Ärzte mobilisieren (Teil 4)

Beim ersten Delegierten der Österreichischen Ärztekammer heute Mittwoch in Wien wurde eine Resolution von mehr als 300 Teilnehmern beschlossen. Darin heißt es:

"Jahrelange Versäumnisse und aktuelle Ereignisse bewirken eine kritische Situation im österreichischen Gesundheitswesen. Die negativen Auswirkungen auf die Ärzteschaft und die ihr anvertraute Patientenversorgung sind enorm. Die Krise kann nicht hingenommen werden. Sie manifestiert sich in den Praxen und Spitälern".

Im Bereich außerhalb der Spitäler nehmen die Krankenkassen die sozialmedizinische Verantwortung nicht mehr wahr. In den Spitälern wird die qualitativ hochstehende Patientenvorsorgung immer stärker behindert, womit ein steigendes Risiko für die Patienten verbunden ist. Doch Spitalspolitiker ignorieren diese Entwicklung, so die Resolution.

Weiters wird in der Resolution auf die explodierenden Medizinerzahlen hingewiesen: 13.558 im Jahr 1970, heuer bereits 32.848. Derzeit studieren 16.221 Personen in Österreich Medizin. Die Berufsaussichten sind trostlos. Das Durchschnittsalter der Ärzte beträgt 44,3 Jahre, der jährliche Ersatzbedarf in Österreich lediglich 330 Ärzte. In diesem Zusammenhang wird die Hochschulpolitik der Bundesregierung, speziell des Wissenschaftsministers als verantwortungslos bezeichnet.

"Für das gesamte österreichische Gesundheitswesen wurden Entwicklungen zugelassen oder sogar veranlaßt, die nicht nur die Arbeits- und Einkommenssituation der Ärzteschaft, sondern auch die Qualität der Patientenbetreuung beeinträchtigen," heißt es in der Resolution.

Außerdem: "Die österreichischen Ärzte fordern die verantwortlichen Gesundheits- und Sozialpolitiker mit allem Nachdruck auf, ihre Kompetenz wahrzunehmen und die längst notwendigen Reformen durchzuführen. Diese sind unter anderem:

- Förderung der niedergelassenen Ärzte

- Sicherung des Bestandes der Hausapotheken

- Sicherung der Existenz der Landärzte

- Anhebung der Kostenerstattung bei Wahlärzten

- Moderne Kooperationsformen für Ärzte (Gruppenpraxen, Anstellung)

- Verzicht auf den Ausbau der Kassenambulatorien

- Österreichweite Umsetzung des AZG für alle Spitalsärzte

- Entbürokratisierung der LKF, Zeit für Medizin statt Bürokratie

- Abbau von Schikanen und Restriktionen bei den Krankenkassen

- Krankenhausentlastenende Maßnahmen, speziell Einführung der Hauskrankenbehandlung auf Kassenkosten

- Vereinbarungen - nicht Diktate! - für die Versorgung der bäuerlichen Versicherten

- Reform des Medizinstudiums durch Einführung einer Selektionsphase.

Es ist an der Zeit, statt selbstzweckhafter, unergiebiger Diskussionen Tagen im Sinne der ÖAK-Vorschläge zu setzen. Geschieht dies nicht, dann werden die Ärzte handeln."

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer,
Tel.: 01/512 44 86

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