Was sollen Senioren essen ?

Österreichische Gesellschaft für Ernährung Thema des Monats 1998 Juni

Wien (OTS) - Im alternden Organismus spielen sich eine Reihe von Vorgängen ab, die ine Anpassung der Ernährungsweise als zweckmäßig erscheinen lassen. Die wichtigsten dieser Veränderungen sind Rückbildungsvorgänge verschiedener Organe, Abnahme des Ernergiebedarfs und eine Labilisierung des Stoffwechsels. Dazu kommen unter Umständen noch besondere sozio-ökonomische Bedingungen wie Vereinsamung, Behinderung und finanzielle Einschränkung.

Die für den älteren Menschen zweckmäßige Ernährungsumstellung ist nicht als eine Art von Schonkost mit Energiereduktion aufzufassen, sondern sollte eine Ernährungsform sein, bei der gezielt bestimmte Änderungen vorgenommen werden, damit den früher erwähnten Alterungsvorgängen Rechnung getragen wird. In der Praxis bedeutet dies folgende Ernährungsumstellungen:

- eine mäßige Verminderung der Energiezufuhr durch Einsparung bei Zucker und Fett;

- eine Bevorzugung stärkehältiger Lebensmittel anstelle von Lebensmitteln mit hohen Gehalten einfacher Zucker;

- weniger salzhältige Speisen, dafür ausreichende Verwendung verschiedener Gewürze;

- Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte (d.h. hohe Gehalte an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen bei niedrigem Energiegehalt) bevorzugen. In der Praxis bedeutet dies die Aufnahme von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten;

- auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von täglich mindestens 2,5 l achten;

- die Nahrungszufuhr auf mehrere kleine Portionen aufteilen und das Abendessen spätestens zwei Stunden vor dem Zubettgehen verzehren.

Festzustellen ist jedoch auch, daß allzu eingreifende Ernährungsumstellungen beim alten Menschen weder notwendig noch zweckmäßig sind. Vernünftige Umstellungen im Sinne einer gesundheitsdienlicheren Ernährung sind zu begrüßen, eine radikale Kostumstellung kann jedoch die Folge haben, daß der alte Mensch dies nicht toleriert und daß durch die sich möglicherweise daraus ergebende Minderernährung einer Mangelversorgung Vorschub geleistet wird.

Der Autor ist Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Marktl, Institut für medizinische Physiologie, Schwarzspanierstr. 17, 1090 Wien

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