JG-NÖ : MUSEUM PROVOKATION DER OPFER DES AUSTROFASCHISMUS

Statt Dollfußmuseum wäre Gedenkstätte für Opfer des Faschismus angebracht

St. Pölten (SPI) Das Dollfußmuseum in Texingtal in eine Reihe mit den Gedenkstätten für Dr. Karl Renner, dem "Vater zweier Republiken", und Leopold Figl zu stellen und den Begründer des Austrofaschismus zu attestieren, "zwar kein Demokrat aus heutiger Sicht, aber sicher kein faschistischer Diktator, sondern ein unbestritten großer und mutiger Patriot im verzweifelten Abwehrkampf gegen den Nationalsozialismus" gewesen zu sein, stellt eine offene Provokation der Opfer des Austrofaschismus dar und
kann in dieser Weise nicht hingenommen werden, stellte Dienstag
die neue Landesvorsitzende der Jungen Generation in der SPÖ-NÖ (JG-NÖ), Ursula Boudar, zu den diesbezüglichen Erklärungen Landeshauptmann Prölls klar. "Statt eines Dollfußmuseums wäre eine Gedenkstätte für die Opfer des sogenannten ‘grünen Faschismus’ angebracht", betonte Boudar.

Das Verbot der Sozialdemokratie und der freien
Gewerkschaften, die Errichtung von Anhaltelagern für politisch Andersgesinnte, die Errichtung des Ständestaates und der Einsatz des Bundesheeres gegen die arbeitenden Menschen unserer Heimat als "großen und mutigen Patriotismus" zu bezeichen, ist nicht nur historisch falsch, sondern auch demokratiepolitisch bedenklich, unterstrich die Landesvorsitzende der JG-NÖ. "Das offensichtlich gestörte Verhältnis zur historischen Realität wird vor allem auch dadurch sichtbar, daß Dollfuß für Pröll ein großer niederösterreichischer Politiker war, der sich eine Gedenkstätte verdient", kritisierte Boudar. Wenn das Dollfußmuseum eine Stätte für Dialog, Lernen und Begegnung für ein auf ewige Zeiten friedliches Europa sein soll, dann kann Dollfuß wohl nur als abschreckendes Beispiel und Mahnung dafür dienen, wohin die Faschisten sämtlicher Couleurs Europa in der ersten Hälfte dieses Jahrunderts getrieben haben : In Knechtschaft und Krieg,
Unfreiheit und Tod, stellte die JG-Landesvorsitzende klar.

Daß das, was in den schwierigsten Stunden unserer Heimat passiert ist, nie wieder vorkommt, wird nicht durch Gedenkstätten für Faschisten zu erreichen sein, sondern nur durch das Aufzeigen ihrer Verbrechen gegen Demokratie und Menschlichkeit. "Deshalb ist Dollfuß nicht in eine Reihe mit Renner, Figl und Raab zu stellen, sondern mit Hitler, Mussolini, Horty und Franco. Und auf die Idee, diesen Herren Gedenkstätten zu errichten, kann wohl kein ernstzunehmender Demokrat kommen", schloß Boudar.
(Schluß)nk/wb

Rückfragen & Kontakt:

Tel: 02742/200

Landtagsklub der SPÖ NÖ

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NSN/NSN