Greenpeace fordert IAEO auf, Mochovce-Aktiverung sofort zu stoppen.

Sicherheitsmängel im Reaktordruckbehälter wurden auch von IAEO beanstandet - Schutzschilder trotz IAEO-Empfehlung nicht eingebaut

Wien/Bratislava (OTS) - . Die von der internationalen Expertenkommission festgestellten Sicherheitsmängel im Reaktordruckbehälter des slowakischen AKW Mochovce wurden auch von der Internationalen Atomenergieagentur (IAEO) beanstandet. Die IAEO hatte im Rahmen ihrer Sicherheitsüberprüfung schon im Jahr 1994 (!) den Einbau von sogenannten Blindelementen empfohlen, das sind Schutzschilder, die an der Innenwand des Reaktrodruckbehälters befestigt werden und ihn vor der versprödenden Wirkung durch die Neutronenstrahlung schützen sollen. Die Schutzschilder wurden jedoch trotz der speziellen IAEO-Empfehlung nicht eingebaut. Greenpeace forderte heute die IAEO auf, die für kommenden Mittwoch geplante Aktivierung der Brennstäbe von Mochovce sofort zu stoppen. "Von Seiten der slowakischen Projektbetreiber und Premier Vladimir Meciar wurde mehrfach betont, daß man sich an das Urteil international anerkannter Organisationen halten werde. Sollten SE oder Meciar jetzt auch die Empfehlung der IAEO ignorieren, dann fordert Greenpeace die internationale Staatengemeinschaft auf, sofort Schritte gegen deren verantwortungslose Atompolitik zu setzen.', sagte Greenpeace-Sprecher Alexander Egit. Wie im Schreiben der internationalen Expertenkommission an SE (15.5.1998) bekannt wurde, entspricht der Reaktordruckbehälter nicht den erforderlichen Sicherheitsstandards. Da die Stahlwand jedes Druckbehälters während des AKW-Betriebes dem Neutronenbeschuß ausgesetzt ist, muß die Druckkesselwand speziellen Qualitätsanforderungen entsprechen. Zusätzlich muß der Reaktordruckbehälter starken Temperatur- und Druckveränderungen standhalten. Im Falle einer Notkühlung kann eine Versprödung des Kessels bis zur Katastrophe führen. Speziell bei Kesseln des Bautyps WWER-440 verläuft im unteren Drittel eine Ringschweißnaht, die besonders bei raschen Temperaturveränderungen eine zusätzliche kritische Stelle darstellt. Je schlechter also die Wand des Reaktordruckbehälters ausgeführt ist, umso größer ist das Risiko.Um den Elektronenfluß auf die Kesselwand zu verringern, werden sogenannte "dummy assemblies" oder Blindelemente eingebaut. Die internationale Expertenkommission hat den Verdacht, daß der Kessel den Qulitätsanforderungen nicht entspricht, d.h. daß im AKW Mochovce keine dummy assemblies vorhanden sind. Sie weisen darauf hin, daß in einem derartigen Fall der Einbau von Blindelementen nötig wäre. Prof. Kromp und das internationale Expertenteam sind nicht die ersten, die auf diesen Mangel aufmerksam machen. Bereits im Zuge des 1. Walkdown 1994 (Berichte 1995) wurden Empfehlungen zur Reduktion der Kesselbeanspruchung und somit des Neutronenflusses auf die Kesselwand abgegeben: Bei RiskAudit ist diese Maßnahme unter den 201 Sicherheitsempfehlungen aufgelistet. Im Rahmen des Mochovce Safety Improvement Review der IEAO (1994) wird der Einbau von Blindelementen für diesen Reaktortyp speziell empfohlen. Somit ist eine weitere wesentliche Maßnahme zur Erfüllung westlicher Sicherheitsstandards, noch dazu im Kernstück des Reaktors, nicht erfolgt. Greenpeace fordert daher, daß Mochovce nicht aktiviert wird und das AKW daher nicht in den Probebetrieb gehen darf. Greenpeace forderte die IEAO auf, mit dem slowakischen Mochovce-Betreibern Slovenske Elektrarne und der Atomaufsichtsbehörde UJD sofort Kontakt aufzunehmen, und die Einhaltung ihrer Empfehlungen einzufordern

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