Selbstmordgefahr: Der Arzt muß Vertrauen aufbauen (Teil 1)

Grazer Experte: Der Mythos der Schicksalhaftigkeit des Suizidsgehört bekämpft

Wien (OTS) - Der "Freitod" ist kein "Freitod". Der
Selbstmordversuch bzw. der Selbstmord sind nicht schicksalshaft. Rechtzeitige Intervention hilft. Sie besteht für den niedergelassenen Arzt vor allem im Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zum Patienten. Das ärztliche Gespräch nimmt eine zentrale Rolle ein. - So läßt sich das Fazitvon Vorträgen bei den Ärztetagen in Grado (7. - 13. Juni) zum Thema "Psyche und Organ" ziehen. Am dringendsten aber ist Hilfe notwendig, wenn es bereits zu einem Suizidversuch gekommen ist, erklärte dazu Univ.-Prof. Dr. Hans Georg Zapotocky, Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Psychiatrie.

Zapotocky: "Einer europäischen Studie zufolge begehen mehr als 50 Prozent von Patienten mehr als einen Suizidversuch. Und von denjenigen,die einen zweiten Selbstmordversuch verüben, führen ihn 20 Prozent innerhalb von zwölf Monaten nach dem ersten Versuch durch."

Störungen des "Gemütszustandes" spielen eine große Rolle in der Entwicklung in Richtung Selbstmordgefährdung:

- 15 Prozent aller Patienten mit solchen Störungen begehen Selbstmord.

- 19 bis 42 Prozent aller Personen, die Suizid begehen, haben bereitseinen Versuch dazu gemacht.

- Zehn Prozent aller Patienten nach einem Selbstmordversuch begehen Suizid innerhalb von zehn Jahren.

Andere Grundstörungen, die häufig hinter dem Weg in denSelbstmordversuch stehen:

- Alkoholismus - Abhängigkeit von Drogen und/oder Medikamenten -Einsamkeit im Alter

Jedes Symptom, das auf eine Gefährdung hinweisen könnte, muß von Verwandten, Freunden, aber auch vom Arzt ernst genommen werden. Dazu gehören auch besonders "parasuizidale Handlungen" Zapotocky: "Das sind Selbstmordversuche, die einen starken appelativen Charakter aufweisen,also einen Schrei nach Hilfe darstellen."

Der "Psychiater der österreichischen Seele", Univ.-Prof. Dr. Erwin Ringel hat jenes (präsuizidale) "Syndrom", also eine Reihe von Symptomen beschrieben, die auf eine aktuelle Gefährdung hindeuten:

  • Zunehmende "Einengung" der Wahrnehmung und der "Wertwelt" des Betroffenen.
  • Aggression kehrt sich in Selbstaggression um.
  • Selbstmordphantasien, die sich schließlich nicht mehr wegdrängen lassen und zwanghaften Charakter annehmen. (Forts.)

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