Bekleidungsindustrie stürmt Modehochburgen im Ausland

Exporte stiegen um 11 Prozent auf 15,3 Mrd Schilling, nach Italien sogar um 14 Prozent

Wien (PWK) - Die österreichische Bekleidungsindustrie feiert derzeit beachtliche Erfolge im Ausland. Die rund 300 Unternehmen konnten 1997 ihre Exporte um 11 Prozent auf 15,3 Mrd Schilling steigern. Deutliche Zuwächse gab es vor allem in den Modehochburgen Italien und Frankreich. "Diese erfreuliche Entwicklung wird nicht nur durch positive Rahmenbedingungen des EU-Beitritts, wie den Wegfall der Diskriminierung österreichischer Exporte in die EU, unterstützt, sondern ist in erster Linie der Kreativität und Flexibilität unserer Mitglieder und ihrem hohen Qualitätsanspruch zu verdanken" erklärte Wilhelm Ehrlich, Vorsteher des Fachverbandes der Bekleidungsindustrie, bei der Jahrespressekonferenz seines Verbandes. ****

Während die Importe um 4 Prozent auf 32,5 Mrd Schilling anstiegen, hat sich der Umsatz (bestehend aus Inlandsproduktion, Auslandsfertigung sowie Vollimporten von Fertigbekleidung durch die Bekleidungsindustrie) mit rund 13 Mrd Schilling gegenüber 1996 nur geringfügig verändert. Allerdings gab und gibt es in ganz Europa -bedingt durch die weiter fortschreitende weltweite Internationalisierung der Bekleidungsindustrie - Verschiebungen zugunsten der Auslandsproduktion, die in Österreich 1997 um 9 Prozent gestiegen ist und mit 3,5 Mrd Schilling bereits 27 Prozent des Umsatzes ausmacht. Dies und der Zukauf von Fertigbekleidung geht zu Lasten der Produktion im Inland und der Zahl der Mitarbeiter, die um ca. 7 Prozent auf 11.000 zurückging. Dieser Rückgang betraf ausschließlich un- bzw. angelernte ArbeiterInnen. Die Zahl der höherwertigen und daher besser dotierten Arbeitsplätze blieb mit ca. 2.250 Angestellten unverändert.

Der Fachverband unterstützt nicht nur firmenspezifische Aktivitäten wie z.B. neue Facetten des Austrian Style, trendige Kollektionen, Einsatz neuentwickelter Vormaterialien oder die Bearbeitung neuer Märkte, sondern bietet auch eine Internet-Plattform (www.fashion-industrie.at) zur Export-Promotion an. Ausländische Bezugsinteressenten haben nunmehr direkten Zugriff auf österreichische Anbieter. Diese Fachverbands-Initiative bringt der österreichischen Bekleidungsindustrie zusätzliche Wettbewerbsvorteile und Marktchancen.

Die EU fordert der Fachverband auf, keine Förderungen an drittländische Bekleidungsindustrien zu gewähren, und zwar weder im PHARE und TACIS noch im MEDA bzw. Türkei-Programm. Dadurch würden mit EU-Finanzmitteln indirekt Arbeitsplätze in Europa vernichtet und die Unternehmen unter zusätzlichen Wettbewerbsdruck gesetzt. Weiters verlangt der Fachverband die praktische Umsetzung des Bekenntnisses zu "Fair Trade" durch verstärkte Betrugsbekämpfung im Bekleidungswelthandel. Immer wieder kommt es bei Lieferung von Fernostbekleidung zur Umgehung von Zollbelastungen und Importquoten mittels ungerechtfertigter oder gefälschter Ursprungszeugnisse. Dadurch kommt es zu Wettbewerbsverzerrungen. Die durch derartige kriminelle Aktivitäten auch entstehenden enormen Zollausfälle wurden vom EU-Rechnungshof bereits kritisiert und belasten alle Steuerzahler. EU- und nationale Finanzbehörden sollten verstärkt Verifizierungen von (Präferenz-) Ursprungszeugnissen durchführen.

Ein Dorn im Auge sind dem Fachverband weiterhin nichttarifarische Handelshindernisse in Drittmärkten wie z.B. die Zertifizierungspflichten für die Märkte Slowakei, Slowenien, Kroatien und Russische Föderation. Die zuständigen EU-Stellen wurden bereits eingeschaltet und aufgefordert, diese Probleme konsequent und beschleunigt zu behandeln, um die Mitgliedsfirmen zu entlasten. Weiters fordert der Fachverband den symmetrischen Zollabbau in den EU-Verhandlungen mit Südafrika und Mexiko, damit die Firmen neue Märkte erschließen können. Die liberale Außenwirtschaftspolitik der EU dürfe keine Einbahnstraße zu Lasten der heimischen Bekleidungsindustrie und zu Gunsten drittländischer Anbieter sein.

Kritik übt der Fachverband am ArbeitnehmerInnenschutzgesetz, das für alle Branchen einheitliche Mindesteinsatzzeiten für Arbeitsmediziner und Sicherheitsfachkräfte verpflichtend vorschreibt. Damit schießt Österreich wieder einmal deutlich über die EU-Vorgaben hinaus. Obwohl die österreichische Bekleidungsindustrie nur wenige Unfälle im Jahr verzeichnet, sind für Arbeitsmediziner in Betrieben ab 70 Mitarbeitern mindestens 44 Stunden pro Jahr vorgeschrieben. In Deutschland fallen nur rund 18 Stunden an, weil unsere Nachbarn je nach Tätigkeitsbereich und Gefahrenneigung unterschiedliche Einsatzzeiten vorsehen. Der Fachverband kündigt an, weitere Schritte zu setzen, damit diese für die Branche untragbaren Arbeitnehmerschutzbedingungen entschärft werden.
(Schluß) MH

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