"Wirtschaftsinformatik in Österreich - Studium ohne Zukunft?"

Wien (OTS) - Das Studium Wirtschaftsinformatik (WInf) wird in Österreich an der Universität Wien gemeinsam mit der Technischen Universität Wien sowie an der Universität Linz angeboten und umfaßt zur Zeit ca. 4000 Studierende. Bei einem derzeitigen Stundenrahmen von 160 Semesterwochenstunden (SWS) bietet das Studium seinen AbsolventInnen in einem weit gestreuten Betätigungsfeld vom reinen Management bis zur reinen EDV sehr gute Berufsaussichten in der Privatwirtschaft.

Durch das Inkrafttreten des Universitätsstudiengesetzes (UniStG) im August 1997 müssen die Studienpläne aller österreichischen Studien neu überarbeitet und beschlossen werden. Abzüglich der freien Wahlfächer, die inhaltlich dem Studium nicht zurechenbar sind, wird WInf aufgrund der Regelungen im UniStG künftig nur mehr 85 bis 110 SWS umfassen. Vergleichbare ausländische Studien, wie zum Beispiel in der BRD und der Schweiz umfassen derzeit 160 bis 180 SWS, wobei eine Erweiterung dieser Stundenrahmen auf 200 SWS diskutiert wird. Damit würde das Studium Wirtschaftsinformatik in Österreich im schlimmsten Fall nicht einmal die Hälfte der Stunden eines vergleichbaren ausländischen Studiums aufweisen! Aufgrund dieser Stundenkürzungen scheint es unmöglich das Studium Wirtschaftsinformatik in der bisherigen Qualität anbieten zu können. Der selbe Lehrstoff müßte in wesentlich kürzerer Zeit und daher auch mit einem deutlich schlechteren Betreuungsverhältnis angeboten werden bzw. die Lehrinhalte derart beschnitten werden, daß an eine qualitativ hochwertige Ausbildung nicht mehr zu denken wäre. Die internationale Konkurrenzfähigkeit der WInf - AbsolventInnen österreichischer Universitäten wäre damit nicht mehr gegeben. Vor allem in Bezug auf die Ausbildungsanforderungen am europäischen Binnenmarkt wäre das Studium Wirtschaftsinformatik dann wohl kaum mehr als fundierte Berufsausbildung zu betrachten, die auf die Anforderungen sowohl der Privatwirtschaft als auch der Wissenschaft vorbereitet.

Des weiteren scheint auch die Teilnahme von WirtschaftsinformatikerInnen an Studentenaustauschprogrammen wie SOKRATES oder ERASMUS gefährdet. Trotz des ECTS - Systems, das die Anrechenbarkeit von ausländischen Studienleistungen gewährleisten soll, wird wohl kaum Interesse von ausländischen Universitäten bestehen, ihren Studierenden die Teilnahme an Studien, die dem internationalen Standard nicht entsprechen, zu ermöglichen. Auch die Teilnahme österreichischer Studierender an ausländischen Studien wird erschwert.

Aufgrund dieser Situation werden die Studienrichtungsvertretungen Wirtschaftsinformatik an allen Standorten dieses Studiums gemeinsam mit der Professorenkurie und dem universitären Mittelbau zu Beginn des kommenden Wintersemesters Protest- und Informationsveranstaltungen, begleitet von einer bundesweiten Unterschriftenaktion gegen die Kürzungen im Stundenrahmen abhalten. Am Ende der Aktion sollen die gesammelten Unterschriften dem Wissenschaftsminister mit der Aufforderung, sich bei der Novellierung des UniStG im Herbst für die internationale Konkurrenzfähigkeit des Studiums Wirtschaftsinformatik einzusetzen und eine Erweiterung des Stundenrahmens zu veranlassen, übergeben werden.

Rückfragen & Kontakt:

ÖH - Andreas Krisch
Tel.Nr.: 4277 196 34
Fax : 4277 196 33 oder
email an: winf@oeh.org

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NHO/OTS