Daniel Spoerri: UN COUP DE DÉS EAT ART BANKETT zur Ausstellung OUT OF ACTIONS

Wien (OTS) - Daniel Spoerri UN COUP DE DES - EAT ART BAMKETT zur Ausstellung OUT OF ACTIONS

Datum: Montag, 15. Juni 1998
19.00 Uhr

Ort: MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst Stubenring 5, A-1010 Wien
Treffpunkt: Foyer Weiskirchnerstraße 3, A-1010 Wien

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Wien (OTS) - UN COUP DE DÉS, ein Eat Art Bankett für risikofreudige Gourmets von Daniel Spoerri, bildet am 15. Juni im MAK den Auftakt zur Ausstellung out of actions - AKTIONISMUS, BODY ART & PERFORMANCE 1949-1979 . Nach einer Vorbesichtigung der Ausstellung out of actions, die tags darauf eröffnet wird und Werke von über 100 Künstlern aus Ost- und Westeuropa, Japan, Südamerika und den USA zeigt, stellt Daniel Spoerri in einer Performance die Weichen für sein aktuelles Eat Art Bankett. Durch einen einzigen Würfelwurf, einen einzigen coup de dés, wird die versammelte Gesellschaft entzweit. Der Zufall entscheidet über den Verlauf des Abends.

Gegensätze prallen aufeinander, gesellschaftliche Konventionen und soziale Werte werden zur Neuordnung freigegeben. Der Genuß ist wie bei allen Aktionen von Spoerri hintergründig angelegt.

Daniel Spoerri hat sich als einer der Mitbegründer und wichtigsten Vertreter des Nouveau Réalisme bereits in den sechziger Jahren mit Eat Art, der Kunst zu kochen und zu essen, beschäftigt. Für Spoerri bedeutet Essen nicht nur orale Vereinnahmung und Verdauung eßbarer Kunstwerke, sondern vor allem das Inszenieren von Veranstaltungen, bei denen das Publikum mit dem Objekt Essen und gesellschaftlichen Verhaltensweisen konfrontiert wird.

Am Beginn dieser Auseinandersetzung stehen Spoerris berühmte Fallenbilder, in denen durch das Fixieren der benützten Teller und Gläser, der überquellenden Aschenbecher und Essensreste auf der zum Bildhintergrund umfunktionierten Tischplatte die Situation des Diners wiedergegeben ist. Die ersten inszenierten gastronomischen Ereignisse im Kunstkontext, die über die Objekthaftigkeit hinausweisen und bei denen das Essen selbst zum Artefakt im Sinne einer Verschränkung von Kunstproduktion und Kunstkonsum wird, veranstaltete Spoerri im März 1963 in der Galerie J in Paris unter dem Titel Restaurant de la Galérie J. Täglich wurde ein Tisch für ein Bild festgehalten, der Künstler kochte, Kunstkritiker servierten dem Publikum das vom Künstler Produzierte.

Im Restaurant Spoerri in Düsseldorf wurden die Gäste mit "Grenzwertigem" konfrontiert. Mut war angesagt, wenn es galt, Pythonschnitzel, Ameisenomelett, Elefantenrüssel, gegrillte Termiten oder Klapperschlangenragout nicht nur zu bestellen, sondern auch zu verspeisen. Es war bald sehr schick, ins Spoerri zu gehen, da es neben den herausfordernden Speisen auch konventionelle Gerichte gab. Schließlich transferierte Spoerri eine Ecke des Restaurants nach Mailand. Das als Le coin du Restaurant Spoerri bekannte Werk ist auch in der Ausstellung out of actions zu sehen.

Neben den Restaurants veranstaltete Spoerri eine Reihe von großen Bankett-Inszenierungen zu verschiedenen Anlässen mit unterschiedlichen Themen. Ein Spoerri selbst sehr wichtiges Diner war die Schlußveranstaltung der Nouveaux Réalistes, Ultima Cena, 1970 in Mailand. Für jeden Künstler wurde ein Tisch mit für ihn typischen, jedoch aus eßbaren Zutaten hergestellten Arbeiten eingerichtet. Jean Tinguely bekam eine Explosionstorte, Arman eine Akkumulation von Aalen in Aspik, Christo in Folie eingepackte Fische etc. Mit dem Verzehr der Arbeiten war der Nouveau Réalisme sozusagen "gegessen". Vielschichtig sind auch Spoerris Diners homonymes, bei denen einzelne Speisen und Gerichte in bürgerlicher Tradition nach historischen Persönlichkeiten benannt wurden. Spoerri ironisierte diese Praxis, indem er zum Essen Träger kulinarisch zitierter Namen einlud. Wolfgang Goethe traf Faust bei Schillerlocken und Mozartkugeln.

Eine weitere bedeutende Bankett-Inszenierung ist Spoerris Menu travesti, bei dem die Speisenabfolge scheinbar in umgekehrter Form auf den Tisch kommt. Der Lady Curson-Suppe aus der Mokkatasse entsprach z. B. am anderen Ende des Menüs der Kaffee aus der Suppenschale. Täuschung der Wahrnehmung und Umkehr konventioneller Vorstellungen und Werte gehören zu Spoerris wesentlichen Motiven. Sie spielt auch bei UN COUP DE DÉS, Daniel Spoerris aktuellem überraschungsreichen Eat Art Bankett, das er gemeinsam mit seiner Assistentin Sarah Wiener für out of actions konzipiert hat, eine zentrale Rolle.

DANIEL SPOERRI ZU UN COUP DE DÉS

"Vor 101 Jahren (1897) schrieb Stéphane Mallarmé sein Gedicht un coup de dés, in dem er die mots en libertés der Futuristen und Dadaisten vorwegnahm.

un coup de désEin Würfelwurf
jamaiswird niemals
n'aboliraden Zufall
le hasardabschaffen.

Ich habe lange Zeit diesen Satz nicht verstanden: Das Beunruhigende ist ja seine Aussage - diese scheinbar absurde Behauptung, daß der Zufall den Zufall nicht abschaffen wird. Aber genau das sagt dieser geniale Satz: Das Immerwährende, das Absolute und Ewige ist der Zufall, wir werden ihn nie ergründen und nie abschaffen. Niemals wird der Zufall sich selber abschaffen.

Daß der Zufall das eigentlich sicherste, das absolute Prinzip sei, war vor hundert Jahren eine revolutionäre, prophetische Behauptung, da doch fast alles sicher und geordnet schien. Aber gerade in diesem Moment brach alles ein: die Kaiserreiche, die Politik, das Weltbild. Einstein entdeckte die Relativität.

Die Kunst reagierte als Seismograph, Dadaismus und Kubismus, die abstrakte Kunst, bewiesen das aus den Fugen geratene Weltbild, Picasso, das geniale Kind, zerbrach die seit der Renaissance gesichert geglaubte trügerische Perspektive und zeigte die kaputten Spielzeuge im Laufstall, und nur Hitler in seiner Perversion denunzierte diese Wahrheit als entartete Kunst und verordnete eine neue heile Welt (an die noch heute sich einige Hoffnungslose klammern), bevor er alles und alle zerstörte und mordete.

"Heute stehen wir da mit dem Wissen, daß der reine Zufall, nichts als der Zufall, die absolute, blinde Freiheit die Grundlage des wunderbaren Gebäudes der Evolution ist." (Jacques Monod, 1971)

So hochgestochen und anspruchsvoll soll das Diner UN COUP DE DÉS nicht sein, aber es schadet nichts, wenn man an mehr als nur ein Spiel denkt.

Am 15. Juni also wird zur Voreröffnung der MAK-Ausstellung out of actions ein einziger Würfelwurf, ein einziger coup de dés die versammelte Gesellschaft entzweien."

Pressedaten

Daniel Spoerri
UN COUP DE DÉS

EAT ART BANKETT
zur Ausstellung OUT OF ACTIONS

Datum Montag, 15. Juni 1998, 19.00 Uhr Ort
MAK - Österreichisches Museum für angewandte
Kunst
Stubenring 5, A-1010 Wien
Treffpunkt Foyer Weiskirchnerstraße 3, A-1010 Wien

Planung Daniel Spoerri, Peter Noever
Künstlerisches KonzeptDaniel Spoerri
Gastronomische
Assistenz Sarah Wiener
VeranstalterMAK ART SOCIETY
OrganisationEwa Esterhazy
RealisationHaslinger, Keck. PR
Gabriele Heindl

CateringHotel im Palais Schwarzenberg

Ablauf19.00 Uhr
Treffpunkt Foyer Weiskirchnerstraße
Vorbesichtigung der Ausstellung OUT OF ACTIONS
MAK-Ausstellungshalle EG + OG

20.00 Uhr
Daniel Spoerri - un coup de dés

MAK-Vortragssaal und Foyer
Bankett
Säulenhalle

PreisöS 900.-
öS 600.- für Mitglieder der MAK ART SOCIETY

Kartenbestellung MAK ART SOCIETY
Stubenring 5, A-1010 Wien (Bestellung bis 9. Juni)

TEL.: 0664-461 95 80
TEL.: 0664-461 95 81
FAX: +43-1-711 36-213

Zahlungsmodus Kredikarte oder Barzahlung

Abholung im MAK
Stubenring 5, A-1010 Wien
Di - So 10 - 18 Uhr

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