NEWS exklusiv: Letztes Intervies mit Gratzer vor seiner Verhaftung - Vorausmeldung zu NEWS Nr. 23/4.6.1998

Der Ex-FPÖ-Landeschef: "Bin von meiner Partei tief enttäuscht."

Wien (OTS) - Der ehemalige FPÖ Niederösterreich-Chef Berhard Gratzer, derzeit in Untersuchungshaft, hat dem Nachrichtenmagazin NEWS für die morgen erscheinende Ausgabe das letzte große Interview vor seiner Verhaftung gegeben. Gratzer empfing NEWS-Redakteur Kurt Kuch in seinem Urlaubshotel auf der Insel Mauritius zu einem zweistündigen Gespräch. In diesem Interview geht Gratzer mit seiner ehemaligen Partei, die ihn Ende vergangener Woche ausgeschlossen hat, hart ins Gericht. Sein Parteiausschluß wäre von "längerer Hand geplant" gewesen. Haider hätte ja schon seit längerem ihn, Gratzer, durch Schimanek ersetzen wollen.

Der Rücktritt aus seinen Ämtern sei damals, am 12. Mai, aus reiner Parteiräson erfolgt. Gratzer: "Nachdem ich aber mittlerweile ausgeschlossen bin, gibt es für mich auch keine Parteiräson mehr." Er hätte daher seinen Rücktritt per Fax an die Parteileitung widerrufen. Bei seinem Rücktritt sei er unter einen Druck gesetzt worden, den er "seinem ärgsten Parteifreund nicht wünscht".

Eine führende Rolle soll dabei Susanne Riess-Passer gespielt haben, die ihn zum Rücktritt "genötigt" hätte. Gratzer: "Die Susanne Riess-Passer hat mir sofort einen Boten geschickt. Sie hat mir ausrichten lassen, entweder ich unterschreibe jetzt sofort meinen Rücktritt, oder ich werde noch am selben Tag aus der Partei ausgeschlossen."

"Menschlich und persönlich tief enttäuscht" sei er auch von seinem Nachfolger, FPÖ-Niederösterreich-Chef Hans Jörg Schimanek. Gratzer über Schimanek: "Weil ich ihm in seiner schweren Situation mit seinem Sohn in jeder Phase zu hundert Prozent beigestanden bin. Denn es hat sogar Landesgruppen wie die Steirer gegeben, die gesagt haben, der Schimanek muß weg, solche Sachen wollen wir nicht. Es ist für mich heute die schwerste Enttäuschung, daß genau der, für den ich mich habe prügeln lassen, jetzt fallen läßt."

Auf die Cause Rostenstingl angesprochen, behauptet Gratzer, bis zuletzt geglaubt zu haben, daß die insgesamt 16 Millionen an Krediten im Wahlkampf noch hereinkommen würden.

Gratzer: "Es war für mich klar, daß das Geld irgendwann fließen wird. Zwar langsam, aber es wird schon irgendwann kommen. Hätte ich das nicht geglaubt, hätte ich schon Feuer geschrieen."

Von seiner ehemaligen Partei sei er insgesamt enttäuscht. Gratzer:
"Es ist einfach schlimm, wenn einen die eigene Organisation, für die man immer das Letzte gegeben hat - Sie sehen ja, wie grau ich bin, auf meine 42 schätzt mich keiner - so einfach fallenläßt. Ausschluß und Schlußstrich! Und plötzlich kann sich keiner mehr an irgendetwas erinnern." Gratzer verstehe nicht, warum er sein Mandat nicht behalten darf: "Der Meischberger behält sein Mandat. Ich nicht. Dabei gibt es bei mir nicht einmal eine Anklage."

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