AK zu Euro: Ohne umfassende Begleitmaßnahmen droht Desaster für Konsumenten

Kollmann: Probleme in England bei der Umstellung auf das dezimale Pfund sind alarmierende Hinweise

Wien (OTS) - "Eine umfassende Regelung der doppelten Preisauszeichnung während der Umstellungszeit ist unumgänglich," sagt AK Konsumentenschützer Karl Kollmann heute, Donnerstag, bei den Verbraucherpolitischen Gesprächen der AK. Auch Rainer Metz, Euroexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen bekräftigt, wie wichtig eine Doppelpreisauszeichnung sei. Nach Meinung von Metz erwarten sich die Konsumenten von der Umstellung hauptsächlich wirtschaftliche Vorteile, die in Arbeitsplätze umgewandelt werden müssen. Die direkten Vorteile für Konsumenten sind eher gering. ****
"Obwohl das britische Pfund 1971 selbst überhaupt nicht verändert, sondern "nur" die Untereinheit Pence dezimalisiert wurde, zeigen
die damaligen Untersuchungen, daß es schon damit zu gravierenden Problemen bei den Verbrauchern kommt. So nahm etwa das Preiswissen der Verbraucher ganz deutlich ab," berichtet AK
Konsumentenschützer Karl Kollmann, heute Donnerstag, bei der AK Veranstaltungsreihe "Verbraucherpolitische Gespräche". Der Anteil der Konsumenten, die keine zureichende Preiskenntnis mehr hatten, stieg vom Jänner 1971 von 14 Prozent, auf 24 Prozent im Februar 1971 (Beginn der Umstellung) und schließlich auf 36 Prozent im März 1971. Dabei war damals das Konsumgüterangebot weitaus geringer als heute.
Einen Monat nach der an sich sehr gut vorbereiteten Umstellung der Untereinheit des Pfund waren 45 % der Konsumenten noch nicht imstande, damit umzugehen.

Bei der Euro-Umstellung hingegen kommt auf die österreichischen Konsumenten weit mehr zu, nämlich eine doppelte Umorientierung:
Einerseits werden sämtliche Banknoten und Münzen gegen neue ausgetauscht, anderseits erfolgen die Preis und Wertangaben in
einer neuen Währung mit ungewohnten und gänzlich unrundem "Umrechnungskurs". "Daher ist eine verbindliche und umfassende Verpflichtung zur Doppelpreisauszeichnung während der Umstellungszeit unverzichtbar," bekräftigt Kollmann. Die Konsumenten dürfen nicht das Gefühl haben, bei der Umstellung draufzuzahlen. Es ist auch notwendig, passende zielgruppenorientierte Informationen für die Verbraucher anzubieten.

In England kam es bei der Pfund-Dezimalisierung auch verstärkt zu Füllmengenveränderungen bei den Packungen. Um das Vertrauen der Konsumenten in die neue Währung zu schaffen, ist eine amtliche Preisüberwachung für die Konsumenten unabdingbar. Versteckte Preiserhöhungen und Angebotsveränderungen sollen so aufgedeckt werden. Kollmann spricht sich auch für eine kontinuierliche Preisbeobachtung bereits vor der Euro-Umstellung aus, deren Ergebnisse regelmäßig veröffentlicht werden.

Preistransparenz sicherstellen
"Meines Erachtens erwarten sich die Konsumenten weniger
individuelle als mehr wirtschaftliche Vorteile," meint Rainer Metz von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen. Diese erwarteten wirtschaftlichen Vorteile müssen in Arbeitsplätze umgewandelt werden, so Metz. Nachteile dürfen den Konsumenten keinesfalls entstehen. "Die Politik ist daher bei der doppelten Preisauszeichnung gefordert," meint Metz. Auch die deutschen Konsumenten befürchten, daß es zu verdeckten Preiserhöhungen kommen könne, da der Handel bisher noch keine konkreten Zusagen gemacht hat. Um die Interessen und Bedürfnisse der Verbraucher bei der Euro-Einführung abzusichern, fordert Metz konkret eine anbieterunabhängige Information und Beratung, Schutz vor Mißbrauch und eine Sicherstellung der Preistransparenz.

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