VOTRUBA : STUDIE BESTÄTIGT ZUFRIEDENHEIT, WICHTIGE FRAGEN OFFEN

LR Votruba präsentierte neue NÖ-Kindergartenstudie der OGM und der LAK

St. Pölten (SPI) Die von der österreichischen Gesellschaft für Marketing (OGM) im Auftrag der Niederösterreichischen Landesakademie (LAK) auf Wunsch des Landes Niederösterreich durchgeführte Studie über die Auswirkungen des 1996 beschlossenen Kindergartengesetzes stellt dem NÖ-Kindergartenwesen ein gutes Zeugnis aus, das in der Zufriedenheit sowohl seitens der Eltern
als auch der Kindergärtnerinnen, der Helferinnen und der Inspektorinnen seinen Ausdruck findet. Keine Überraschung ist die Kritik der Gemeinden im Zusammenhang mit der Finanzierung,
erklärte Landesrätin Traude Votruba Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Markus Ott von der OGM, im Rahmen derer die nunmehr vorliegende Studie präsentiert wurde. "Da die Studie allerdings ausschließlich innerhalb des derzeitigen Kindergartensystems erstellt wurde, bleiben wichtige Fragen im Kinderbetreuungsbereich offen - nämlich die Probleme all jener, für die das derzeitige Angebot nicht ausreicht und die es deshalb nicht nutzen können. Aber leider keinen Eingang in die Studie fanden", betonte Votruba.

Der Fragenkatalog wurde von einer Projektbegleitgruppe entworfen, die Kindergärtnerinnen haben ausgewählte Eltern gemeldet, die sich für die Befragung zur Verfügung stellten. Innerhalb derer wurden dann nach dem Zufallsprinzip 115 Eltern, davon 27 mit Kindern in der Nachmittagsbetreuung, herangezogen.
Dazu kommen jeweils 100 Interviews mit Kindergärtnerinnen und Helferinnen, 99 Interviews mit Gemeindevertretern sowie mit 11 der 12 Kindergarteninspektorinnen, erklärte die Landesrätin weiters. "Wir verfügen damit über eine innere Bewertung des derzeitigen Kindergartensystems durch alle damit Befaßten beziehungsweise
davon profitierenden Eltern. Um das neue Kindergartengesetz aber
in seiner gesamten Auswirkung bewerten und daraus notwendige Konsequenzen ziehen zu können, bedarf nun einer flankierenden Aufarbeitung der Relation Betreuungsangebot und Arbeitsmarkt, vor allem im Hinblick auf die sogenannte ‘Mobilitätseinschränkung’ im Bereich der Arbeitnehmerinnen durch unzureichende Betreuungsmöglichkeiten", stellte Votruba klar.

So waren 1997 45 Prozent aller in Niederösterreich vorgemerkten Arbeitslosen Frauen. Der häufigste Grund für Vermittlungsprobleme bei den Frauen ist die sogenannte ‘Mobilitätseinschränkung’, daß heißt, daß Arbeitszeit und Arbeitsort des vorhandenen Stellenangebots die Möglichkeiten an Flexibilität der Arbeitssuchenden übersteigt. "1997 waren durchschnittlich 5.330 Arbeitsuchende aufgrund dieser Mobilitätseinschränkung schwer bis nicht vermittelbar, 91 Prozent davon Frauen. Im April 1998 lag die Quote der Frauen mit Mobilitätseinschränkungen mit 5.115 um 203 höher als im April des Vorjahres, was einer Steigerung von 4,1 Prozent entspricht - wobei Niederösterreich dabei noch relativ gut liegt, denn österreichweit ist eine Steigerung um 10,5 Prozent zu verzeichnen", hob die Landesrätin hervor. Wir stehen also vor der nachweislichen Diskrepanz einer hohen Zufriedenheit mit dem Betreuungsangebot all jener, die es nutzen können und vor zunehmenden Problemen für all jene, die mit diesem Angebot nicht das Auslangen finden, bekräftigte Votruba ihre Forderung nach einem raschen Ausbau des Angebotes, nicht nur der Kindergärten, sondern auch im Anschluß an den Karenzurlaub und während der Schulzeit.

In diesem Zusammenhang ist auch die Finanzierungsfrage abzuklären, und zwar sowohl im Interesse der betreuungssuchenden Eltern als auch der Gemeinden. "Der immer höheren Flexibilität, die der Arbeitsmarkt erfordert, müssen wir eine entsprechende Flexibilität im Betreuungsbereich gegenüberstellen. Denn daß die Eltern, die derzeit den kostenlosen Kindergarten vormittags nutzen können, für die Beibehaltung des Nulltarifes votieren, überrascht wohl wenig. Ebensowenig wie die Tatsache, daß jene Eltern, die derzeit die kostenpflichtige Nachmittagsbetreuung in Anspruch nehmen, diese für OK finden - was, wie auch die OGM ausdrücklich anmerkt, den deutlichen Rückgang der Besuchszahlen nicht zu erklären vermag", so die Landesrätin.

Die Studie, deren Ergebnisse im Anhang folgen, kann also kein Anlaß für ein zufriedenes Zurücklehnen sein, sondern ist vielmehr ein Auftrag dafür, jene weitestgehende Zufriedenheit mit dem Angebot auch für jene Frauen und Mütter herzustellen, die es derzeit nicht nutzen können, schloß Votruba.

Zufriedenheit mit Leistungen im Kindergarten :
(Bewertung nach der schulischen Notenskala)

Bildung im weitesten Sinne 1,7
Kindergerechter Umgang durch Kindergärtnerinnen 1,7
Kindergerechter Umgang durch Kindergartenhelferinnen 1,7
Umgang der Kinder miteinander 2,1
Ausstattung des Kindergartens 2,4
Essen und Trinken 2,0
Bauliche Voraussetzungen 2,5

Fazit Eltern :

Generelle Situation im Kindergarten: Im Allgemeinen
Zufriedenheit mit Leistungen und Angebot, am relativ geringsten
mit baulichen Gegebenheiten und Infrastruktur

In Summe nur wenig Abweichungen nach einzelnen Merkmalsgruppen erkennbar (z.B. Familien in kleinen/großen Gemeinden),relativ ausgeglichenes Gesamtbild

Kosten - Tenor aus OGM-Sicht: "Vormittag muß gratis bleiben!" Pädagogik: Eltern sagen mehrheitlich "Ja" zur pädagogischen Mitverantwortung des Kindergartens, wenig Unterschied zu Kindergärtnerinnen in dieser Frage

Fazit Kindergärtnerinnen :

Kindergärtnerinnen mit Kindergartengesetz/Arbeitssituation etc.recht bis sehr zufrieden

Relativ stärkste Unzufriedenheit mit neuem Kindergartengesetz in Bezug auf Erziehungs- und Betreuungszeit

Kritikerinnen des neuen Gesetzes sind größtenteils aus Kindergärten mit starker Reduktion der Kinderzahl (über 20 Prozent) seit Einführung des neuen Gesetzes

Informationsfluß, Kommunikation zwischen Kindergärtnerinnen und Kindergarten-Abteilung bzw. in eingeschränktem Ausmaß auch zwischen den Kindergärtnerinnen und Gemeinden verbesserungsfähig.

Anmerkung: Für eine zentrale Stelle (Kindergarten-Abteilung) ist die Betreuung von 550 Kindergarten-Gemeinden natürlich nicht einfach.

Fazit Helferinnen :

Hauptproblem Arbeitszeit, relativ hohe Unzufriedenheit, färbt
auf Zufriedenheit mit Kindergartengesetz/Arbeitssituation
insgesamt ab

Ansonsten Helferinnen recht bis sehr zufrieden, z.B. mit pädagogischer Situation/Umfeld etc.

Weiteres Ergebnis: 90 Prozent der befragten Helferinnen für Basisausbildung (gewünschte Inhalte: Pädagogik, Kreativität, Spiele, ErsteHilfe, Unfallverhütung

Fazit Gemeindevertreter :

Hohe Unzufriedenheit bei Gemeindevertretern mit neuem Kindergartengesetz, vor allem im Vergleich mit Kindergärtnerinnen und Helferinnen

Hauptgründe für Unzufriedenheit sind starker Kostenanstieg bei Gemeinden durch neues Gesetz, Mangel an Flexibilität, Autonomie, Administrationsaufwand (teilweise aber auf Informationsdefizite zurückzuführen)

Hauptergebnisse Kindergarteninspektorinnen :

Große Mehrheit mit neuem Kindergartengesetz zufrieden
Notwendig zur Verbesserung des Notbetriebes, Hauptforderung:
Mehr Springerinnen, Wunsch auch von allen anderen Zielgruppen

Verlagerung von Kompetenzen auf Ebene der Inspektorinnen? Prinzipiell positiv, aber nur bei Entlastung durch verbesserte Ressourcen und mehr Unterstützung (Computer, Schreibkraft) (Schluß)nk/wb

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