Alt-Pkw-Recycling: Erfolg durch freiwillige Vereinbarung

Wirkungsvolles Instrument im Bereich der Umweltpolitik - Schwarzer: Kritik am Richtlinienentwurf der EU

Wien (PWK) - "Freiwillige Vereinbarungen sind vielfach kostengünstiger, effektiver und unbürokratischer als gesetzliche Regelungen. Sie haben sich zu einem wirkungsvollen Instrument im Bereich der Umweltpolitik entwickelt. Ein anschauliches Beispiel sind die positiven Erfahrungen mit dem Recycling von Alt-Pkw in Österreich", erklärte der Leiter der Umweltpolitischen Abteilung in der Wirtschaftskammer Österreich, Doz. Stephan Schwarzer, Mittwoch in einem Pressegespräch anläßlich der Vorstellung des aktuellen Berichtes 1997 über Alt-Pkw-Recycling in Österreich. ****

1992 haben Wirtschaftsministerium, Umweltministerium und Wirtschaftskammer Österreich eine freiwillige Vereinbarung über die Durchführung des Alt-Pkw-Recycling in Österreich geschlossen. Ziel dieses (seit 1996 unbefristet laufenden) Übereinkommens ist es, "die Verwertung gebrauchter Personenwagen und Kombis nach neuen, zukunftsweisenden Verwertungsstandards zu sichern". Die wesentlichen Inhalte sind die Weiterverwendung von Bauteilen, das Recycling der Metalle und bestimmter, gut demontierbarer Kunststoffteile, die thermische Verwertung der heizwertreichen Shredderabfälle sowie -nicht zuletzt - die kostenlose Annahme von Altfahrzeugen beim Kauf eines Neu- oder Gebrauchtwagens.

5.600 Betriebe der Kfz-Wirtschaft und 200 Betriebe des Sekundärrohstoffhandels sind von der Vereinbarung erfaßt. Bereits 1.120 Betriebe sind der Vereinbarung individuell beigetreten und haben sich aktiv als Alt-Pkw-Annahmestellen registrieren lassen.

1997 fielen, dem Bericht zufolge, in Österreich 183.000 Alt-Pkw an. Ziemlich genau die Hälfte (91.000 Stück) davon landete bei den sechs inländischen Shredderbetrieben. Im Zuge der mechanischen Verwertung wurden dabei u.a. 60.000 t Eisen-Schrott sowie 7.000 t Buntmetalle und Aluminiumlegierungen zurückgewonnen. "Unser System ist äußerst umweltfreundlich", betont der zuständige Experte der Abteilung für Umweltpolitik, Mag. Axel Steinsberg. Die restlichen 92.000 Stück des Alt-Pkw-Aufkommens entfallen auf den Verbleib im Privatbesitz, auf private und gewerbliche Exporte sowie auf Pkw-Diebstahl (siehe unsere heutige PWK-Grafik "Die Entsorgung von Alt-Pkw").

Kritik gibt es an der im Juli 1997 von der EU-Kommission beschlossenen "Richtlinie über Altfahrzeuge". Diese nimmt zu wenig auf freiwillige Vereinbarungen, wie sie z.B. in Österreich bestehen, Rücksicht. Nach Ansicht der Wirtschaftskammer müssen alle heimischen Kfz-Betriebe weiterhin die Möglichkeit haben, Altfahrzeuge zu Marktbedingungen zu übernehmen, dafür einen Verwertungsnachweis auszustellen und die Vorbehandlung zur Verwertung durchzuführen. Eine grundsätzlich kostenlose Rücknahme von Alt-Pkw - wie in der EU-Richtlinie de facto vorgesehen - wird hingegen von der Wirtschaft abgelehnt. "Eine kostenlose Rücknahme der Fahrzeuge kann unter den gegebenen Rahmenbedingungen in Österreich nur bei Zug-um-Zug-Geschäften, also bei Kauf eines Neu- oder Gebrauchtwagens, zugesichert werden", erklärt der Vertreter der Kfz-Branche, Komm.Rat Franz Steinbacher.

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Mag. Axel Steinsberg

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