Neue EU-Schutzgebiete für das "Netz des Lebens" in Oberösterreich notwendig! -BILD

WWF fordert von Landesregierung ausreichende Geldmittel für die Umsetzung von Natura 2000

Linz (OTS) - Der WWF präsentiert heute das "Netz des Lebens" -
eine gesamteuropäische Vision zur Erhaltung der bedeutendsten Biotope und Arten im Rahmen einer Pressekonferenz im Linzer Ursulinenhof. "Wir können es schaffen, zwei Drittel unserer österreichischen Artenvielfalt langfristig zu erhalten, wenn wir jetzt die Chance nutzen, unsere schützenswertesten Flächen in das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 einzubringen!", so Mag. Christoph Walder, Experte des WWF. Zwölf wertvolle Gebiete wurden bislang von der Landesregierung für Natura 2000 genannt, weitere 11 stehen noch auf der Schattenliste des WWF. Die wertvollsten darunter sind: das Rannatal, der Grenzfluß Maltsch, das Ibmer Moor und das Aist-Naarn Gebiet im Mühlviertel.

Das Netz des Lebens für das nächste Jahrtausend zu erhalten - das ist im Rahmen der weltweiten Living Planet Campaign das große Ziel des WWF. Auf einer Karte hat der WWF alle Gebiete Österreichs -insgesamt über 190 - ausgewiesen, die für die Erhaltung gefährdeter Arten und Lebensräume unverzichtbar sind und deshalb in das Europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 eingebracht werden müssen. Obwohl an die 130 dieser Gebiete bereits als Europaschutzgebiete nach Brüssel nominiert wurden, fehlen noch über 60 auf den offiziellen Listen - 11 davon in Oberösterreich.

Handlungsbedarf für weitere Schutzgebiete bis Ende 1998!

Die Oberösterreichische Landesregierung hat wesentliche Naturgebiete wie den Dachstein, das Obere Donautal oder die Untere Traun nach Brüssel gemeldet. Dennoch ist nach Ansicht von Hans Uhl, Landesleiter des WWF Oberösterreich das Netz des Lebens in unserem Bundesland noch löchrig. Uhl: "Jetzt besteht mit der Nachnominierung von Natura 2000-Gebieten eine einmalige Chance, unserer EU-Verpflichtung in ausreichendem Maße nachzukommen und Entscheidendes für die Erhaltung unseres Naturerbes zu leisten." Damit könnte das Überleben von so bedrohten Arten wie der Flußperlmuschel, des Fischotters und des Wachtelkönigs gesichert werden. Der WWF fordert daher aus aktuellem Anlaß die rasche Nachnominierung der Maltsch, des Rannatales, des Aist-Naarn-Gebietes und des Ibmer Moores.

Zusätzliche Geldmittel für Natura-2000-Gebiete dringend erforderlich!

Die Einrichtung und laufende Betreuung der Natura 2000-Gebiete erhöht erheblich den Finanzbedarf des Landes für den Naturschutz. WWF-Natura 2000-Experte Walder fordert daher von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und dem Naturschutz-Landesrat DI Erich Haider die notwendigen Geldmittel umgehend zur Verfügung zu stellen. Durch die Einrichtung des lange geforderten Landschaftspflegefonds und des Schotterschillings könnten wertvolle Ressourcen geschaffen werden.

Darüber hinaus können in Natura 2000-Gebieten für Naturschutzprojekte Geldmittel der EU in Anspruch genommen werden. Niederösterreich hat seit dem Beitritt zur Europäischen Union im Rahmen von sogenannten LIFE-Projekten ÖS 148.160.000,- Schilling zusätzlich für Naturschutzmaßnahmen lukriert! "Solche Projekte könnten auch in Oberösterreich neue Impulse im Naturschutz bringen. Wir dürfen uns diese Jahrhundertchance nicht entgehen lassen" appelliert Hans Uhl an die Adresse der zuständigen Regierungsmitglieder.

Folgende Gebiete, die zu den wertvollsten Naturjuwelen Österreichs zählen, müssen laut WWF in das Natura-2000-Netzwerk aufgenommen werden:

Die Maltsch: Im Gebiet des Mühlviertler Grenzflusses zu Tschechien gibt es österreichweit bedeutende Vorkommen der Flußperlmuschel, des Fischotters, des Wachtelkönigs und der Bekassine. Auf der österreichischen Seite ist die Maltsch stark durch die ständige Intensivierung der Landwirtschaft beeinträchtigt, in Tschechien steht durch die Privatisierung von Staatsgrund eine ähnliche Entwicklung bevor. Derzeit gibt es keine ausreichenden Schutzmaßnahmen,um den wunderschön naturbelassenen Fluß und seine Flora und Fauna ins nächste Jahrtausend zu retten.

Das Rannatal: Bereits Ende des vergangenen Jahres hat der WWF auf die Bedeutung des Rannatales für die österreichische Natur hingewiesen. Seine einzigartige, europaweit bedeutende Moos- und Flechtenwelt, seine Moore sowie seine Schlucht- und Hangwälder werden durch einen Kraftwerksbau bedroht. Durch eine rasche Einbringung ins Europäische Schutzgebietssystem könnte auch das Rannatal für immer gerettet werden.

Das Aist-Naarn-Flußsystem: Dieses lieblich, mäandrierende mühlviertler Flußnetz weist ein für Mitteleuropa einzigartiges Flußperlmuschel-Vorkommen auf. Auch der Fischotter, die Blauflügel-Prachtlibelle und die Grüne Keiljungfer finden hier den passenden Lebensraum. Hauptsächlich bedroht ist das Gebiet durch intensive Land- und Forstwirtschaft. Ein Natura 2000-Schutzgebiet würde auch dieses Stück Heimat für die nächsten Generationen bewahren.

Das Ibmer Moor: Der EU wurden bisher lediglich die 76 Hektar des derzeit existierenden Naturschutzgebietes "Pfeiferanger" als Natura 2000 Gebiet gemeldet. Da hier eines der bedeutendsten österreichischen Vorkommen des akut bedrohten Großen Brachvogels existiert, müßte die Schutzgebietsfläche wesentlich vergrößert werden, um sinnvolle, langfristige Schutzmaßnahmen setzen zu können. Für ein Brutrevier des Brachvogels rechnet man durchschnittlich 20 Hektar Flächenbedarf. Da im Ibmer Moor derzeit 16 Brutpaare leben, bräuchte diese Population ein Mindestareal von ca. 300 Hektar, um den Bestand auf Dauer halten zu können. Aus Sicht des WWF ist es deshalb notwendig, die gesamte schutzbedürftige Fläche als Natura 2000 Gebiet nachzunominieren.

(Siehe auch APA/OTS-BILD - Flußperlmuschel)

Rückfragen & Kontakt:

Hans Uhl, WWF OÖ, Tel.: 07582/81334
Mag. Christoph Walder, WWF-Natura-2000 Experte,
Tel.: 0512/573534

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