Größere Überlebenschancen für junge Frauen mit Mammakarzinom - Neue Studie widerlegt alte Anschauungen * G E S P E R R T bis Freitag, 15.5.1998, 01.01 Uhr *

London/Wien (OTS/Euronet) - Weltweit könnten alljährlich 20.000 Menschenleben erhalten werden, wenn das Medikament Tamoxifen an alle Patientinnen mit Brustkrebs, die es benötigen, sofort nach der chirurgischen Entfernung verabfolgt werden würde, ungeachtet ihres Lebensalters. Zu diesem Fazit ist eine in Großbritannien durchgeführte Studie gelangt, über die am 15.Mai berichtet wurde.

Üblicherweise wird Tamoxifen jüngeren Patientinnen deshalb häufig nicht verabfolgt, weil die Ärzte der Ansicht sind, das Mittel helfe Frauen vor Eintritt der Wechseljahre nicht. In der am Freitag, dem 15. Mai, erschienenen neuen Ausgabe des britischen medizinischen Fachblatts "Lancet" werden demgegenüber neue Studien veröffentlicht, aus denen etwas anderes hervorgeht. Die Studie ist die bisher umfassendste mit einem Antikrebsmittel auf zufallsausgewählter Probandinnenbasis. Sie widerlegt die genannte medizinische Auffassung und könnte so den Weg zu einem weltweiten Umdenken in der onkologischen Praxis ebnen, der Tausenden ersparen würde, Opfer dieser Krankheit zu werden.

Die meisten Formen des Brustkrebses weisen Hormon-Rezeptoren auf, die durch Tamoxifen blockiert werden können, so daß das weitere Wuchern der Krebszellen gestört wird. Die Verabfolgung von Tamoxifen kann entweder sofort nach dem chirurgischen Eingriff zu dem Zweck erfolgen, die Gefahr eines erneuten Auftretens zu verringern, oder alternativ dazu erst später, wenn die Krankheit tatsächlich erneut aufgetreten ist.

Unter Federführung der Universität Oxford, so der Lancet-Bericht, sind international 30.000 Frauen mit hormon-sensitivem Mammakarzinom beobachtet worden. Innerhalb von zehn Jahren nach der chirurgischen Entfernung trat der Krebs bei etwa einem Drittel der Patientinnen erneut auf und führte zum vorzeitigen Tod. Mit dem Einsatz von Tamoxifen frühzeitig beginnend und ihn fünf Jahre lang durchhaltend, konnte - ungeachtet des Lebensalters - die Häufigkeit des Wiederauftretens halbiert und also die Lebenserwart ung beträchtlich vergrößert werden. Das Mittel erwies sich als in dieser Weise wirksam, egal, ob auch Chemotherapie gegeben wurde oder nicht und ob der Krebs sich bereits auf die lokalen Lymphdrüsen ausgedehnt hatte oder nicht.

Prof. Dr.Richard Peto von der Universität Oxford sagte: "Wenn Tamoxifen sofort nach der Operation gegeben wurde, so trat bei einer Frau von sechs keine neuerliche Erkrankung auf, und eine von zwölf blieb am Leben. Dabei spielte das Alter keine Rolle. Die Verabfolgung von Tamoxifen hält bereits mehr ältere Patientinnen am Leben als jedes sonstige Antikrebsmittel. Aber bei den jüngeren Patientinnen mit Brustkrebs, die Tamoxifen benötigen würden, ist es meist so, daß sie es nicht bekommen".

Auch dort, wo keine Messungen darüber erfolgten, ob im ursprünglichen Krebs Hormonrezeptoren eine Rolle spielten, hat die sofortige Verabfolgung von Tamoxifen die Überlebenschance erhöht.

Das Medikament hat zugleich erwünschte und unerwünschte Nebenwirkungen. Z.B. kann es zum Krebsbefall der Gebärmutter-Schleimhaut kommen (endometrialer Krebs) und können sich in den Lungen Blutkoagulate bilden (pulmonare Embolie), aber diese Risiken sind verhältnismäßig klein. Demgegenüber hat die Studie gezeigt, daß Tamoxifen das Risiko des Krebsbefalls der gesunden Brust halbieren kann. Insgesamt verhütet Tamoxifen bei Frauen mit hormon-sensitivem Brustkrebs etwa 30 Mal so viel Todesfälle wie es verursacht.

Prof. Dr.Rory Collins von der Universität Oxford führt aus: "Bei gesunden Frauen, auch solchen mit erhöhtem Risiko des Auftretens von Brustkrebs, ist das Gleichgewicht zwischen den wohltuenden und den schädlichen Wirkungen von Tamoxifen undeutlich. Demgegenüber übertreffen bei Frauen, die bereits am Mammakarzinom erkrankt sind, die wohltuenden Möglichkeiten von Tamoxifen bei weitem die etwaigen ungünstigen Auswirkungen hinsichtlich der Überlebenschance. Wenn alle Patientinnen mit Brustkrebs, die Tamoxifen benötigen, es auch bekommen, wird das alljährlich weitere 20.000 Menschenleben retten".

Die dargestellte Zusammenarbeit hat Daten zusammengeführt, die während der beiden letzten Jahrzehnte in mehr als einem Dutzend Ländern bei 55 zufallsbezogenen Versuchen gesammelt wurden. Dr. Michael Clarke, der wissenschaftliche Koordinator des Großversuchs, sagte: "Diese gewaltige Studie hat gezeigt, daß Tamoxifen noch mehr Frauen am Leben erhalten könnte. Tamoxifen ist nicht teuer: in den meisten Ländern kostet eine fünfjährige Behandlung nur ein paar hundert Pfund - anders ausgedrückt, für jedes Leben, das durch Tamoxifen gerettet werden kann, sind nur ein paar tausend Pfund erforderlich".

Die Studie wurde vom britischen Imperial Cancer Research Fund finanziert, einer der weltweit führenden karitativen Organisationen in der Krebsheilkunde.

Redaktioneller Hinweis:

Tamoxifen for early breast cancer: an overview of the randomised trials. Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group. (Titel des Lancet-Berichts: Tamoxifen zur Frühanwendung bei Brustkrebs:
Zusammenfassung der zufallsausgewählten Versuche.)

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15.Mai, eröffnet): http://www.ctsu.ox.ac.uk/tamoxifen

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