"Das System der hegemonialen Männlichkeit verändern"

Wien (OTS) - "Wir Männer haben die historische Pflicht, uns für ein demokratisches Arrangement der Geschlechter in Politik, Wirtschaft und Kultur einzusetzen. Dabei müssen wir bereit sein, angestammte Positionen zu teilen", sagte der bekannte Berliner Männerforscher Dr. Walter Hollstein bei der ersten Österreichischen Männertagung, die von 11. bis 14. Juni 1998 im Wiener Bildunghaus Neuwaldegg zum Thema "Lust auf Männlichkeit - Männer in Familie, Partnerschaft, Arbeit und Freizeit" stattfand.

Männer sollen innere Souveränität gewinnen

Der Professor für Soziologie an der Evangelischen Fachhochschule Berlin bekräftigte, zentrale Aufgabe der Männerbewegung ist es, "Strategien zur Veränderung der herrschenden Situation" zu erarbeiten. Und der Wiener Männerforscher Dr. Erich Lehner ergänzte, es gelte das System der "hegemonialen Männlichkeit", in dem sich Männer durch Unterordnung und Komplizenschaft die Vorherrschaft sichern, zu analysieren und dann strukturell zu verändern.

Der Kasseler Gestalttherapeut Markus Krämer wies die rund 80 Teilnehmer von Hamburg bis Südtirol darauf hin, es sei für die Männer wichtig, eine "innere Souveränität und männliches Selbstbewußtsein zu gewinnen", zur Außenorientierung eine Innenorientierung zu finden, das Innen und Außen in eine wechselseitige und kreative Beziehung zu setzen und "für Frauen und Männer gemeinsam lebbar zu machen" (Erich Lehner).

"Die Zeit der Analyse ist vorbei: Just do it"

Ein "Plädoyer für Langsamkeit" legte in diesem Zusammenhang der Wiener Lebens- und Sexualberater Dieter Schmutzer bei der Podiumsdiskussion ein, der den Männer "statt Strategie ein Stück mehr Wahrhaftigkeit" empfahl, da es bedeutsam sei, "Unterschiedlichkeiten auszuhalten und nicht sofort loszureagieren". Die Journalistin und Vertreterin des Frauenvolksbegehrens, Dr. Eva Roßmann, unterstrich, wenn Frauen und Männer sich von einer männerdominanten Umwelt befreien wollen, brauchen beide dafür eigene Räume. Sie bekräftigte gleichzeitig den "Wunsch nach mehr Zusammenarbeit als bisher in diesen gesellschaftspolitischen Fragen", wozu es "gegenseitige Koalitionen in Freiheit" brauche.

Bei der Tagung wurde sowohl die Frage der gemeinsamen Obsorge von Männern und Frauen nach der Scheidung für ihre Kinder, des Umgangs mit der Männergewalt, Modelle über die Gleichstellung von Mann und Frau in Familie und Gesellschaft, ein erleichterter Zugang der Männer zur Karenz, aber auch die Forderung nach flexiblen Arbeitszeiten für Männer diskutiert. Die Wiener Sozialwissenschaftlerin Dr. Edit Schlaffer vom Institut für Politik und zwischenmenschliche Beziehungen, meinte dann auch: "Die Zeit der Analyse ist vorbei: Just do ist".

Ebenso präsentierten bei der Männertagung 13 österreichische Männerinitiativen, wie z. B. die Männerberatungen Wien und Linz, das Männerbüro Innsbruck, die Steirische Männerinitiative, das Männerbüro der Diözese Feldkirch, die Schwulenberatung des Rosa Lila Tip, die Katholische Männerbewegung der Erzdiözese Wien, aber auch ausländische Männerinitiativen, wie die Manege Berlin, das Münchner Informationszentrum für Männer (MIM), Switchboard Hamburg und eine südtiroler Initiative ihre Arbeit. Workshops für bewegte Männer, über Körperarbeit, über die Biographie von Männern, zur Stärkung der männlichen Spiritualität und ein Männerfest mit Dr. Kurt Ostbahn und seiner Band, aber auch der deutliche Wunsch nach einer Folgekonferenz, rundeten diese erstmalige Tagung ab.

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