dampf auf die Turbine geleitet wird, können deshalb die Turbinenschaufeln beschädigt werden. Das wäre im Betrieb besonders kritisch, da bei diesem Reaktortyp die Rotorblätter mit doppelter Geschwindigkeit laufen und durch die zusätzlich ungünstige Aufstellung der Turbine wegfliegende Trümmer die Mauer zum Mittelhaus durchschlagen, Frischdampfleitungen, elektrische und leittechnische Anlagen im Mittelhaus beschädigen können. Aus diesem Grund müssen noch vor Beginn der Stromproduktion die Dampfleitungen durchgeblasen werden. Dies geschieht normalerweise mit Hochdruckdampf, der von einem ölbetriebenen Hilfsdampfkessel erzeugt wird. Ein Testbetrieb aller (Sicherheits)-Systeme mit einer nicht-nuklearen Dampfquelle wäre auch nötig gewesen, um die Schnellabschaltesysteme unter Ausschaltung jeglichen nuklearen Risikos zu testen.

Ab kommenden Samstag, 27. Juni, soll der Reaktor mit ungefähr 5% Leistung, ab Ende Juni mit 20% ans Netz gehen. Der Probebetrieb auf 100% Leistung ist für 22. Juli 1998 geplant. Damit wären seit der Aktivierung der Brennstäbe am 8. Juni nur rund eineinhalb Monate verstrichen. "Diese Husch-Pfusch-Aktion ist in Anbetracht des erwiesenermaßen unzureichenden Sicherheitszustandes als vorsätzliche Gemeingefährdung zu bewerten." sagte Egit abschließend.

Weitere Informationen: Bettina Tasser, Greenpeace Österreich, 0664-240 70 75

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP/OTS