Wolfgang Kromp: Offener Brief an SE-Generaldirektor Mikus

Wien (OTS) - "Sehr geehrter Herr Mikus, bedauerlicherweise haben
Sie mich wieder in die Lage gebracht, zunächst auf Vorwürfe antworten zu müssen, die bestenfalls randständig zu unserem eigentlichen Thema sind. Ich beziehe mich dabei auf Ihre heutige Pressekonferenz, die diffamierend und verleumderische Aussagen enthalten hat. Ich weise hiermit alle Vorwürfe der Manipulation auf das schärfste zurück und erwäge rechtliche Schritte, sollte die Verleumdungskampagne anhalten.

Ich darf darauf hinweisen, daß - während der Provisorische Zwischenbericht erklärtermaßen die potentiellen Problembereiche zum Schwerpunkt hatte - der Entwurf zum Abschlußbericht, der Ihnen heute, am 3. Juni 1998 zugegangen ist, ausgewogen ist. Sie werden, wenn Sie ihn studiert haben, feststellen, daß der Bericht viele positive Bewertungen von Sicherheitsaspekten des KKW Mochovce enthält. Es wird aber auch auf potentielle und tatsächliche ernste sicherheitsrelevante Probleme hingewiesen.

Ich möchte Sie eindringlich davor warnen, die von unseren Experten festgestellten positiven Aspekte für einseitige Propagandaaktionen zu mißbrauchen. Ich bedauere, daß eine solche Warnung nötig ist, aber im Lichte Ihres vergangenen Verhaltens (ich beziehe mich auf die Abschlußpressekonferenz in Levice) fühle ich mich gezwungen, einen derartigen Ton anzuschlagen.

Ich darf auch darauf hinweisen, daß die gegenwärtige Situation ausschließlich auf die mangelnde Transparenz von Ihrer Seite zurückzuführen ist. Wären den Experten alle Dokumente zugänglich gemacht worden, wie im MoU ausdrücklich zugesagt, dann wäre sicherlich das Problem, das uns jetzt von unserer eigentlichen Aufgabe ablenkt, bereits gelöst.

Ich möchte nochmals an Sie appellieren, die Situation nicht weiter zu eskalieren. Statt weitere Zeit und Ressourcen auf irrelevante und überflüssige Themen zu vergeuden, würde ich es vorziehen, die wichtige Aufgabe der Evaluation der technischen Fragen zum KKW Mochovce wieder aufzunehmen.

Ich bin sicher, daß wir die randständigen Differenzen überwinden könnten und hoffe, daß die Diskussion wieder zu technischen Fragen zurückfindet.

Hochachtungsvoll,

Wolfgang Kromp."

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