Grüne: Slowakische Atombehörde selbst attestiert grobe Sicherheitsmängel Interner Bericht: Qualität zentraler AKW-Komponenten unzureichend Mochovce-Aktivierung wäre Bruch völkerrechtlichen Abkommens

Eine von den Grünen in Auftrag gegebenen Analyse der internen jährlichen Prüfberichte der (tschecho)slowakischen Atombehörde CSKAE bzw. UJD zum KKW Mochovce ergibt ein katastrophales Bild des Reaktor-Sicherheitszustandes. Abg. Gabriela Moser, Atomsprecherin der Grünen: "Über sieben Jahre wurden gravierende Defizite bei der Qualitätskontrolle und bei eingebauten Komponenten und Materialien, sowie bei Schweißnähten im Primärkreislauf festgestellt. Eine Behebung wurde teils nicht durchgeführt, teils ist dies aufgrund fehlender Aufzeichnung und nach erfolgtem Einbau gar nicht mehr möglich."

Mochovce im jetzigen Zustand sei eine Ansammlung von jahrelanger Schlamperei und versteckten Mängeln mit unabschätzbaren Risikofolgen für den Fall der Inbetriebnahme. Die Atombehörde, die vorgestern die Betriebsgenehmigung erteilte, müsse also wissen, daß eine Aktivierung unverantwortbar ist. Auch würde das völkerrechtliche "Übereinkommen über nukleare Sicherheit", mit dem sich auch die Slowakei zur Einhaltung bestimmter Mindeststandards verpflichtet hat, glatt gebrochen (Artikel 14: "Jede Vertragspartei trifft geeignete Maßnahmen, um sicherzustellen, daß umfassende und systematische Sicherheitsbewertungen vor der Inbetriebnahme ... vorgenommen werden. Solche Bewertungen sind gut zu dokumentieren"). "Um versteckte Störfallquellen auch nur annähernd ausschließen zu können, müßten tausende AKW-Bauteile wieder ausgebaut und neu auf ihren tatsächlichen Zustand geprüft werden. das würde Jahre dauern und Milliarden kosten, also eine Inbetriebnahme völlig unwirtschaftlich machen", meint der Atomexperte der Grünen Parlamentsfraktion, Fritz Holzinger.

Im Wortlaut heißt es in den vorliegenden Prüfberichten aus den Jahren 1987 bis 1993 (bis zur Beteiligung des deutsch-französischen Konsortiums wurden die Bauarbeiten eingestellt) u.a.: "Beschädigungen während Montage von Dampferzeugern und Notkühlsystem - nur teilweise beseitigt (1987, S.15)", "Programme zur Qualitätssicherstellung nicht erfüllt; grobe Mängel bei der Lagerung rostfreier Materialien für Notkühlsystem, Hauptkühlmittelleitungen und Hauptumwälzpumpen (1988, S. 24-25)", "Unzureichende Fachtüchtigkeit der Qualitätskontrollore -Geldstrafen bis 40.000 Kcs (1988, S. 25)", "Mängel bei der Durchführung der Kontrollschweißnähte am Boden des Brennelementekorbes in Block 1 (1989, S.20)", "Stromverteiler auf den Notwarten ohne Qualitätssicherstellung geliefert", "Mängel während Transport und Montage von Einrichtungen im Reaktorgebäude (1989, S.20)", "Geldstrafe wegen nur teilweise beseitigter Mängel", "Kabel infolge schlechter Lagerung mechanisch beschädigt (1990, S.23)", "Kein Programm zum Schutz von bereits installierten Anlagen (1991, S.26)", "Großflächige Korrosion in Einrichtungen beider Blöcke -Geldstrafe", "Mängel während Schweißung der Primärkreisleitung", "keine Dokumentation von Prüfungen der zu schweißenden Flächen", "unzureichende Programme zur Qualitätssicherung importierter Kabel (1992, S.27-28)", "Korrosion an 16 Brennelementen", "Qualitäts-kontrollore haben unzureichende Ausbildung und Kenntnis der Vorschriften", "trotz Verbotes aufgrund mangelhafter Dokumentation) Montage des Steuerungssystems (1992, S.30)".

Moser abschließend: "Die slowakische Republik muß eine rasche Entscheidung treffen zwischen dem Bruch von Völkerrechten und der Verantwortung für einen möglichen Atomunfall einerseits und der Realisierung eines Alternativszenarios, für das die Unterstützung auch seitens der EU in Aussicht stünde. Auch hat die Bundesregierung durch die neuen Fakten noch formal begründete Druckmittel.

Rückfragen: Fritz Holzinger, Atomreferent/Grüne Parlamentsfraktion

Tel.: 0663/967 25 80

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FMB/TSCHECHO