Durch das neue Hochschullehrendenrecht sind mehr als 500 Studierende auf der Medizinischen Fakultät ausgesperrt

Wien (OTS) - Mehr als 500 Studierende können nicht an dem durch
das Studiengesetz vorgeschriebenen anatomischen Praktikum (Sezierkurs) teilnehmen. Schuld daran sind ua. Bestimmungen im neuen Hochschullehrendendienstrecht, die Lehrpersonen verbieten, genügend Praktikumstunden zu unterrichten. Dies führte zu einer Reduktion der Praktikmsplätze um mehr als 30 % im Vergleich zum Vorjahr. Zulassungskriterium zum Anatomischen Praktikum ist ein Multiple Choice Test über die Anatomie des Menschen (Knoko). Wer positiv beurteilt wurde, aber weniger als 75 Prozent der Fragen beantwortet hat, kam auf eine Warteliste und muß 1 Jahr warten. Dies bedeutet: 1 Jahr Studienverzögerung und einen Rückstau bei den Praktika im nächsten Jahr. Geht es nämlich nach dem Willen des Gesetzgebers, wird die Zahl der Praktikumsplätze 1999 abermals um mehr als 30 % reduziert. Geprüft wird nur einmal pro Jahr, obwohl das Universitätsstudiengesetz (§ 53 Abs. 2 leg. cit.) für Lehrveranstaltungsprüfungen drei Prüfungstermine im Semester vorschreibt. Insgesamt warten rund 500 Studierende. Die Aufnahmekapazität zum Sezierkurs ist auch durch einen von der Institutskonferenz beschlossenen Praktikumsschlüssel beschränkt (30 Studierende pro verantwortlicher Lehrperson). Durch Genehmigung eines Lehrauftrages konnten in letzter Minute noch 23 Studierende zugelassen werden. Doch die Betroffenen wollen sich nicht mit Korrekturen von Details abspeisen lassen, wärend die große Masse warten muß. Nach Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse bildete sich ein Initiativkomitee gegen Zulassungsbeschränkungen. Um mehr Studierende unterzubringen, fordert das Initiativkomitee nun eine Revision der starren Regelung. Gefordert wird auch die Einstellung von zusätzlichen DemonstratorInnen und TutorInnen, um die Qualität der Lehre in größeren Arbeitsgruppen zu sichern. Doch gerade die Zahl der TutorInnen wurde vom Ministerium gekürzt. Eine andere Möglichkeit wäre eine neuerliche Dienstrechtsnovelle. Erste Aktion der Studierenden war eine Unterschriftenaktion gegen das neue Hochschullehrendendienstrecht, mit der Wissenschaftsminister Caspar Einem zum Handeln aufgefordert wird. Das Komitee bemüht sich um einen Verhandlungstermin beim Minister, wobei sie ihm die Unterschriften überreichen wollen. Sie wollen Einem auch an sein Versprechen erinnern, daß der Hochschulzugang frei sein soll. Die vom Komitee geforderten Lehraufträge würden dem Staat rund 170.000 Schilling kosten. Wenn nichts geschieht, kostet das den Staat rund 12 Millionen Schilling zusätzliche Familienbeihilfe, die auszuzahlen ist, wenn Studienverzögerungen nicht durch Verschulden der Studierenden entstehen. Verärgert sind auch die Lehrenden: sie wollen nicht länger Handlanger eines versteckten "Numerus Clausus" (Beschränkung der Zulassung auf die Uni) der Regierung sein. Das Initiativkomitee trifft sich jeden Mittwoch um 12 Uhr im Seminarraum 1 am Anatomischen Institut.

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