Rosenstingls Gefährtin Cornelia Gretsch exklusiv im NEWS-Interview: "Wollen in Brasilien bleiben."

Vorausmeldung zu NEWS Nr. 24/10.6.1998 Peter Rosenstingl treffe keine Schuld an der Affäre -Gretsch: "Daß die FPÖ alles auf uns schieben will, ist eh klar."

Wien (OTS) - Cornelia Gretsch, die Fluchtgefährtin des mutmaßlichen Millionenbetrügers Peter Rosenstingl, nimmt erstmals ausführlich in einem NEWS-Interview Stellung. Sie stehe weiterhin hinter Rosenstingl. Gretsch: "Der Peter wurde gelegt, und ich habe keine moralischen Bedenken, bei ihm zu bleiben. Schuld ist sein Bruder. Er hat einfach nur die Haftung übernommen. Wir hoffen, daß sich die Geschichte aufklärt und rauskommt, daß der Peter nicht der größte Wirtschaftskriminelle des Jahrhunderts ist." Was in der FPÖ los sei, könnten sie und Rosenstingl von Brasilien aus nicht beurteilen. Gretsch: "Daß die Wohnbaugesellschaft seit Jahren verschuldet ist, war nie ein Geheimnis. Aber damit hat der Peter nichts zu tun. Daß die FPÖ alles auf uns schieben will, ist eh klar." Von der prekären Situation Rosenstingls hätte vor allem der frühere FPÖ NÖ-Chef Bernhard Gratzer - derzeit ebenfalls in Untersuchungshaft - gewußt. Gretsch: "Er hat die Provision bereitwillig kassiert."

Über die Flucht hätte Rosenstingl und Gretsch bereits seit langem nachgedacht. Gretsch: "Die Situation ist seit eineinhalb Jahren brisant gewesen. Seit damals haben wir uns mit Flucht auseinandergesetzt. Wir haben das gedanklich durchgespielt und waren uns immer im klaren, daß wir vielleicht von einem Tag auf den anderen fliehen müssen. Ich habe als Sicherheitspolster im vergangenen Oktober einen Kredit aufgenommen. Im April haben wir uns dann ans Internet gesetzt und geschaut, welche Länder kein Auslieferungsabkommen mit Österreich haben. So sind wir auf Brasilien gekommen." Rosenstingl und Gretsch hätten ständig in Mundao, 145 km von Fortaleza, im Hotel eines Auslandsösterreichers gewohnt. Alle Gerüchte über Aufenthaltsorte in und um Fortaleza wären "blanker Blödsinn". Die Zweimillionenstadt Fortaleza hätten sie bewußt vermieden. Gretsch: "Wir wären ja schön blöd gewesen."

Die Verhaftung durch die brasilianischen Behörden wäre problemlos verlaufen, die österreichischen Beamten wären entgegen der Darstellung des Wiener Innenministeriums nicht daran beteiligt gewesen. Der österreichische Interpolbeamte wäre erst beim Verhör mit Peter Rosenstingl zusammengetroffen.

Gretsch: "Er hat ihn ordentlich in die Mangel genommen und psychisch unter Druck gesetzt. Er hat ihm richtige Schauergeschichten erzählt. Deshalb wäre Peter fast bereit gewesen, freiwillig heimzukehren. Ich habe gleich gesagt, das kommt nicht in Frage, und jetzt will er auch nicht mehr. Die jetzige Haft ist direkt eine Schutzhaft gegen die österreichischen Behörden, damit er nicht mehr so unter Druck gesetzt wird."

Gretsch und Rosenstingl wollen, wenn der Auslieferungsantrag tatsächlich abgelehnt wird, weiterhin in Brasilien bleiben. Gretsch:
"Wir fühlen uns wohl hier in Brasilien. Uns bleibt zwar nicht mehr viel Geld - aber ein halbes Jahr kämen wir schon noch durch. Er hat jetzt erst begriffen, daß es wichtigere Dinge gibt im Leben, als bei einer Wahl zwei Prozent dazuzugewinnen."

Der Polizeibeamte, der die Fahndung gegen Peter Rosenstingl geleitet hatte, Alberto Pinheiro, bestätigte Gretschs Darstellung der Verhaftung. Pinheiro im NEWS-Gespräch: "Die Verhaftung war nur der Policia Federal zu verdanken." Er persönlich glaube an eine baldige Freilassung Rosenstingls. Pinheiro: "Rosenstingl hat hier nichts angestellt. In Brasilien machen das alle Politiker. Für mich ist er kein Verbrecher, sondern ein Freund geworden."

Rückfragen & Kontakt:

NEWS Chefredaktion

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS