AK: Mißverständlicher Kreditvertrag konsumentenfreundlich ausgelegt

AK gewinnt Musterprozeß

Wien (OTS) - Haben sich Banken bei der Kreditkalkulation
zugunsten des Kreditnehmers verrechnet, dürfen sie nachträglich keine Ratenerhöhung oder Laufzeitverlängerung vornehmen. Das entschied kürzlich das Bezirksgericht Kirchberg am Wagram in einem von der AK angestrengten Musterprozeß. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Anlaßfall war die Kreditaufnahme einer Konsumentin, wobei der Bank bei der Kreditberechnung ein folgenschwerer Kalkulationsfehler passierte, der erst ein Jahr später bemerkt wurde. "Um solche Rechenfehler zu bereinigen, sind spätere Erhöhungen der Raten oder Verlängerungen der Laufzeit rechtsunwirksam," sagen die AK Konsumentenschützer. ****

Ein Jahr lang stotterte Frau B. die im Kreditvertrag vereinbarten 820 Schilling-Monatsraten ab. Für einen Fensterkauf hatte sie sich einen Kredit in der Höhe von 78.000 Schilling aufgenommen. Eines Tages erhielt sie ein Schreiben der Bank, daß die Kreditraten falsch berechnet worden seien und sie von nun an nicht 820,
sondern 1.190 Schilling monatlich zu bezahlen habe.

Bei der Kreditberechnung unterlief der Bank nämlich ein folgenschwerer Kalkulationsfehler: Die im Vertrag angegebene Ratenbelastung und die sich daraus ergebende Gesamtbelastung
paßten nicht mit dem Zinssatz zusammen. Zunächst fiel dieser Fehler weder der Konsumentin noch der Bank auf. Im Vertrag waren
120 Raten zu je 820 Schilling vorgesehen mit einer Gesamtbelastung von 98.400 Schilling - alles schien seine Richtigkeit zu haben. Im Vertrag war auch ein Zinssatz von 10,25 Prozent angegeben. Und
hier war der Haken: Bei diesem Zinssatz und der vereinbarten Laufzeit von 120 Monaten hätte die Konsumentin insgesamt nicht 98.400 Schilling zurückzahlen müssen, sondern einen weit höheren Betrag, nämlich 125.600 Schilling.

AK bekommt Recht: Kosumentin zahlt weiterhin niedrigere Raten
Die AK führte daraufhin einen Musterprozeß und gewann: Frau B. hätte nur mittels komplizierter Berechnungen feststellen können, daß die angegebene Gesamtbelastung und damit die Höhe der Monatsraten nicht stimmen konnte. Der Fehler mußte ihr daher nicht auffallen. Die Konsumentin kann weiterhin die im Vertrag vereinbarten Raten von monatlich 820 Schilling zurückzahlen.

"Mit diesem Urteil wurde erstmals ausjudiziert, daß Irrtümer von Banken - fallen sie zugunsten der Konsumenten aus - bei der Bemessung der Ratenhöhe und/oder der Kreditlaufzeit nicht zu
Lasten der Kreditnehmer gehen," erklären die AK Konsumentenschützer. Um einen Fehler zu bereinigen, dürfen die Geldinstitute weder die Raten im nachhinein erhöhen noch die Laufzeit verlängern.

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