Gewerbeverein: Statistik in Österreich

Wien (OTS) - Statistik sollte - so meint man, Daten liefern, die
der Wirtschaft, der Politik oder anderen Entscheidungsträgern helfen, Dinge zu optimieren, die verbesserungsfähig sind. Dazu sollten Sie:

1) sinnvoll sein: Ein Beispiel: Ein Bäckermeister wird tatsächlich monatlich vom Österreichischen Statistischen Zentralamt (ÖSTAT) befragt, wieviele Semmeln er herstellt, wieviele davon in den Verkauf gelangen, und wieviele zu Bröseln etc. verarbeitet werden. Niemand konnte bisher dem Bäckermeister erklären, welchen Zweck diese Umfrage hat. Dank seiner Courage beantwortet er die ihm zugesandten Fragebögen nicht und bekommt entsprechende Strafverfügungen!!!, gegen die er jeweils Einspruch erhebt. Diese Einsprüche werden aber gar nicht behandelt - ÖSTAT wird wissen warum. Der Bäckermeister hätte sich einen Maria-Theresien-Orden verdient: Er widmet sich seinem Kerngeschäft - der Bäckerei - und verweigert für Dinge, deren Sinnhaftigkeit nicht erklärt wird, Außenstelle für das ÖSTAT zu spielen.

2) aussagekräftig sein: Nach EU-Kriterien hat sich Österreichs Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres um lediglich 1/10 Prozent verändert. Nimmt man die nicht-saisonbereinigten Daten in diesem Zeitraum auf anderer Basis, liegt die Schwankungsbreite zwischen 5,8 und neun Prozent. Um die erstgenannte Zahl zu erheben, wird ein komplexes Verfahren angewandt, das mit klarem Menschenverstand nichts mehr zu tun hat. Daß die Arbeitslosigkeit auch in Österreich trotz NAP ansteigt, erkennt man mit freiem Auge; die Meßgenauigkeit von 0,1 Prozent ist schlechthin überzogen.

Der Österreichische Gewerbeverein fordert daher vom ÖSTAT - den Experten - bis hin zur Bundesregierung endlich - vor geplanter Überleitung des ÖSTAT in das Bundesrechnungsamt, die Sinnhaftigkeit und die Aussagekraft aller erhobener Daten von einer externen Beratungsfirma prüfen zu lassen. Darüberhinaus muß ermittelt werden, wer überhaupt aufgrund dieser Daten Entscheidungen trifft. Beim AMS hat man den Eindruck, daß außer der Forderung nach noch mehr Geld, die (scheinbar) geringe Schwankungsbreite der Arbeitslosenquote zum sanften Zurücklehnen und noch weniger Kreativität verleitet.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Gewerbeverein, Dr.Herwig Kainz,
Tel.:01-587 36 33/30, Email: oest.gewerbeverein@apanet.at

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