Bundeskanzler Viktor Klima, Bundesministerin Elisabeth Gehrer und Kulturstadtrat Peter Marboe überreichen den österreichischen Friedrich Kiesler-Preis für Architektur und Kunst an den ersten Preisträger Frank O. Gehry

Wien (OTS) - Im Rahmen einer feierlichen Verleihung übergaben Bundeskanzler Mag. Viktor Klima in Anwesenheit von Bundesministerin Elisabeth Gehrer und Kulturstadtrat Dr. Peter Marboe am 2. Juni 1998 im Bundeskanzleramt den Österreichischen Friedrich Kiesler-Preis für Architektur und Kunst an den ersten Preisträger Frank O. Gehry.

In seiner Rede würdigte Viktor Klima die besondere Bedeutung Frank O. Gehrys als "engagierten Vertreter einer individuellen und doch auf den jeweiligen urbanen Kontext und vor allem auf den Menschen als Nutzer be-zogenen Architektur" und forderte ihn gleichzeitig auf "sich als Freund und Anreger, als Lehrer und Vorbild, als Beobachter und Kritiker in das aktuelle und zukünftige architektonische Geschehen in Österreich" einzumischen, aber auch "als Träger des ersten Österreichischen Friedrich-Kiesler-Preises für Architektur und Kunst...als Botschafter für die österreichische Baukultur" zu wirken.

Besonderen Dank sprach der Bundeskanzler Lillian Kiesler, Initatorin und Unterstützerin des Österreichischen Friedrich Kiesler-Preises für Architektur und Kunst, "für Ihre Großzügigkeit" aus, durch die Sie, "einen entscheidenden Beitrag zur Verwirklichung des Preises geleistet" hat.

In seiner Laudatio hob Architekt o. Prof. Hans Hollein, Vorsitzender der Jury, Gehrys grenzüberschreitende Auseinandersetzung außerhalb der Architektur mit Möbeln, Interiors und Inszenierungen von Ausstellungen hervor, "die er als willkommenes "fast food" ansieht, die kontroversielle Ideen und rasche Verwirklichungen erlauben" und ging insbesondere auf das "Meisterwerk" des Guggenheim Museum in Bilbao ein, mit dem Frank O. Gehry "gerade zur richtigen Zeit, zum richtigen Zeitpunkt sowohl in seinem Leben und Werk als auch in der Entwicklung der architektonischen Haltungen zum Ende unseres Jahrhunderts" ein gültiges Werk geschaffen hat. Eine besondere Qualität erlangten Gehrys Arbeiten für Hans Hollein auch durch seinen engen Kontakt zu Künstlern wie etwa Oldenburg oder Serra: "Sie sind seine Freunde oder seine Bauherren, er macht mit Ihnen Projekte, er integriert Ihre Arbeit in seine, und - ob er es will oder nicht - ist er doch selbst ein Künstler und wenn er nur einen Fisch baut."

Mit einstimmigen Beschluß haben am 6. April 1998 die fünf Juroren Odile Decq (F), Phyllis Lambert (Can), Harald Szeemann (CH) und Robert M. Wilson (USA) unter dem Vorsitz von Hans Hollein (A) den amerikanischen Architekten Frank O. Gehry mit der folgenden Begründung als Preisträger nominiert: Der stets spürbare Mut zu nicht-ideologischem Kreieren, seine lusterfüllte Arbeit, die über den Bau die Lust weitergibt, machen aus seiner Architektur Kunstwerke voller Überraschungen. Seine Bauten sind komplexe Geschenke. Ihr Erscheinungsbild und Ihre Realität sind Früchte seiner Regie des Unvorhersehbaren im Wechsel von beruhigenden und destabilisierenden Momenten. Sie sind Metaphern, Arretierungen seiner funktionierenden, "korrelierenden" Phantasie, sinnliche und mentale Räume zu schaffen, die sich stets neue Häute wünschen. Und das mit der Großzügigkeit und der Weisheit fundamentaler Erkenntnis, die Martha Graham einmal treffend formulierte: "Ich lerne aus der Praxis". Sein Tun ist Frische und Sinnlichkeit, und gerade aus dieser Natürlichkeit heraus entstehen diese seine Grenzüberschreitungen. Friedrich Kiesler hat es einmal so formuliert: "Form folgt nicht der Funktion. Form folgt der Vision. Vision folgt der Wirklichkeit."

Mit ATS 750.000.- dotiert, gehört der 1997 geschaffene Österreichische Friedrich Kiesler-Preis für Architektur und Kunst zu den weltweit höchsten Auszeichnungen dieser Art. Der Preis wird für hervorragende Leistungen im Bereich der Architektur und der Künste vergeben, die den experimentellen und innovativen Auffassungen Friedrich Kieslers und seiner Theorie der correlated arts entsprechen, in jenem grenzüberschreitenden Sinn, der die etablierten Disziplinen der Architektur und der Künste verbindet.

Der Preis wird von der Republik Österreich - Bundeskanzleramt Kunstsektion, Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten - sowie der Stadt Wien jedes zweite Jahr vergeben.

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Christina Werner

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