Österreichisches Kardiologentreffen 1998

Wien (OTS) - Das diesjährige Österreichische Kardiologentreffen findet von 11. bis 13.6.1998 in Gmunden - Toscana Kongreß statt.

In Österreich bestehen derzeit etwa 30 kardiologische Abteilungen, und in 26 besteht die Möglichkeit einer Herzkatheteruntersuchung. In 19 dieser Herzkatheterlabors werden auch Eingriffe an den Herzkranzgefäßen oder Herzklappen durchgeführt, die wesentlich dazu beitragen, daß bei der immer größeren Zahl an Patienten, z.B. ein Herzinfarkt verhindert wird bzw. eine Herzoperation erspart bleibt. Sollte eine Herzoperation aber notwendig sein, so stehen 8 herzchirurgische Zentren in Österreich flächendeckend zur Verfügung.

Diesen "Interventionen am Herzen" ist nun der diesjährige Kongreß gewidmet, und es spricht für die gute Zusammenarbeit von Herzchirurgen und Kardiologen, daß der Tagungspräsident, Herr Prof. Dr. Manfred Deutsch ist, der die Herzchirurgie im Krankenhaus der Stadt Wien Lainz leitet. Ihm zur Seite steht der Kardiologe von Lainz, Herr Prof. Dr. Johannes Mlczoch, der als Sekretär der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft die Tagung organisiert.

Das Tagungsthema trägt der immer größeren Bedeutung der interventionellen Kardiologie und Herzchirurgie Rechnung. Werden in anderen Bereichen zweistellige Zuwachsraten positiv gesehen, so muß man allerdings im Bereich der Kardiologie bedauernd sagen, daß heute leider immer mehr Patienten diese Interventionen in Anspruch nehmen müssen. Einerseits ermöglichen verbesserte Diagnostik und verbesserte Technik Eingriffe, die früher nicht möglich waren, und andererseits steigt die Zahl der Patienten durch die geänderte Altersstruktur.

In Österreich wurden 1992 etwa 19.000 Herzkatheteruntersuchungen und bei 3700 Patienten Interventionen in den Herzkatheterlabors durchgeführt, 1996 waren es bereits 26.500 Herzkatheteruntersuchungen und mehr als 6.700 Patienten, bei denen eine Ballondehnung notwendig war. In Europa ist diese Steigerung noch deutlicher sichtbar, so wurden 1992 684.000 Herzkatheteruntersuchungen mit 148.000 Interventionen durchgeführt. So waren das 1995 bereits mehr als eine Million Herzkatheteruntersuchungen mit 272.000 Interventionen. In ähnlicher Weise sind die Zahlen für die Herzchirurgie, wobei sich in Europa 1990 190.000 Patienten einer Operation am offenen Herzen unterzogen, und 1995 waren es bereits 291.000.

Wesentlich größere Steigerungsraten verzeichnet der zusätzliche Einsatz von Gefäßprothesen (Stent) bei den Interventionen mit Ballondehnung. Dieser Stent ist ein speziell geformter Draht bzw. ein Drahtgeflecht, welche in die Gefäßwand mit einem Ballon hineingepreßt wird und die Wand versteift und damit die Lichtung besser offen gehalten wird. Waren es 1992 nur 2,4 % der Ballondehnungen, die mit einem zusätzlichen Stent versorgt wurden, so waren es 1996 bereits 47 %. Eine Zahl, die wegen der guten Ergebnisse noch weiter im Steigen begriffen ist. In manchen Zentren beträgt der Anteil der Stents bereits mehr als 70 %. Diese Zahlen zeigen die enorme Leistungssteigerung der modernen Kardiologie und lassen weitere Zunahmen erwarten. Bereits heute ist dies mit einem sehr großen Kostenaufwand verbunden, und die sich abzeichnende Entwicklung läßt sich weiterhin nur mit Kostensteigerungen und zusätzlichem Personaleinsatz bewältigen.

Der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft ist es ein wesentliches Anliegen, die auf uns zukommenden zusätzlichen Aufgaben entsprechend organisatorisch und mit Hilfe der zuständigen Politiker auch finanziell zu bewältigen.

Dementsprechend sind auch die Hauptthemen des Kongresses:

1. Neue chirurgische Entwicklungen, insbesondere der minimal invasiven Chirurgie mit Vermeidung von Herz-Lungen-Maschinen.

2. Das akute koronare Syndrom mit Darstellung der notwendigen Behandlungsschritte von der Diagnose bei akutem Brustschmerz bis zur Behandlung eines akuten Herzinfarktes mit Ballondehnung als unter Umständen rascheste Behandlung, um ein verschlossenes Herzkranzgefäß wieder zu eröffnen und offen zu halten.

3. Die Frau in der Kardiologie, nicht weil Frauen wirklich anders sind, sondern weil bei Frauen das Auftreten von Herzerkrankungen zu anderen Zeitpunkten erfolgt (Hormonschutz ?) und häufig zusätzlicher erschwerende Krankheiten (z.B. Zuckerkrankheit) vorliegen.

Auch wurden viele Studien über Behandlungen meist nur bei Männern durchgeführt, so daß die Anwendung der Studienergebnisse auf Frauen zumindest limitiert sein kann.

4. 24 Sitzungen der Arbeitsgruppen und Freie Vorträge zu den verschiedensten Themen. Es werden auch 5 Satelittensymposien und Kamingespräche zu speziellen Fragen organisiert, Expertengespräche, wo endlich Zeit zum Fragenstellen ist, runden das Kongreßprogramm ab.

Es ist dies die größte Jahrestagung, die die Österreichische Kardiologische Gesellschaft bisher veranstaltet hat, wobei wie schon in den letzten Jahren die Arbeitsgruppe "Kardiologisches Assistenzpersonal" auch besonders vertreten ist.

Das 30jährige Jubiläum der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft, die 1968 von Prof. Dr. Fritz Kaindl gegründet wurde und in der Zwischenzeit fast 900 Mitglieder hat, ist natürlich auch ein besonderer Anlaß für ein festliches Begehen. Prof. Dr. Peter Kühn aus Linz, 1968 aber in Wien als einer der ersten in der Gesellschaft, wird im Wasserschloß Orth seine Sicht über die letzten 30 Jahre der Gesellschaft präsentieren. Als weiteren Höhepunkt wird Herrn Prof. Dr. Wilhelm Rutishauser aus Genf, einem der Kardiologie-Pioniere aus der Schweiz, für seine Verdienste die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Er wird nach Prof. Dr. Franz Loogen aus Düsseldorf erst das 2. Ehrenmitglied der Gesellschaft sein.

Die Entwicklung der Kardiologie ist ohne Industrie nicht denkbar, sei es am Sektor der Schrittmacher, der Herzkatheter, der Stents oder besonders wirksamer Medikamente. Eine große Industrieausstellung mit Präsentation der neuesten Produkte darf daher bei einem solchen Ereignis nicht fehlen.

Rückfragen & Kontakt:

Univ.Prof. Dr. Johannes Mlczoch
Fax: +43-1-8021754 oder
Fax: +43-7612-66843 (Kongreßbüro in Gmunden)
Tel: 0664/411 88 69

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