Castorf: Schwere Bedenken gegen Peymanns Berliner Direktion

Inszeniert an der "Burg" Nestroy

Wien (OTS) - Frank Castorf, deutscher Theaterwilder, Intendant der Berlinger Volksbühne und derzeit mit der Nestroy-Zertrümmerung "Krähwinkelfreiheit" an der "Burg" beschäftigt, attackiert Claus Peymann in der morgen (Mittwoch) erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS.

Peymann, der im Herbst 1999 am Berliner Ensemble antritt, sei lediglich als Polemiker ein Gewinn. "So etwas braucht man in der Auseinandersetzung mit dieser dumpfenden Kleinstadtpolitik."

Künstlerisch erwarte er laut NEWS von Peymann hingegen wenig:
"Gleichzeitig kann der Sechzigjährige nicht die Innovation in einer Stadt sein, die im Gegensatz zu ihrer Politik metropolenhaft explodiert. Die Reproduktion einer erfolgreichen Serie von Stuttgart bis Wien qualifiziert nicht dafür, sich dem Neuen zu stellen. Wer zu lang im Wiener Luxus gelebt hat, dem fehlt die Kämpferqualität. Wollen ist zu wenig - man muß auch können. Sechzig Jahre signalisieren ein gewisses biologisches Ende. Ich hoffe, daß er zumindest das Ende seiner Intendanz erlebt."

Die Peymann vage zugesagte Subventionserhöhung werde er vermutlich bekommen. "Ich würde es nie kriegen, weil ich kein Liebling von Herrn Radunksi und der Berliner CDU bin. Ich gönne es ihm auch, wenn er damit eine gesellschaftshygienische Bombe bastelt. Nur habe ich da meine Zweifel."

Castorf, der sich im NEWS-Gespräch auch heftig gegen Zadek, Stein, Flimm, Dorn und Bondy wendet, weiter: Peymanns Arbeit sei "hausbacken, verträglich für jede Steglitzer Villenvorortsiedlung. Deswegen will man ihn ja auch haben. Aber vielleicht kommt noch ein Alterstarrsinn dazu, der ihm hilft, ins Reich der Freiheit zu übersiedeln."

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