ARBÖ: Am Schutzweg nicht den Augenkontakt verlieren

Wien (ARBÖ) - Besondere Vorsicht gilt für Autofahrer bei Annäherung an einen Schutzweg. Abgesehen davon, daß selbstverständlich die Geschwindigkeit dementsprechend herabzusetzen ist, darf man sich nicht ohne weiteres darauf verlassen, daß ein Fußgänger, der beim Schutzweg steht, dort auch wirklich stehenbleibt. Dies geht nach Angaben des ARBÖ aus einem Urteil des Oberlandesgerichtes Wien hervor.

ARBÖ-Verkehrsjuristin Mag. Renate Göppert: "Im konkreten Fall führte dieses Mißverständnis dazu, daß der Lenker eines Pkw’s wohl zunächst die Geschwindigkeit verminderte, dann jedoch irrtümlich annahm, der Fußgänger werde doch stehenbleiben und in der Folge sein Fahrzeug beschleunigte. Der Fußgänger ging weiter, eine Vollbremsung kam zu spät. Der Fußgänger wurde vom Pkw erfaßt, prallte gegen die Windschutzscheibe und wurde schwer verletzt."

Im Strafverfahren war unter anderem zu beurteilen, inwieweit
dem Pkw-Lenker ein Sorgfaltsverstoß anzulasten war, da er dem Fußgänger nicht gemäß § 9 Abs. 2 StVO ein unbehindertes und ungefährdetes Überqueren der Fahrbahn ermöglicht hatte.

Das Oberlandesgericht Wien stellte dazu fest:

Ein Verzicht eines Fußgängers auf sein Vorrecht, die Fahrbahn auf einem Schutzweg unbehindert und ungefährdet zu überqueren, ist nur dann anzunehmen, wenn dieser durch ein völlig unmißverständliches Verhalten zum Ausdruck kommt. Mag. Göppert:
"Ein Augenkontakt zwischen Passant und Kraftfahrer vor dem
Befahren des Schutzweges entbindet den Lenker nicht von der ihn
nach der Gesetzesbestimmung treffenden Verpflichtung. Ebensowenig kann aus dem Umstand allein, daß ein Fußgänger angesichts eines herannahenden Fahrzeuges stehen bleibt, der Schluß gezogen werden, der Fußgänger wolle dem Kraftfahrer unmißverständlich die Vorfahrt gestatten. Daher: vorsichtshalber lieber einmal zuviel als einmal
zu wenig stehenbleiben!"

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