BAUER-WOLF : DOLLFUSS WAR NIMEALS UND AUS KEINER SICHT DEMOKRAT

Präsident des Landesschulrates hält Faschisten für Patrioten

St. Pölten (SPI) Der Begründer des Ständestaates und des Austrofaschismus Engelbert Dollfuß war niemals und aus keiner Sichtweise Demokrat, nicht nur aus der heutigen nicht. Und es ist beschämend, wenn der Präsident des Landesschulrates und damit oberster Lehrer Niederösterreichs, nämlich Landeshauptmanns Pröll, Dollfuß für einen "großen und mutigen" Patrioten hält, der "sicher kein faschistischer Diktator" war. Wenn dieses Gedankengut vom Landesschulratspräsidenten öffentlich vertreten wird, dann muß man im Interesse der Jugend und der Demokratie ernsthaft die
politische Bildung in den NÖ-Schulen hinterfragen, stellte
Dienstag der Landesvorsitzende des Sozialdemokratischen LehrerInnenvereins Niederösterreich (SLÖ-NÖ), Landesschulratsvizepräsident Werner Bauer-Wolf, zu den Erklärungen LH Prölls bei der Eröffnung des Dollfußmuseums in Texingtal klar. "Dollfuß in eine Reihe mit Dr. Karl Renner, Leopold Figl und
Julius Raab zu stellen und ihn zum ‘großen niederösterreichischen Politiker’ zu erheben, ist kein Gedankengut, das den Schülern als ‘politische Bildung’ nahegebracht werden darf", hob Bauer-Wolf hervor.

Es ist ungeheuerlich zu betrauern, daß "....die Tragödie des Jahres 1934 auch dazu geführt habe, daß die Leistungen des Agrarpolitikers Dollfuß zu wenig Beachtung finden, der bei den Genossenschaften und beim Sozialversicherungswesen wichtige
Schritte in die richtige Richtung unternommen habe...". Die Sozialdemokratie zu verbieten, die freien Gewerkschaften zu zerschlagen, das Bundesheer auf die eigene Bevölkerung schießen zu lassen, den Ständestaat zu errichten und politisch Andersdenkende einzusperren - also kurz der jungen Republik das demokratische Rückgrad zu brechen und sie damit wehrlos zu machen -, sind laut neuem, offiziellen Geschichtsbild des Landes wohl Nebensächlichkeiten, die keinesfalls dazu angetan sind, die Leistungen des ‘Agrarpolitikers’ Dollfuß vergessen zu lassen, merkte der Vorsitzende des SLÖ-NÖ an. "Und vor allem scheinen sie kein Grund zu sein, daß dieser ‘große Niederösterreicher’ keine Gedenkstätte erhält".

Nicht nur, daß sowohl diese Haltung als auch diese
Betrachtung der Geschichte, eine offene Verhöhnung der tausenden Opfer des Austrofaschismus darstellen, ist die Eröffnung des Dollfußmuseums "...das sich in die Gedenkstätten für große niederösterreichische Politiker einreiht...." wahrlich ein Moment innezuhalten und ein "historischer Tag für Niederösterreich und die Republik" gewesen : Der Landesschulratspräsident und Landeshauptmann von Niederösterreich ruft dazu auf, Geschichte wertfrei und wissenschaftlich zu betrachten. "Soll die Jugend unserer Heimat ‘wertfrei’ und ‘wissenschaftlich’ den Verbrechen der Faschisten dieses Jahrunderts gegenübergestellt werden oder wäre es doch eine Aufgabe, hier klare Werthaltungen zugunsten von Demokratie, Freiheit und Frieden zu vermitteln - wofür wohl ein landesoffizielles Mahnmal als Stätte der Begegnung und des Lernens weitaus geeigneter wäre", schloß Bauer-Wolf.
(Schluß)nk/wb

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