Holenders Pläne nach der Ausgliederung: reformierter Opernball, kein Jazz-Fest mehr, 70 Kindervorstellungen pro Saison, Tschaikowski-Zyklus unter Stein im Theater an der Wien

Wien (OTS) - Ioan Holender, Direktor der Wiener Staatoper, spricht in einem Interview für die morgen (Donnerstag) erscheinende Ausgabe des Wochenmagazins NEWS ausführlich über die exakt 10 Jahre seit seiner Designierung und gibt auch Pläne für die Zeit nach der Ausgliederung seines Hauses bekannt.

o Die Staatsoper wird im Sommer nicht mehr für das Jazz-Festival zur Verfügung stehen. Holender: "Ich kann schon jetzt sagen, daß mir da etwas anderes einfallen wird. Es ist indiskutabel, daß dieses Haus im Sommer keine Oper spielt."

o Der Opernball, demnächst gleichfalls in Holenders Verantwortung, wird gründlich verändert. "Ich versuche, ihm wieder ein Gesicht zu geben. Das Haus und die Künstler Wiens sollen dort wieder den ihnen zustehenden Rang einnehmen. Ich werde auch auf die TV-Übertragung Einfluß nehmen. Die Verlugnerung war ja nur möglich, weil er die Kameras und ihm adäquate Interviewer gekriegt hat."

o Ab März wird auf der Opern-Balustrade ein Zelttheater stehen. Dort wird Holender pro Jahr 70 Aufführungen für Kinder spielen. Die Kosten von 7 Millionen Schilling bringt ein Sponsor auf.

o Holender sieht gute Chancen, daß das Theater an der Wien nach Rudi Klausnitzers Vertragsende im Jahr 2000 "der Gattung Oper zurückgegeben wird". Das habe Kulturstadtrat Marboe angedeutet. "Wenn das Haus dann nicht mehr durch elektroakustische Verstärkung geschändet wird", sei es auch ideal für einen Wunsch Peter Steins geeignet, der bei Holender die drei Puschkin-Opern von Tschaikowski inszenieren will.

Holender über Peymann: "Ich fand diese Selbstdarstellungen mit ein paar Schuldzuweisungen nach der Bombe von Oberwart immer ein wenig spektakelhaft. Dieser Posten ist keine Tribüne, um über Gott und die Welt zu richten."

An der Ausgliederung störe ihn, Holender, nicht sosehr "dieser unsinnige, aber auch machtlose Beirat", sondern viel mehr die Trennung der Werkstätten und die Sonderkompetenzen des Aufsichtsrats. "Er soll nur das Finanzielle kontrollieren - weshalb wird er nicht auch zur Wahrung des kulturpolitischen Auftrags verpflichtet? Derzeit habe ich keine Sorgen. Aber wer ist in zehn Jahren Kanzler? Und was, wenn die Macht dann sagt: 'Hauptsache, ihr Macht Kasse'?"

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